Riepl Kaufmann Bammer Architektur | Theater an der Wien, Österreich

Das 1801 von Emanuel Schikaneder gegründete Theater an der Wien blickt auf eine reichhaltige Geschichte baulicher Interventionen zurück. Der Wienfluss vor dem Bau entschwand durch Überbauung aus dem Stadtbild, das Theater blieb und durchlebte mehr als 200 Jahre Urbanisierung und baulichen Wandel. Vor Kurzem vollendete das Haus seine jüngste auf insgesamt 81 Millionen Euro veranschlagte Transformation durch Riepl Kaufmann Bammer Architektur und L-Bau-Engineering.
Als (angehende) kulturelle Hochburg bot das Wien des 18. Jahrhunderts der wohlhabenden Bevölkerung mit dem Nationaltheater (Vorläufer des Burgtheaters) und dem Kärntnertortheater ein reiches Programm. War jedoch der Geldbeutel kleiner als das Bedürfnis nach Unterhaltung, vergnügte man sich bei Aufführungen von Wanderbühnen in den Vorstädten. Nur wenige solcher Bühnen fanden einen permanenten Standort; eine davon war das Freihaustheater oder auch Theater auf der Wieden. Dieses war das zweite Wiener Vorstadttheater und in jenem Gebäudekomplex situiert, der dem heutigen Institutsgebäude der Technischen Universität Wien an der Wiedner Hauptstraße seinen Namen verleiht. 1801 schließlich übersiedelte der Theaterbetrieb unter der Leitung von Emanuel Schikaneder in das nach Plänen von Joseph Reymund d. J. und Anton Jäger errichtete Theater an der Wien und fand so schließlich zu seinem heutigen Standort an der Linken Wienzeile.

Eine dramaturgische Neuorientierung
In der einstigen Vorstadt Wieden stand das Theater an der Wien auf weitestgehend freier Fläche, zum Wiener Glacis – der Freifläche zwischen den Wiener Stadtmauern und den Vorstädten – orientiert. Doch die Hauptstadt wuchs und mit der fortschreitenden Urbanisierung der ehemaligen Vorstadtbezirke ging eine Bebauungsdichte einher, die das Theater an der Wien im öffentlichen Stadtbild in den Hintergrund treten ließ. Ein zentraler Ansatz der aktuellsten Modernisierungsmaßnahmen von Riepl Kaufmann Bammer Architektur bestand daher darin, das Theater im urbanen Raum wieder sichtbar zu machen. Der ursprüngliche Prunkeingang, das Papagenotor in der heutigen Millöckergasse, hatte über die Jahre durch die immer näher rückende umliegende Blockrandbebauung seine Funktion als Haupteingang eingebüßt. Doch auch der neue Haupteingang in der Linken Wienzeile ließ an städtebaulicher Präsenz zu wünschen übrig, weshalb die Architekt: innen diesen durch eine Publikumsterrasse, die gleichzeitig als Vordach dient, wieder in den Fokus der belebten Umgebung nahe dem Naschmarkt rückten.
Der Hölle ihren Himmel
Doch nicht nur das Äußere des Theaters wurde saniert und neu orientiert, auch im Inneren wurden mit gezielten Eingriffen räumliche Qualitäten aus der Bausubstanz herausgekitzelt, ohne den Charakter des Hauses zu überschreiben. Kernelement der Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen ist die Neuorganisation und Entflechtung der Erschließungswege, die das historische Haus auf aktuelle Standards der Barrierefreiheit bringen. Eine dunkelblaue Stiege im Eingangsbereich dient dabei als vertikale Verbindungsachse durch das Gebäude und führt von der „Hölle“ (einer kleinen, ehemals als Kabarett genutzten Bühne) im Untergeschoss bis hinauf in den „Himmel“ im ersten Obergeschoss. Hier entstand das neue Foyer inklusive Bar und Zugang zum Terrassenbereich auf dem Vordach. Der Zubau des „Himmels“ im Lichthof der Blockrandbebauung als Pendant zur „Hölle“ bietet dabei über die kassettendeckenartige Oberlichte Bezug zum tatsächlichen Himmel. . .
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