Monadnock Architects | Volante, Hilversum, Niederlande

Wie lässt sich sozialer Wohnbau verdichten, ohne dabei an Lebensqualität zu verlieren? Das niederländische Büro Monadnock zeigt in Hilversum, dass auch mit knappem Budget architektonisch Anspruchsvolles möglich ist. Farben, Formen und klare Typologien verbinden sich hier zu einem Projekt, das zugleich pragmatisch und überraschend verspielt wirkt.
Text: Michael Koller | Fotos: Stijn Bollaert
Effiziente Nachverdichtung
Das von den Monadnock-Gründern Job Floris und Sandor Naus entworfene und realisierte Wohnbauprojekt befindet sich im Stadtteil Nieuw-Zuid im Südwesten des historischen Stadtzentrums von Hilversum. Das Viertel wurde in den 1950er-Jahren entwickelt. Der ursprüngliche Wohn- und Pflegekomplex wurde im Zuge der Nachverdichtung abgerissen und durch ein Ensemble aus fünf Neubauten ersetzt. Der zweigliedrige Bau mit 108 Wohneinheiten steht in der Mitte der Parzelle. Errichtet wurde er als letztes Bauwerk auf der gemeinschaftlichen Tiefgarage. Auf der Grundlage eines von Moke Architecten entworfenen Gebietsentwicklungsplans wurden die beiden Architekten 2015 in Form eines Pitches von Dudok Wonen eingeladen, Ideen für die Entwicklung eines Wohnbauprojekts zu präsentieren. Ein zentrales Element des Plans war die Streifenstruktur. Damit sollte einerseits die benachbarte Bebauungsstruktur der Nachkriegszeit aufgegriffen und andererseits eine offene und durchlässige Architektur erzeugt werden.

Im Gefüge der Nachverdichtung öffnet sich das Gebäude mit klarer Kante zur gemeinschaftlichen Gartenfläche. © Stijn Bollaert
Kompakte Wohnungstypologie
Durch die Lage in der Mitte des Gebäudeensembles ergaben sich sehr geringe Gebäudeabstände. Nach mehreren Varianten mit unterschiedlich hohen Gebäudevolumen und einer unterschiedlichen Anzahl von Wohneinheiten führte dies letztlich zur Entwicklung eines schmalen und langgestreckten Volumens, das aus zwei leicht zueinander versetzten Bauwerksteilen besteht. Monadnock verfolgte von Beginn an die Idee eines effizienten und klar strukturierten Wohnbaus in parkähnlicher Umgebung. Das fünf- bzw. siebengeschossige Gebäudevolumen ist durch üppiges Grün von den Nachbargebäuden abgeschirmt. Dudok Wonen wünschte kompakte und einheitliche Wohnungsgrößen von maximal 50 Quadratmetern, um der ständig wachsenden Nachfrage nach Kleinwohnungen für junge Erwerbstätige, alleinstehende oder alleinerziehende Personen (ca. 40 Prozent der Wohnungssuchenden) nachzukommen. Die Grundrisse sind weitestgehend identisch. Die Wohnungen im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss sind etwas größer, mit breiteren Gängen für Rollstühle oder Pflegebetten. Sie sind dem betreuten Wohnen für Personen mit physischen oder psychisch Beeinträchtigungen vorbehalten.
Schlanker Baukörper
Der Baukörper wurde so zwischen die anderen Gebäude eingefügt, dass der verfügbare Platz optimal genutzt wird, möglichst viel Tageslicht in die Wohnungen fällt und Ausblicke zwischen den Randgebäuden hindurch möglich sind. Auffallend ist, dass die Wohnungen keine Balkone haben. „Der Abstand wäre zu den Nachbargebäuden erheblich reduziert worden, die Orientierung wäre schlecht gewesen und natürlich spielte auch die Kostenfrage eine Rolle“, so Job Floris. Außerdem entschieden sich die Architekt:innen, aus räumlichen Gründen auf kleine, schlecht nutzbare individuelle Außenbereiche zugunsten eines generösen, kollektiv nutzbaren Gartens rund um das Bauwerk zu verzichten und zusätzlich breit öffnende Glasfronten zu realisieren. Der an der Nordseite liegende doppelgeschossige Gebäudeeingang wurde zentral an der Schnittstelle der beiden Bauwerksteile angeordnet. Von dort aus gelangt man in die zentrale Halle, die sich bis ins vierte Obergeschoss durchzieht und mit den beiden Liften und der Haupttreppe verbunden ist. Blickfänger sind die kreisrunden Deckendurchbrüche, die zusammen mit den Fenstern an der Haupttreppe und den Liften viel Tageslicht ins Innere bringen.
Farbenfrohe Fassaden
Die Farben in den Gängen und vertikalen Erschließungen wurden von der farblichen Gestaltung der Fassade übernommen. Die Kombination von grünen und beigen Backsteinen mit rosafarbenen Fenster- und Türrahmen sowie die quadratischen, dreieckigen und runden Fenster im Eingangsbereich rufen unweigerlich die Architektur der 1970er-Jahre und des Postmodernismus, auf den sich die Architekt:innen bewusst beziehen, in Erinnerung...

© Stijn Bollaert
