Lam Architektur | Lendhotel, Graz

Kunst als Lebenspraxis

Nicole Lam betreibt in Graz ein ungewöhnliches Architekturbüro. Der lapidare Web-Auftritt verweigert alle Bilder und Referenzen, von den gelungenen Arbeiten des Studios erfährt man nur über Insider-Talks. Architektur ist für Lam gleichzeitig mehr und weniger als Gebäude zu planen: Mehr, weil sie sich nicht bloß für das Bauobjekt zuständig fühlt: „Wir haben gegenüber unseren Bauherren eine Kosten-Verantwortung und müssen auch für die Öffentlichkeit Mehrwert schaffen.“ Weniger, weil das Bauen in ein umfassenderes Lebenskonzept eingebettet ist: „Ich will ein lebenswertes Büro“, sagt sie mit großer Überzeugung. „Bei uns wird intensiv Montag bis Donnerstag gearbeitet, in die Tagesabläufe sind fixe Yoga-Einheiten eingebaut – und es gibt so gut wie nie Krankenstände. Freitag bis Sonntag bleibt das Büro geschlossen.“ Dieses Kunst-als-Lebenspraxis-Konzept überrascht nicht, wenn man ihre breiten Interessen und kosmopolitische Laufbahn betrachtet: Lam studierte an der TU Graz, an der Kunstakademie in Antwerpen und in Hongkong. Außerdem ist sie begeisterte Fliegerin. 2003 folgte das Architekturdiplom über ein Fernost-inspiriertes Städtebauthema, danach sieben Jahre Mitarbeit bei Riegler Riewe, wo sie an Projekten für die Messe Graz, für das Schlesische Museum in Kattowitz und am Wettbewerb für den Med-Uni-Campus arbeitete, den wir in unserem Jännerheft präsentierten. 2010 eröffnete sie ihr eigenes Büro, daneben lehrt sie Hochbaukonstruktion an der TU Graz. Im Büro ist ihr das Forschen und kreative Experimentieren sehr wichtig. Eine große Rolle spielt dabei die Kunst: so entwarf sie die Lichtinstallationen im Grazer Augartenhotel. Daneben entstanden Büroumbauten, Wohnungseinrichtungen und Sanierungen. Die unkonventionelle Adaptierung eines Traktorschuppens für Wohnzwecke erweckte erste Branchen-Aufmerksamkeit. (...)