pichler.architekt[en]: Passivwohnhaus in Wien – Amerika an der Donau – architektur.aktuell

"Taucheranzug"

„Taucheranzug“: Kautschukfolie als Fassade mit Patina | “Diving suit”: rubber foil with patina

Die Gartensiedlungen rund um die Wiener Alte Donau zeugen von der Sehnsucht nach dem Süden: Hier gibt es Anlagen namens Neu-Florida, Neu-Brasilien und Mexiko, ja sogar ein nördlich-kaltes Franz-Josefs- Land. In Mexiko, mit dem Gewerbebau einer Bäckerei im Rücken, errichtete Architekt Günter Pichler für seine Frau und sich ein kleines Wohnhaus im Passivhausstandard.

Die Wand als Wärmekollektor

Das Eckgrundstück sticht sofort ins Auge, nicht so sehr wegen des Hauses, das mit seiner schwarzen Fassade durchaus den vielen dunklen Holzfassaden älterer Kleingartenhäuser im Umfeld ähnelt – doch der leuchtend-rostorange Stahlzaun rund um das 500-Quadratmeter-Grundstück zeigt, dass sich hier etwas Besonderes befindet. Das Haus ist so einfach gebaut wie möglich, dabei jedoch mit großem architektonischem Raffinement, womit Pichler den etwa 1.600 Euro Baukosten pro Quadratmeter unglaublich viel an Lebensqualität abringen konnte. Aufgrund der Bebauungsbestimmungen ist das Gebäude äußerst lang und schmal: 16,35 auf 4,20 Meter, nicht gerade die ideale Form für ein Passivhaus, das gewöhnlich so kompakt wie möglich sein soll. Doch trotz der extrem langgezogenen Form und der großen Glasflächen konnte der Heizwärmebedarf von 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr unterschritten werden. Der langgestreckte Baukörper zoniert das Grundstück in einen privateren, den Wohnraum erweiternden Bereich zum Weg hin, der durch große Glasflächen fast ins Innere übergeht; und in einen größeren Gartenbereich, der stärker mit den Nachbargrundstücken in Verbindung steht. Die zulässige Traufhöhe von 5,50 Metern ist gleichzeitig die Gebäudehöhe.

Die Fassade ist 27 cm stark, was auch nicht gerade dem üblichen Passivhaus entspricht: innen 9 cm Fichten-Brettsperrholz mit unbehandelter Oberfläche; auf den tragenden Holztafeln sind 18 cm Steinwolle mit Ankern befestigt; und über diese Dämmung wurde schwarze Synthesekautschuk-Dichtungsfolie gezogen, die ebenfalls mit Ankern im Holz befestigt ist. Mehr ist nicht nötig, und der Wandaufbau bildet gleichzeitig einen Wärmekollektor. Die großen, fast raumhohen, aufschiebbaren Dreifachverglasungen sind strategisch platziert, um eine Verbindung mit dem Garten und Blickachsen zu erzeugen.

Text: Robert Temel
Photos: pichler.architekt[en]