Pichler & Traupmann Architekten | DAS RAIQA, Innsbruck, Österreich

Das neue RAIQA in Innsbruck will kein Bankentempel sein, sondern ein multifunktionaler Hybrid mit vielfältigen Nutzungen, vom Hotel bis zum Kunstraum. Der spektakuläre öffentliche Innenraum, entstanden aus dem Skelett des Altbestands, wird von einer Großform umhüllt, die sich nur schwer in ihre Umgebung einfügt.
Wer in Innsbruck aufgewachsen ist, für den war der neungeschossige Koloss mit der brutalistisch-braunen Waschbetonfassade in der Adamgasse irgendwie immer schon da. Erbaut Ende der 1960er-Jahre von Walter Anton Schwaighofer, ist der markante Raika-Turm ins kollektive Stadtgedächtnis übergegangen, inklusive der wenigen, in den Sockelbereich geduckten Geschäfte, darunter kurze Zeit die erste Aida Innsbrucks und der Klaustrophobie erzeugende Durchgang zum Bahnhof, den man nur bei allergrößter Zeitnot nahm. Innen war es ganz einfach: eine Bank. 2020 leerte sich dieses architektonisch mittelmäßige Bauwerk, kurzzeitig eroberte die Natur jeden freien Spalt zurück, bevor 2022 hier die Arbeit an einer der wohl spektakulärsten Baustellen der Stadt begann. Schritt für Schritt wurde der Turm von seinen Eingeweiden, der Fassade und allen baulichen Lasten befreit, bis seine Tragstruktur als riesiges, nacktes Stahlbetonskelett dastand, eindrucksvoll archaisch, irgendwo zwischen Ruine und Skulptur. Heute ist daraus ein 34 Meter hohes, offenes Atrium geworden, ein gigantischer Raum, von den mächtigen Betonträgern sowie von Brücken, Stiegen und Stegen durchkreuzt, der das Herz des neuen Raika-Quartiers, kurz RAIQA, bildet.

Urban Mining mit sozialer Dimension
Die Entscheidung, den Bestand nicht vollständig abzureißen, sondern weiter zu nutzen, war bereits im Architekturwettbewerb als Vorgabe gesetzt, aus dem 2019 Pichler & Traupmann Architekten unter 15 Teilnehmenden als Siegerbüro hervorgingen: ein zeitgemäßer Ansatz und ein Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Den Rückbau und die Weiterverwertung betreute die Genossenschaft BauKarussell mit Thomas Romm, begleitet vom Arbeitsbereich für Umwelttechnik der Universität Innsbruck. Aus dem Urban Mining, also der Rückgewinnung von Sekundärrohstoffen aus der Stadt, wurde hier sogar ein Social Urban Mining, weil der Prozess von sozialökonomischen Betrieben durchgeführt wurde. Was ebenfalls in der Wettbewerbsauslobung festgeschrieben wurde: Es sollte kein neuer Bankentempel entstehen, sondern ein hybrides Gebäude mit vielfältigen Funktionen. Dazu holte sich die Raiffeisen Landesbank (RLB) den internationalen Hotelbetreiber Radisson RED an Bord, der als Mieter einen beträchtlichen Teil des Projekts belegt. Die 161 Hotelzimmer wurden als fertige Brettschichtholz-Boxen jeweils in der Nacht per Kran in die Struktur gehoben. Auch konstruktiv ist das Gebäude ab dem vierten Stock – nicht zuletzt aus Gewichtsgründen – ein Holzbau, der an die Bestandsstruktur andockt. Dazu kommen Gastronomie, Veranstaltungsräume, die bankeigene Kunstgalerie, ein konsumfreier Working-Space und lokale Tiroler Geschäfte.
Das Solid zum Void gemacht
„Unsere Rolle in diesem Quartier ist die des Gastgebers. Wir wollten einen Ort schaffen, der zum Verweilen einlädt und wo sich Menschen begegnen können“, erklärt Thomas Wass, Vorstand der RLB. Die Bank erfindet sich quasi neu, als halböffentlicher (Stadt-) Raum. Was bedeutet aber die gestalterisch spannende Entscheidung, den Altbau vom „solid“ in ein „void“ zu verwandeln, aus der Masse also einen (bespielten) Luftraum zu machen? „Wer A sagt, muss auch B sagen“, meint Architekt Christoph Pichler. „Wir wollten Raum für ein dreidimensionales urbanes Atrium freilegen, folglich mussten wir das Volumen rund um diesen Freiraum packen, wie einen Mantel aus neuen Funktionen. . .
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