Hochalpine Infrastruktur

Pumpspeicherkraftwerke Limberg II und Limberg III | Kraftwerksgruppe Kaprun-Salzach, Österreich

Mit der Errichtung der Pumpspeicherkraftwerke Limberg II und III tritt die Kraftwerksgruppe Kaprun in eine neue Ära der Stromerzeugung ein. Überschüsse aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen in riesigen, hoch gelegenen Stauseen zu speichern und bei Bedarf punktgenau wieder zu verstromen, soll künftig Versorgungssicherheit und Netzstabilität garantieren.

Der Name der kleinen Gemeinde mit ihrer mittelalterlichen Burg im Salzburger Pinzgau hat sich längst vom Ort gelöst und zu einem Begriff mit beinahe mythischem Charakter verselbstständigt. Fällt der Ortsname, türmen sich in unserem Bewusstsein Bilder von Stauseen in einer von pittoresken Gletschern umschlossenen hochalpinen Landschaft, von zyklopenhaften Staumauern, die sich in eleganten, dynamisch geschwungenen Linien in diese Landschaft einschreiben. Eingebettet in ein atemberaubendes Alpenpanorama steht Kaprun für eine paradigmatische Symbiose von Ingenieurskunst und Technik einerseits und alpiner Landschaft andererseits, wie sie weltweit nur an wenigen Orten gelungen ist. Dabei wären die damit verbundenen Eingriffe in den Naturraum weitaus tiefgreifender ausgefallen, wären jene Pläne realisiert worden, die seit Mitte der 1920er-Jahre gewälzt worden waren, um die enormen Energieressourcen zu erschließen, die in den Alpen schlummern. Unter konkurrierenden Projekten übertraf jenes der Berliner AEG alle anderen. In einem zeitgenössischen Bericht heißt es in Anspielung auf die Auswirkungen, dass das Land Salzburg „… durch Erstehung dieses vielleicht größten Wasserkraftwerks an Naturschönheit nichts einbüßen, sondern landschaftlich durch die im Hochgebirge eingebetteten, von Gletschern umrahmten Stauseen nur gewinnen [wird].“ (Der Tag, 4. 1. 1929) Das Ausmaß der ursprünglichen Pläne war jedoch von Anfang an umstritten. Endgültig erledigten sie sich durch die Weltwirtschaftskrise 1930. Noch ohne konkrete Planungen inszenierten die Nazis 1938 dann einen Spatenstich mit dem damaligen Reichsminister Hermann Göring. Mit redimensionierten Plänen und dem rücksichtslosen Einsatz von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter:innen gelang es, die Bauarbeiten so voranzutreiben, dass 1944 erstmals Strom ins Netz floss. Als 1945 die Naziherrschaft unterging, wurde die Baustelle eingestellt. Nach anfänglichem Zögern der Alliierten kam es 1947, finanziert durch amerikanische Wiederaufbaufonds, zu einem Neustart. Mit der Architektin Edith Lassmann drang auch erstmals eine Frau in leitender Funktion in die Männerwelt von Kaprun vor. Im anonymen Wettbewerb für die Gestaltung der Limbergsperre erhielt sie 1950 den dritten Preis.

Technische Hochleistungen

Der Umstand, dass in Kaprun zwei riesige Speicherseen unmittelbar übereinander liegen, ermöglichte von Beginn an, Wasser vom tiefer gelegenen Becken Wasserfallboden wieder zurück in den höher gelegenen Speicher Mooserboden zu pumpen. Mit den Pumpturbinen im Kraftwerk Kaprun-Oberstufe (Limberg I), Limberg II und künftig Limberg III wird dieser Pumpspeicherbetrieb optimiert. Nach fünfjähriger Bauzeit wurde 2011 mit dem Start von Limberg II eine erste große Batterie geschaffen, die binnen Sekunden den Bedarf an Spitzenstrom decken kann. Die Bauarbeiten für Limberg III begannen im April 2021. Unser Bild von Kaprun wird mit dem Typ der Pumpspeicherwerke gleichsam verfestigt, da diese praktisch vollständig in unterirdischen Kavernenbauten verschwinden. Allein für die Kraftkaverne Limberg III, die mit Entwässerungsgalerie, Kugelschieberflur, Turbinen- und Generatorflur sowie Maschinenhalle über fünf Geschosse reicht, musste ein Hohlraum mit einer Länge von 62, einer Breite von 25 und einer Höhe von 43 Metern geschaffen werden; das entspricht der Dimension des Mittelschiffs des Stephansdoms. Rund 25.000 Kubikmeter Beton wurden blockweise eingebracht. Für die Transformatorkaverne wurde ein zweiter Hohlraum mit einer Länge von 69, einer Breite von 15 und einer Höhe von 16 Metern aus dem Urgestein der Hohen Tauern gesprengt. Sie erstreckt sich über drei Geschosse und enthält die Blocktransformatoren, die Steuerungsanlagen und die Zufahrtsebene. . .

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