Kork als urbane Haut

PPAG | Caro + Louis in Berlin Mitte

In Berlin Mitte, direkt an den denkmalgeschützten Resten der Berliner Mauer, ist mit Caro + Louis ein Wohnensemble entstanden, das Material, Raum und Stadt neu zusammendenkt. PPAG setzt hier auf eine Korkfassade als sichtbares Zeichen zeitgenössischen Bauens. Das Projekt versteht sich als Versuchsanordnung für urbanes Wohnen im 21. Jahrhundert und übersetzt ökologische Fragen in eine präzise architektonische Haltung.


Eine Fassade aus geernteter Zeit

Das Haus LOUIS in der Schwarzkopffstraße nutzt Kork nicht nur als Dämmstoff, sondern als gestaltprägendes Fassadenmaterial. Die Architekt:innen formulieren dafür einen klaren Anspruch: „Die Fassaden der Häuser sind die Innenwände unseres gemeinsamen Lebensraumes Stadt.“ Kork wird hier als Ausdruck von Gegenwart gelesen, als Material, das auf Klimafragen reagiert und zugleich eine haptische Qualität in den Stadtraum bringt.

Der eingesetzte Kork stammt aus heißgepressten Resten der Fahrzeugdämmstoffherstellung. Der Baum als Rohstoffgeber selbst wird dabei zum Teil der Erzählung. „Die Korkeiche, die mehrere hundert Jahre alt wird, kann ungefähr alle zehn Jahre beerntet werden, ohne Schaden zu nehmen. Diese Symbiose von Baum und Mensch ist ein reizvoller Gedanke.“ Die Bäume, die die Fassade ermöglicht haben, stehen noch immer in Portugal und wachsen weiterhin.

Für die Genehmigung wurde die Korkfassade in einer hygrothermischen Prüfwand getestet. „Kork ist ein historisches und erprobtes Dämmmaterial“, erklären die Architekt:innen. Herausfordernd war weniger das Material selbst als der regulatorische Rahmen. „Es fehlte bloß die entsprechende Zertifizierung für Deutschland, weswegen die ganzen Tests für die Genehmigung im Einzelfall durchgeführt werden mussten. Ja das war aufwändig.“

Die Fassaden der Häuser sind die Innenwände unseres gemeinsamen Lebensraumes Stadt.

PPAG

 

Raumplan im dichten Stadtkörper

Städtebaulich reagiert das Projekt auf die zwei kleinen Grundstücke an den Enden von Sackgassen, unmittelbar am Park am Nordbahnhof. Drei Baukörper entstehen dabei, die präzise in die vorgegebene Kubatur eingepasst sind. Ein länglicher Bau, ein kompakter höherer Bau und ein Turmhaus als Plombe im Stadtgefüge.

Im Inneren liegen zehn freifinanzierte Wohnungen, die einem Raumplan folgen. Räume unterschiedlicher Höhe, Länge und Breite greifen ineinander. Decken steigen an oder senken sich ab. Raumhöhen bis 4,7 Meter schaffen Großzügigkeit trotz innerstädtischer Dichte. Die Beziehung zum Außenraum entsteht über unterschiedlichste Fensterformate, Schiebefenster und gezielte Vor und Rücksprünge. „Verborgen wird hier nichts“ so PPAG

Die Fassade übersetzt diese innere Lebendigkeit nach außen. Rechteckige Korkplatten mit eingefrästem Relief werden halbiert, rotiert und versetzt montiert. Aus einem Fräsmotiv entsteht eine dynamische Struktur aus Licht und Schatten. Mit der Bewitterung verändert sich die Farbigkeit des Materials. „Kork ist ein Naturprodukt. Je nach Sonnen und Lichtexposition wird es unterschiedliche Bleichungen geben. Uns gefällt der Gedanke, das Haus und seine Bewohner:innen als Organismus zu sehen.“

Caro + Louis zeigt, wie Materialwahl, Raumkonzept und Stadtbezug zu einem konsistenten architektonischen Statement werden können. Nicht als Geste, sondern als langfristig gedachtes Stück Stadt.

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