Gebäude

Mit dem Pema 2 hat Innsbruck eine neue Landmark in Gestalt eines mächtigen Gebäudes, das von jeder Seite anders wirkt. Einmal kurvig wie ein sich blähendes Segel, dann wieder als spiegelnde, die Umgebung reflektierende Fläche oder als bauchiger Körper mit elegant sich schlängelndem Appendix.

Leuchtturm  

Der Bauplatz dieses markanten Gebäudes liegt im nicht so schönen Teil von Innsbruck, vom alten bzw. noblen innerstädtischen getrennt durch den Bahnviadukt. Nun erhält das Quartier jedoch durch das Pema 2 städtebaulich eine wichtige Aufwertung, sozusagen als Leuchtturm am Eingang zum Gelände des Frachtenbahnhofs, das als hoffnungsvolles Stadtentwicklungsgebiet ausgewiesen ist. 

Das Innsbrucker Architekturbüro LAAC hat im Dezember 2012 den von den Bauherren – der PEMA Gruppe und der Stadt Innsbruck – ausgelobten, international geladenen Wettbewerb für den Bau des Gebäudes gewonnen. Es ist prinzipiell komplett anders als das an der gegenüberliegenden Seite des Viadukts von Henke-Schreieck geplante Pema 1. Die Situierung des neuen Gebäudes auf dem von seiner Geometrie und Topografie her schwierigen Grundstück war nicht einfach, seine Ausrichtung hat letztlich mit Blickachsen auf das gebirgige Panorama zu tun. Formale Vorgaben gab es von den Auslobern kaum, außer, dass das neue Gebäude nicht höher als das von einem turmartigen Eckelement dominierte Pema 1 werden durfte.

Gebäude

Pema Turm - Copyright: Marc Lins

Stadtgelenk   

Den LAAC-Architekten Katrin Aste und Frank Ludin war es wichtig, dass das Haus wie ein Gelenk zwischen den beiden durch die Bahn geteilten Stadtteilen fungiert, sozusagen als urbanes Signal, als Aufforderung, unter den Geleisen durchzutauchen. Fast die gesamte Baumasse von rund 100.000 Kubikmetern (drei Viertel davon oberirdisch) sind auf den auf einem zweigeschossigen Sockel stehenden, fast 50 Meter hohen, aus Stahlbeton gebauten Turm konzentriert. Für Aste und Ludin sind die Zeiten, in denen als Nachhall der negativen Auswüchse der 1960er und 1970er Jahre das Bauen von Hochhäusern in Misskredit  geraten ist, nun definitiv vorbei. Gerade in einer Stadt wie Innsbruck, in der durch den Mangel an Bauland Verdichtung und ein Denken in vertikalen Strukturen angesagt ist. Auch im Sinn einer Weiterentwicklung von Urbanität im Denken und mit den Mitteln von heute.

Nicht zuletzt aus diesen Überlegungen heraus war es sinnvoll, dass das Pema 2 kein purer Wohnturm, sondern ein Hybrid aus privater und öffentlicher Nutzung wird. 

Gebäude

Die 173 kleinen Zwei-Zimmer-Einheiten sind im Turm untergebracht, die neue Innsbrucker Stadtbibliothek in einem niedrigen Trakt, der sich in einer elegant ausschwingenden Geste entlang der Straße aus dem Sockel löst. Die Stadt setzt mit der Übersiedlung der bisher innerstädtisch gelegenen, aber räumlich längst beengten Bibliothek samt Fördergalerie an den neuen, von vielen – noch – als dezentral empfundenen Standort ein gesellschaftspolitisch wichtiges Zeichen. So ist hier auf rund 1000 Quadratmetern Nutzfläche ein durch die Niederschwelligkeit seiner Benutzung sozusagen öffentlicher Raum des Lernens und der Begegnung entstanden, der sich zum Straßenraum durch einladend riesige Schaufenster öffnet.

Architekt

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