Gasthaus ohne Rückseite

PPAG | Café Restaurant Resselpark

Mitten im Resselpark, wenige Schritte von der Karlskirche und der TU Wien entfernt, steht das Café Restaurant Resselpark seit 1958 für Alltagsgastronomie im öffentlichen Raum. Der nun realisierte Neubau von PPAG architects übersetzt diese lange Geschichte in eine zeitgemäße Architektur. Entstanden ist ein pavillonartiges Gasthaus, das Park, Stadt und Betrieb neu miteinander verschränkt und den Karlsplatz als sozialen Ort stärkt.


Architektur im Park

Der Neubau liegt in einem der charakteristischen, von Hecken gefassten Ovale des Karlsplatzes. Die Form des Hauses ist dabei direkt aus dem Freiraum entwickelt. Kein Baum musste weichen, die Architektur hat sich um den Bestand gelegt. „Was Einbettung und Grundrissgeometrie betrifft, haben die Bäume im Park ein Wörtchen mitgesprochen“, beschreibt PPAG den Entwurfsansatz. Mit der Neuorganisation des Areals wurden frühere Durchwegungen wieder geöffnet, der Boden entsiegelt und der denkmalgeschützte Tilgner Brunnen in das Gesamtbild integriert. Der Schanigarten geht heute fließend in den Park über und wird Teil einer allgemeinen, öffentlich nutzbaren Fläche.

Das Haus selbst ist rundum adressierbar. Es gibt keine Rückseite mehr. Sitzbänke entlang der Fassade, geschützt durch ausladende Dächer, beleben den Parkrand und reagieren zugleich auf steigende Temperaturen. Abends verwandelt sich das Gebäude in einen leuchtenden Körper, der den Park atmosphärisch fasst. Nach außen wirkt der Bau wie eine Ansammlung kleiner Häuser und erreicht damit bewusst einen menschlichen Maßstab. „Jedem und jeder sein Haus zum Essen“ wird hier zur räumlichen Haltung.

Was Einbettung und Grundrissgeometrie betrifft, haben die Bäume im Park ein Wörtchen mitgesprochen.

PPAG

 

Vielfalt als räumliches Prinzip

Im Inneren setzt sich diese Idee fort. Die scheinbar kleinteilige Struktur entpuppt sich als Folge klar definierter Sitznischen, die jeweils um Tische organisiert sind. Aufgeklappte Dachformen markieren diese Bereiche und geben ihnen Eigenständigkeit. Jede Nische orientiert sich über Schiebefenster in eine andere Richtung und schafft individuelle Blickbeziehungen in den Park. Gespiegelt dazu liegen überdachte Außenplätze, die Innen und Außen eng miteinander verzahnen.

Der zentrale Gastraum bleibt stützenfrei und flexibel bespielbar. Unterschiedliche Gruppengrößen, parallele Aktivitäten und wechselnde Nutzungen sind möglich. Eine bewusst gesetzte Akustik-Lösung erlaubt das Nebeneinander von Gesprächen, Betrieb und Veranstaltungen. Frischluft wird zugfrei über eine umlaufende Bank in den Raum geführt. Die Konstruktion aus Weißtanne in CLT Bauweise prägt die Atmosphäre im Inneren und verleiht dem Raum Wärme und Ruhe. Außen tritt das Gebäude mit grauen Fassadenplatten bewusst zurück und überlässt dem Park die visuelle Dominanz.

PPAG beschreibt den Entwurf als bewusste Auseinandersetzung mit widersprüchlichen Anforderungen. „Menschen brauchen je nach Situation unterschiedliche Raumqualitäten. Offenheit und Geschlossenheit, Intimität und Exponiertheit“, heißt es aus dem Büro. Die Vielzahl an Raumangeboten wird so zur Antwort auf die Flexibilität eines öffentlichen Gastbetriebs.

Der Neubau ersetzt einen baulich nicht mehr sanierbaren Vorgänger. Inhalte wurden nicht wörtlich übernommen, sondern übersetzt. „Im Neuen ist vieles vom Alten, jedoch in übersetzter Form.“ Dass dieses Prinzip funktioniert, zeigt das Publikum. Stammgäste, Studierende der TU sowie Tourist:innen nutzen das Haus gleichermaßen. Das Café Restaurant Resselpark ist damit wieder das, was es immer war und heute mehr denn je braucht. Ein offenes Gasthaus im Park, das Stadtleben aufnimmt und weiterträgt.

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