Naschen gegen Gentrifizierung

mostlikely architecture, D\D Landschaftsplanung | Marktraum und Naschpark, Wien, Österreich

Die asphaltierten Parkplatzflächen von der Kettenbrückengasse bis zum Rüdigerhof wurden in der 2020 veröffentlichten Wiener Stadtklimaanalyse bereits als urbane Hitzeinsel identizifert. Der neue Marktraum als Teil des neuen Entwurfs sorgte bereits Jahre vor Baubeginn für Aufregung. Seit September 2025 kühlt der Naschpark nun hoffentlich nicht nur die Umgebung, sondern auch erhitzte Gemüter, während sich der Schlagzeilen erregende Marktraum am Naschmarkt seit November 2025 erfrischend unspektakulär in die örtliche Bebauung einfügt.

Von Aschen zu Naschen

Der Naschmarkt, wie wir ihn heute kennen, fand seine Anfänge vor über 200 Jahren als provisorischer Obst- und Gemüsemarkt. Vormals als Aschenmarkt bezeichnet, spielte er im 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle als Versorgungsmarkt der Wiener Bevölkerung und durchlebte mehrere Umsiedelungen, bis er Ende des 19. Jahrhunderts schlussendlich im Zuge der Wienflussregulierung auf das heutige Areal der Wienflusseinwölbung verlegt wurde. Die mehr als 120 charakteristischen dunkelgrünen Marktstände in dreizeiliger Bebauung wurden 1910 nach Plänen von Architekt Friedrich Jäckel errichtet. Seit den 1980er-Jahren geriet der Naschmarkt – wie viele andere Märkte – aufgrund der zunehmend von Supermärkten abgeworbenen Kundschaft in eine Existenzkrise. Daraufhin wandelte er sich vom lokalen Versorgungsmarkt für die Wiener Bevölkerung immer mehr zur höherpreisigen Gastronomie- und Genussmeile mit stark touristischer Prägung.

© DnD GmbH / Rhea Des sovic

Soziale Halle statt Tourist:innenfalle

Dem Projektstart für das neue Naschmarktareal gingen ein einjähriges kooperatives Verfahren sowie eine Wettbewerbsphase voran, die mostlikely architecture und D\D Landschaftsplanung als interdisziplinäres Team für sich entscheiden konnten. Das Konzept von mostlikely architecture für das neue Entree zum Naschmarkt versteht den Marktraum als sozialen Ort und greift gleichzeitig die Wettbewerbsvorgabe der Stärkung regionaler Produkte auf. Entsprechend dem zentralen Gedanken des common space – Stadt als geteilte Ressource – werden die räumliche Förderung von Gemeinschaft und Regionalität sowie das Angebot konsumfreier Zonen als Gegenmaßnahmen zur Kommerzialisierung des Naschmarkts ergriffen. Die zwölf Marktstände innerhalb des Marktraums reihen sich um einen rege genutzten konsumfreien Aufenthaltsbereich mit einem Gemeinschaftstisch als zentralen Treffpunkt. Eine Gemeinschaftsküche, die ausschließlich für nicht kommerzielle Nutzung zur Anmietung freisteht, bietet Raum für Workshops, gemeinsames Kochen und vor allem Wissensvermittlung zu Themen wie Ernährung, Lebensmittel und Nachhaltigkeit. Die Marktstände vergibt das Marktamt an regionale Produzent:innen. Dank der Umgehung von Zwischenhändler:innen können so der Warenpreis niedrig gehalten, nachhaltige Lieferketten gefördert und kleine Betriebe unterstützt werden. Es ist der Schritt zurück zum ursprünglichen Konzept von Bauernmärkten: direkter Verkauf regionaler Produkte von Produzent: innen an Konsument:innen. Die zwölf Marktstände innerhalb des Marktraums reihen sich um einen rege genutzten konsumfreien Aufenthaltsbereich mit einem Gemeinschaftstisch als zentralen Treffpunkt. Eine Gemeinschaftsküche, die ausschließlich für nicht kommerzielle Nutzung zur Anmietung freisteht, bietet Raum für Workshops, gemeinsames Kochen und vor allem Wissensvermittlung zu Themen wie Ernährung, Lebensmittel und Nachhaltigkeit. Die Marktstände vergibt das Marktamt an regionale Produzent:innen. Dank der Umgehung von Zwischenhändler:innen können so der Warenpreis niedrig gehalten, nachhaltige Lieferketten gefördert und kleine Betriebe unterstützt werden. Es ist der Schritt zurück zum ursprünglichen Konzept von Bauernmärkten: direkter Verkauf regionaler Produkte von Produzent: innen an Konsument:innen.

Struktur in neuem und altem Grün

Die Halle selbst ist ein Holzbau mit Stahlstützen, der die dreiteilige Fassadenstruktur samt Oberlichte der historischen Marktstände am Naschmarkt aufgreift. Die für den Naschmarkt charakteristische dunkelgrüne Farbe wurde als ökologisch nachhaltige Lasur aufgetragen. Der Marktraum bietet im Inneren ganzjährig witterungsgeschützten Aufenthalt, während die Fassade bei höheren Temperaturen saisonal zum städtischen Raum, aber vor allem zum Vorplatz – auf dem der samstägliche Bauernmarkt stattfindet – geöffnet werden kann. Dieser ist zudem für temporäre Verkaufsstände regionaler Produzent:innen vorgesehen und bietet im Sommer mit ausfahrbaren Markisen Verschattung. Eine öffentlich zugängliche Dachterrasse erweitert das Gebäude um einen zusätzlichen konsumfreien Aufenthaltsbereich mit diversen Sitzund Liegeflächen. Der Dachgarten soll über die nächsten Jahre ergrünen. Ein Kräutergarten mit geplanten Infoschildern knüpft zudem an das Konzept der Wissensvermittlung und Gemeinschaftsbildung an. . .

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