LAAC Architekten | Stiefel Kramer Architecture & Christopher Grüner: Landhausplatz Innsbruck – Ein Teppich für die Stadt

Ein Platz der Vielfalt

Ein Platz der Vielfalt: Denkmäler, Bäume, Bänke und Bodenskulptur | A square of variety: monuments, trees, benches and a sculpture of concrete

Innsbruck hat eine neue soziale Mitte. LAAC / StiefelKramer / Grüner gestalteten den Platz vor dem Landhaus neu. Sie überzogen ihn mit einer Bodenplastik aus hellem Beton, die viele Funktionen erfüllt. Wunderbar integrieren sich Monumente, Tiefgarageneinfahrten und Stadtmöbel aller Art in die samtige, urbane Topografie. Ahornbäume gibt es auch.

Neues Leben

Knirschende Skateboardrollen, die harsche Landung eines Brettes am harten Boden, laufen, lachen, rufen: Die Geräuschkulisse um das Innsbrucker Befreiungsdenkmal ist sehr lebendig. LAAC / StiefelKramer / Grüner verwandelten den Platz vor dem Tiroler Landhaus in eine 9.000 m² große, urbane Stadtlandschaft aus hellem Beton. Sacht schwappt sie am Denkmalsockel empor. Wie von einer sandigen Düne umweht, steht das Monument am Platz und wirkt auf einmal weniger mächtig. Auch die schmiedeeisernen Gittertore zwischen den Säulen sind nun offen. Man atmet auf. Lang dümpelte der Platz in stiller Agonie vor sich hin. Und das, obwohl er der größte der Stadt ist und unweit vom Bahnhof direkt beim Zentrum liegt: Zwei Durchgänge führen auf die Maria-Theresien-Straße, Innsbrucks größten Corso. 1994 wurde der Platz vor dem Landhaus in Eduard-Wallnöfer-Platz umbenannt. Seine Planung geht auf die Architekten Walter und Ewald Guth zurück. Sie bauten 1938/39 das Landhaus zum Gauhaus aus. Vor dem Portal mit den neoklassizistischen Säulen, das die Berliner Reichskanzlei zitiert, sollte ein „Ehrendenkmal für die gefallenen Kameraden der Bewegung des Gaues Tirol“ errichtet werden. Das tausendjährige Reich erlebte das nicht mehr, dafür stellte die französische Militärverwaltung nach 1945 ein Mahnmal für die Opfer der Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus auf.

Viel Vergangenheit

Architekt Major Jean Pascaud entwarf den Triumphbogen mit der Inschrift „PRO LIBERTATE AUSTRIAE MORTUIS“ („Den für die Freiheit Österreichs Gestorbenen“), über die ein fünf Meter hoher Adler wacht. Hoheitsvoll thronte das Denkmal auf seinem Sockel, sah einem Nazi-Monument zum Verwechseln ähnlich und ließ das Landhaus noch imposanter wirken. Mitte der 1980er plante Fred Achammer eine Tiefgarage. Ihre Einfahrt liegt an der Wilhelm- Greil-Straße, der östlichen Längsflanke des Platzes. Sie teilte ihn in zwei Hälften: Der Freiraum zwischen Befreiungsdenkmal und Landhaus war mit großen Platten gepflastert und diente zur Repräsentation, für Aufmärsche, Zapfenstreiche und Märkte. Der südliche Teil war von Wegen, Bäumen, Rasen und Rabatten durchzogen, zwischen denen willkürlich verteilt Denkmäler standen: Eines erinnerte an das 600 Jahr- Jubiläum der Vereinigung von Tirol und Österreich, beim Denkmal für die Innsbrucker Opfer der sogenannten „Reichskristallnacht“ 1938 wurde der Tiroler Landtag der Jugend initiativ. Mario Jörg von der HTL Fulpmes siegte beim Schülerwettbewerb, sein Entwurf – eine Menora mit Glassplittern und bronzenem Zylindersockel wurde 1997 realisiert.
Ein Jahr später stellte man an der Salurnerstraße den Vereinigungsbrunnen auf. Er erinnert andie Eingemeindung von Pradl, Wilten, Hötting, Mühlau, Amras, Arzl, Igls und Vill. An heißen Tagen suchten Innsbrucker und Touristen beim Becken Kühlung, außerdem entdeckten die Skater das Befreiungsdenkmal für sich und nachts huschten Ratten über den Rasen. Der größte Platz der Stadt wurde zum Sammelbecken für vergessene Denkmäler und soziale Randschichten. 2008 lobte das Amt der Tiroler Landesregierung einen Wettbewerb zu seiner Neugestaltung aus.

Photos: Günter Richard Wett
Text: Isabella Marboe