Gebäude

Wie ein riesiges Reptil schlängelt sich der Mechatronik-Campus in Lienz dem lauschigen linksseitigen Ufer der Isel entlang. Dafür, dass das vielbeinige „Tier“ nicht in diese stürzt, sorgen zwei Brücken, mit denen das neue Gebäude an zwei bestehende angedockt ist.


Minimierter Fußabdruck   

Die Schüler, Studenten und Lehrer, die das Glück haben, im Mechatronik-Campus Lienz zu lernen, zu forschen und lehren, sind zu beneiden. Nicht nur wegen der geringen Studenten- bzw. Schülerzahlen, sondern auch wegen der wunderbaren räumlichen Bedingungen, die das neue Haus bietet. In dem man sich bisweilen wie in einem Baumhaus fühlt, dessen extravagante Form sich letztlich aus dem schmalen Ufergrundstück, aber auch einigen uralten Baumriesen ergibt, die es zu erhalten und somit zu umbauen galt.

Das im Planen von Bildungsbauten sehr erfahrene Wiener Büro fasch&fuchs hat 2014 den vom Amt der Tiroler Landesregierung ausgelobten geladenen einstufigen Wettbewerb für den Bau des Mechatronik-Campus Lienz gewonnen. Mit einem Projekt, das sich grundlegend von den Plänen der übrigen Teilnehmer unterscheidet, indem sie ihr 160 Meter langes und schmales, mehrfach geknicktes Gebäude kühn auf schlanke Stahlbetonsäulen stellen, um auf diese Weise nur einen ganz kleinen Fußabdruck in der Landschaft zu hinterlassen. 

Gebäude

Berührt doch nur der „Kopf“ des Hauses, in dem die große Aula und – als ganzer Stolz des Hauses – das Maschinenbaulabor hinter raumhoch verglasten Wänden untergebracht sind, den Boden. Damit die „normalen“ Menschen sehen können, was hier passiert, so Fadi Dohnal, wissenschaftlicher Leiter des universitären Studienlehrgangs Mechatronik.

Weißes Fachwerk  

Ein horizontal und diagonal raffiniert verschränktes Fachwerk aus weiß gestrichenen, vor Ort verschweißten Stahlrohren mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern bildet das „Skelett“ des ebenso geschmeidig wie fragil wirkenden Gebäudes. Ausgefacht ist diese tragende Grundstruktur im Obergeschoss über bzw. unter den hohen durchgehenden Fensterbändern in perfekt gedämmter Leichtbauweise. Den Fassaden inklusive der Fenster vertikal vorgehängt sind schmale, silberfarbig lasierte Latten aus Lärchenholz. Die Abstände zwischen ihnen sind unterschiedlich breit, was rein pragmatisch mit Beschattungsbedingungen zu tun hat, allerdings mit dem Nebeneffekt, die Fassaden auf diese Weise reizvoll zu verlebendigen. In das Fachwerk eingehängt sind auch die in Fertigteilbauweise als Hohldielen aus Stahlbeton hergestellten Boden- und Deckenelemente, die zehn bis 17 Meter überspannen.

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Im Gegensatz zum Obergeschoss ist das Erdgeschoss von seiner Fläche her winzig. Es ist als Leicht- bzw. Glasbau zwischen das schwebende Ober- und das massiv in Stahlbeton in der Erde verankerte Untergeschoss geschoben. Mit dem Effekt, dass auf diese Weise ein großer und überdachter Platz entstanden ist, der direkt in die üppig baumbestandene Iselpromenade übergeht. Im Untergeschoss befindet sich neben den Sanitäranlagen, Werkstätten, Technik- und Lagerräumen auch eine Tiefgarage, die – sollte die Isel einmal über die Ufer schwappen – mit wenigen Handgriffen durch ein ausgeklügeltes System dichtgemacht werden kann. (...)

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