Von Industrie zur Nachbarschaft

raumwerk.architekten | BOB Campus, Wuppertal-Oberbarmen, Deutschland

Der BOB Campus in Wuppertal wurde jüngst mit dem Deutschen Städtebaupreis ausgezeichnet. Aus der Fabrikhalle des August Bünger Textilwerks Oberbarmen (BOB), das vor 50 Jahren noch 300 Beschäftigte hatte, entstand ein Gebäude mit vielfältigen Angeboten, die das Quartier sichtbar belebt und weiterentwickelt haben. Die Jury des Städtebaupreises lobte den BOB Campus als Vorbild „für transformative Stadtentwicklung“, denn er zeige, „wie aus einer Industriebrache ein lebendiger Ort des Lernens, Wohnens und Arbeitens entsteht.“


Vor einiger Zeit diskutierte das Architektur-Quartett NRW in der Wuppertaler Alten Papierfabrik über preiswürdige Cradle-to-Cradle-Projekte in der Region. Die Berliner Architektin Vera Hartmann warb um Nachahmer: innen für das Nachbarschaftsprojekt BOB Campus: „Von diesen innovativen Projekten brauchen wir mehr. Am besten tausende.“ Hartmann gab zu bedenken, dass der Einsatz der Bonner Montag Stiftung Urbane Räume, die das Grundstück im Erbbaurecht übernommen und eine kooperative Entwicklung ermöglicht hatte, Früchte getragen habe. Die Stiftung wollte die Anwohner:innen nicht mit einem fertigen Konzept konfrontieren, sondern sei auf die Menschen zugegangen, um zu erfahren, welches „Initialkapital“ für das Viertel gewünscht werde. Die prägnante architektonische Form des BOB Campus, entworfen von den Kölner raumwerk.architekten, stand anfangs nicht im Mittelpunkt. Vielmehr sorgte man sich um seine Einbindung ins soziale Gefüge der Stadt. Architekt: innen, Alt-Eigentümer:innen, Projektgesellschaft, Stadtverwaltung und Nachbarschaftsinitiativen machten den Campus mit beachtlichem Erfolg zum Dreh- und Angelpunkt des Stadtviertels.

Kooperation als Konzept

Viele Wuppertaler:innen können sich noch gut an das unwirtliche Viertel an der Nordbahntrasse erinnern, das nach der Insolvenz der Textilfabrik lange von sozialen Problemen und fehlender Infrastruktur geprägt war. Die Montag Stiftung Urbane Räume hatte von Beginn an als Ziel, das Areal durch Sanierung, Umbau und Ergänzung des Gebäudebestands für Arbeit, Lernangebote, Wohnungen und als Treffpunkt nutzbar zu machen. Dabei konnte man aus eigenen Erfahrungen mit der Krefelder Samtweberei schöpfen, in der 2014 die Projektgesellschaft „Urbane Nachbarschaft Samtweberei“ gegründet worden war, welche die ehemalige Produktionsstätte erwarb und umnutzte. Im einst florierenden Krefelder Samtweberviertel wurde erstmals das Prinzip der sozialen Rendite angewandt, mit der bis heute gemeinschaftsorientierte Investitionen getätigt werden. Die Projektgesellschaft investiert sämtliche Überschüsse aus der Vermietung wieder in die Quartiersentwicklung. Bei den Vertragsverhandlungen einigte sie sich mit der Stadtverwaltung, in der Samtweberei nicht nur Wohnungen und Büros einzurichten, sondern sie gewann auch die Mieter:innen – als Gegenleistung für günstige Mieten – für ehrenamtliches soziales Engagement im Quartier: „Etwas soll ins Viertel ausstrahlen, es geht hier um Nachbarschaften“, war das Motto, das nun auf den Wuppertaler BOB Campus übertragen wurde. . .

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