Lamprechthof, Foto: Dietmar Hammerschmid

Ganzjahresfrische Die Revitalisierung eines uralten Haufenhofs im steirischen Stattegg ist ein Musterbeispiel der bürgerlichen Aneignung des Bäuerlichen. Sie hält auch ein architektonisches Lehrstück bereit: Fassadenbaukunst!


Heim Es mag am Verreisen liegen, ohne Alltagsstress, dass man sich so oft erst in der Ferne wohlfühlt, wohnt. Wie einst in der Sommerfrische, ausgeglichen, in grünem Klima. Wem das zuhause gelingt – umso gesünder. Doch wen wundert das, bei dieser Lage: Einen Luftsprung entfernt sticht die Riegersburg in den Himmel, hintaus öffnet sich der Hochwald, die Topografie dämmt die Zersiedelung oder hält sie im Verborgenen. Zum Lamprechthof in hügeliger, eigentlich bergiger Gegend, wo der Winter noch Winter ist, gehören viele Hektar Grund: eine bäuerliche Liegenschaft mit Wohnhaus, Wirtschaftsgebäuden und Wagenburg, bis ins frühe 17. Jahrhundert bezeugt; ein Ort, seit Jahrhunderten besiedelt. Einst spazierte Familie Lorenz vorüber, staunte. Nach dem Tod der letzten Bäuerin, Jahrzehnte später, wohnen hier Thomas Lorenz – selbst stolzer Vater –, Katharina und ein Neugeborees im ersten Winter.

Erinnerung Zwanzig Minuten dauert die Fahrt nach Graz, die Hausherrin, akademische Malerin, hat im einstigen Schweinestall ihr Atelier eingerichtet. Aus dem Wunsch nach einem Sommerfrischehaus wurde ein Alltagshaus. Doch zuerst musste saniert werden. Der dabei betriebene Aufwand stellte für den agilen Unternehmer mit Ziviltechnikerbüro in Graz und Wien kein Hindernis dar. Altes sollte sorgsam bewahrt werden, also wurde ein steirischer Spezialist für Altbausanierungen hinzugezogen. Alles schaut heute frisch aus und ist doch alt: Da wurde die Blockbau-Stube aussen gebürstet, innen gedämmt, Tonnengewölbe fein-uneben mit Kellenstrich verputzt, mit der Bürste gekalkt, der Dachstuhl aus Altholz neu aufgesetzt – dort schläft man nun mit besagtem Fernblick. Gebot die eigene Kindheitserinnerung den Erhalt des Hausbildes, sollte es doch an bürgerliche Wohnbedürfnisse angepasst werden. Das Stichwort für den Architekten: Erich Prödl, Schüler Gustav Peichls, über New York zurückgekehrt in die Heimat, lehrt heute in Regensburg.

Typologie Zunächst wollte er einfach weiterbauen – gemeinsam mit seinem ehemaligen Mitarbeiter und mehrfachen Projektpartner Andi Pachl von HPS-Architekten. Denn einen Makel wies das Haus auf: bergseitig war vor rund 60 Jahren ein minderwertiger Zubau entstanden. Dort sollte wieder umgebaut werden. Der erste Entwurf, die sensible Erhöhung und Bereinigung des Trakts zum hölzernen „Schuppen“, genügte nicht. Dann suchte Prödl nach einem sprechenden Bild. Er wurde fündig im impressionistischen Blick von einer Veranda, die ihm zugleich eine Sommerfrische-Typologie zuspielte. Würde das Auge künftig von ihr übers Grazer Bergland, diese Erholungslandschaft schweifen, wäre dieses Haus kein Bauernhaus mehr und der Anbau zum Aussichtsturm geworden. Seine acht mal acht Meter werden über das alte Dachgeschoss erschlossen. Dort befinden sich die Rückzugsräume der Familie, im waldseitigen Mittelgeschoss zwei Kinderzimmer, durch eine Brücke mit dem Wiesenhang verbunden. Eine charmante Treppe führt weiter zu Bibliothek, Sauna – zu besagter Veranda. Einstweilen dient das Turmgeschoss den Gästen.

Lamprechthof, Foto: Dietmar Hammerschmid

Lamprechthof, Foto: Dietmar Hammerschmid

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