Vom Waisenhaus zum Universitätscampus

Ramón Esteve Estudio |Studio Campus Turia, Valencia, Spanien

Die beständigste Architektur ist nicht die, die dem Lauf der Zeit standhält, sondern die, die es versteht, ihn in sich aufzunehmen. Mit der Sanierung des ehemaligen Waisenhauses San Juan Bautista auf dem neuen Campus Turia der Europäischen Universität in Valencia zeigt Ramón Esteve Estudio (REE) einmal mehr, wie historisches Erbe und zeitgenössische Ästhetik harmonisch nebeneinander bestehen und auf Augenhöhe miteinander interagieren können.

Ramón Esteve hat einem vergessenen Juwel des spanischen Neoklassizismus am alten Flussbett des Turia, gegenüber dem Institut Valencià d’Art Modern (IVAM), seinen früheren Glanz zurückgegeben. Das ehemalige San-Juan-Bautista-Waisenhaus, das im Rahmen des seit den 1990er Jahren laufenden Sanierungsprogramms für Valencia („Rehabilitación Integral de Valencia“, kurz „RIVA“) als denkmalgeschütztes Objekt ausgewiesen ist, war jahrzehntelang ein imposantes und etwas abweisendes Bauwerk im historischen Zentrum der Stadt. Als Sebastián Monleón 1873 das Gebäude in strenger klassischer Symmetrie entwarf, war das klare Ziel Rückzug und Abschottung. Innerhalb seiner Mauern bot es bis in die 1990er Jahre Hunderten von mittellosen Kindern Unterkunft und Bildung. Heute, mehr als drei Jahrzehnte später, öffnet es als neuer Campus Turia der Europäischen Universität seine Türen erneut für Bildungszwecke. Die beeindruckenden Fassaden und über 5.400 Quadratmeter renovierte Fläche markieren einen Generationswechsel. Dass hier 2.000 Studierende untergebracht sind, darunter viele internationale, bedeutet einen tiefgreifenden Paradigmenwechsel: weg von der Abgeschlossenheit und Disziplin einer Pflegeeinrichtung des 19. Jahrhunderts hin zur Offenheit, Zusammenarbeit und Vielseitigkeit eines modernen universitären Ökosystems. Um diesen Wandel zu ermöglichen, „lag der Schlüssel nicht darin, gegen die Struktur anzukämpfen, sondern ihre Bedeutung zu verändern: das, was einst Orte des Transits und der Disziplin waren, in Begegnungsräume zu verwandeln“, sagt Ramón Esteve.

Harmonie der Materialien

Angesichts der Pracht des 19. Jahrhunderts haben die Architekt:innen nach der perfekten Balance gesucht. Jenen Mittelweg, auf dem sich Geschichte und Gegenwart gegenseitig anerkennen; in dem Altes und Neues zur Geltung kommen, ohne falschen Historismus. Angesichts der kulturellen Bedeutung des Projekts galt als Leitprinzip: „Das Wertvolle und Unersetzliche bewahren; dort klar und authentisch eingreifen, wo das Gebäude auf die Gegenwart reagieren muss.“ Die Sanierung war in erster Linie eine Frage der materialgerechten Interpretation. So wurden die Ziegelgewölbe, Holzkonstruktionen und ursprünglichen Zierleisten restauriert. Die Farbgebung und der visuelle Rhythmus des Gebäudes werden durch die originalen Bodenbeläge bestimmt, wobei die wertvollen Nolla- Mosaike aus dem Jahr 1865 restauriert wurden, eine der größten erhaltenen Flächen dieser hochwertigen Fliesen in Spanien. Auf die Opulenz dieses Erbes antwortet die Gegenwart mit dem charakteristischen Stil des Studios, der sich „in der Präzision der Details [zeigt], in der Gelassenheit der Oberflächen, in der Art und Weise, wie Licht, Glas, bauliche Systemlösungen und maßgefertigte Elemente eingesetzt werden“. Treppenhäuser mit strenger Geometrie, weiße Wandflächen, Plattformen aus Streckmetall und Glasfassaden fügen sich ganz natürlich in den Raum ein.ter, öffnet es als neuer Campus Turia der Europäischen Universität seine Türen erneut für Bildungszwecke. Die beeindruckenden Fassaden und über 5.400 Quadratmeter renovierte Fläche markieren einen Generationswechsel. Dass hier 2.000 Studierende untergebracht sind, darunter viele internationale, bedeutet einen tiefgreifenden Paradigmenwechsel: weg von der Abgeschlossenheit und Disziplin einer Pflegeeinrichtung des 19. Jahrhunderts hin zur Offenheit, Zusammenarbeit und Vielseitigkeit eines modernen universitären Ökosystems. Um diesen Wandel zu ermöglichen, „lag der Schlüssel nicht darin, gegen die Struktur anzukämpfen, sondern ihre Bedeutung zu verändern: das, was einst Orte des Transits und der Disziplin waren, in Begegnungsräume zu verwandeln“, sagt Ramón Esteve.

Dem Licht und der Interaktion entgegen

Als Erbe seiner neoklassizistischen Strenge verfügte dieses historische Gebäude bereits über einen klaren Grundriss, der sich um zwei große symmetrische Kreuzgänge und einen zentralen Baukörper gliederte. Ramón Esteve hat diesen Grundriss respektiert, gleichzeitig aber dessen Charakter auf den Kopf gestellt. Während die Kreuzgänge früher ausschließlich als Durchgänge dienten, präsentieren sie sich im neuen Campus als Orte der Begegnung und Interaktion für Studierende und Lehrende. So „verwandeln sich die Kreuzgänge von Durchgängen in Innenräume“, erklärt der Architekt. . .


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