Temporäre Architektur als kulturelle Konstante

Marina Tabassum | A Capsule in Time, Serpentine Pavilion 2025

Seit dem Jahr 2000 verwandelt sich ein Stück Rasen im Londoner Hyde Park jeden Sommer in ein temporäres Statement. Der Serpentine Pavilion – ursprünglich initiiert mit dem Auftrag an Zaha Hadid, eine wetterfeste Struktur für ein Gala-Dinner zu entwerfen – ist heute zu einem der verlässlichsten Formate geworden, mit dem Architektur einem breiteren Publikum begegnet.⁠

Text: Arian Lehner | Foto: Iwan Baan⁠


Ein Vierteljahrhundert später ist das Prinzip nahezu unverändert: Jedes Jahr wird ein Architekturbüro eingeladen, einen Pavillon zu entwerfen. Ohne Wettbewerb, aber mit kuratorischem Feingefühl. Die Liste der Beteiligten liest sich wie ein Auszug aus dem Kanon der Gegenwartsarchitektur – von Oscar Niemeyer über SANAA und OMA bis Francis Kéré. Die Bandbreite ist groß, die Lebensdauer begrenzt. Ein Pavillon, ein Sommer, ein Abbau. Und jedes Jahr aufs Neue die Frage: Was bleibt?

© Iwan Baan⁠

© Iwan Baan⁠

© Iwan Baan⁠

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In diesem Jahr stammt der Beitrag von Marina Tabassum. Ihre Architektur ist geprägt vom Klima und der Kultur Bangladeschs, wo sie lebt und arbeitet. Der Pavillon in London ist auch heuer zu einem zurückhaltenden, fast asketischen Bau aus lokalem Holz geworden, aufgeteilt in vier aufgeschobenen Elementen, mit einem Ginkgo-Baum im Zentrum. Ein Raum im saftigen englischen Garten, dessen Architektur wiederrum die fragil wirkende Pflanze rahmt. Gerade weil der Serpentine Pavilion ein jährliches Format ist, stellt er auch eine Frage, die über das Einzelobjekt hinausreicht: Wie temporär darf Kultur sein? Die Leichtigkeit des Formats ist sein Reiz, aber auch seine Schwäche. Denn obwohl viele der Pavillons mit großer Sorgfalt und Materialqualität errichtet werden, bleibt die Frage, was nach dem Ende ihrer kurzen Existenz im Hyde Park passiert...


Sie möchten weiterlesen? Dieser Beitrag ist Teil unserer Ausgabe 9/2025. Der Volltext ist ab Seite 13 zu finden.

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