Die wiederentdeckte Fabrik in der Toskana

METROOFFICE | Architetti Balenciaga, The Plant, Cerreto Guidi, Italien

Mitten in der Toskana, umgeben von Weinbergen und Olivenhainen, entstehen die Lederwarenkollektionen von Balenciaga. Als neuer Produktions- und Ausbildungsstandort des Modehauses dient The Plant, ein dreiteiliges Gebäude, das aus der Sanierung einer seit Jahren stillgelegten Produktionsstätte hervorgegangen ist. Das Architekturbüro METR OOFFICE Architetti hat die Anlage saniert und dabei ihre Grundstruktur aus Stahlbeton betont.

Über vier Jahrzehnte lang prägte in Cerreto Guidi – einer Gemeinde mit etwas mehr als 10.000 Einwohner: innen in der Metropolregion Florenz – der monumentale Baukörper einer stillgelegten Industrieanlage das Stadtbild: ein schrilles und störendes Element in einer Landschaft aus sanften Hügeln, die traditionell der Landwirtschaft gewidmet ist. Als umstrittenes Erbe einer Anfang der 1980er-Jahre eingestellten Produktion hat dieses Zeugnis der Industriegeschichte dank einer sorgfältigen Umgestaltung und Umnutzung seinen Ruf wiederhergestellt und soll jetzt dazu beitragen, die Entwicklung der Region zum Positiven zu wenden.

Die Toskana und die Mode

„Bei der Besichtigung hat uns sofort die außergewöhnliche Qualität der baulichen Substanz beeindruckt; heute wäre es höchstwahrscheinlich nicht mehr möglich, so etwas nachzubilden, schon allein wegen der damit verbundenen Investitionen. Wir wollten es um jeden Preis erhalten. Unsere Entscheidung, das Gebäude nicht abzureißen, wurde vom Unternehmen begrüßt.“ Die Architekt:innen Fabio Barluzzi und Barbara Ponticelli haben 2006 METROOFFICE Architetti gegründet, ein in Florenz ansässiges Büro, das sich seit 2012 auf das Rebranding von Unternehmen der Modebranche konzentriert. Diese Branche findet seit jeher in der Toskana, die international als Referenz für das Manufakturwesen gilt, gute Voraussetzungen. Das Modehaus Balenciaga hat sich bei der Realisierung seiner neuen, auf Lederwaren ausgerichteten Produktionsstätte auf Barluzzi und Ponticelli verlassen. Wunsch des Auftraggebers war es, ein bestehendes Gebäude zu finden, das umgebaut werden konnte, statt einen Neubau zu errichten und damit Flächen zu verbrauchen. Doch nicht nur das. Die Produktionsstätte musste auch eine konkrete Anforderung hinsichtlich des Standorts erfüllen: Sie sollte sich in möglichst geringer Entfernung zu der vor den Toren von Florenz gelegenen Gemeinde Scandicci befinden, in der Balenciaga seit 2015 tätig ist.

Die Erfahrung „echter Erneuerung“

Beim Rückblick auf den Projektverlauf betonen Metrooffice Architetti das Konzept der „echten Erneuerung“. Ein Ausdruck, mit dem das Büro neben den rein architektonischen Aspekten auch die soziale Bedeutung des Projekts hervorheben möchte. Denn für die toskanische Gemeinde bedeutete der im März 2025 fertiggestellte Umbau den Beginn einer neuen Ära. „Der Prozess wurde von Anfang an von der Bevölkerung und der lokalen Verwaltung positiv aufgenommen. Das bestehende Fabrikgebäude war als ungelöstes Problem wahrgenommen worden: eine Art ‚Wunde‘, die schon lange geheilt werden sollte. Es ging jedoch nicht nur darum, ein Gebäude zu sanieren: Das Projekt hat in vielerlei Hinsicht einen Wandel in der Arbeitsplatzstruktur dieser Region bewirkt. Das Endziel, das in den nächsten Jahren verfolgt werden soll, ist die Einstellung von etwa 280 Mitarbeiter:innen. Alle werden vor Ort im Training Center geschult, das einer der drei Kernbereiche von Balenciaga, The Plant, ist.“. . .


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