selgascano – Auditorium and Congress Center, Plasencia

Auditorium and Congress Center, Plasencia

The Medium is the Message 

Ein alienartiges, orangegelbes Kunststoff-Objekt – da fühlt man sich sofort an die 1960er-Jahre erinnert. Das Madrider Architektenpaar José Selgas und Lucìa Cano liebt die sinnlich-spielerischen Qualitäten dieser Materialkultur. Und übersetzt sie ins ressourcenbewusste Zeitalter: Mittels kompakter Polyederform reduzierten sie Volumen und Fußabdruck des Hauses im ursprünglich-wilden Terrain auf ein funktionalistisches Minimum.

Kunststoff-Fans … und Ökofreaks

„Nur ein Wort, ein einziges Wort: Plastik.“ Dieser Satz aus dem Film „Die Reifeprüfung" aus dem Jahr 1967 könnte das Motto des Projekts von José Selgas und Lucía Cano sein, die Pionierarbeit bei der Adaptierung von Polykarbonat, Plexiglas und anderen erdölbasierten Produkten als Baumaterialien leisteten. Bemerkenswerte Beispiele dafür sind ihre drei Kongresszentren in den spanischen Städten Badajoz (2006) und Cartagena (2012) sowie ihr jüngstes Projekt in Plasencia, einer abgelegenen geschichtsträchtigen Stadt im Westen der autonomen Region Extremadura.

Verantwortungsvoller Funktionalismus

Der Standort des Gebäudes befindet sich am westlichen Rand einer eher unscheinbaren neuen Stadterweiterung, in der die künstlich angelegte Steigung der Straße gegenüber dem natürlichen Gelände einen Höhenunterschied von 17 Metern aufweist. Die Architekten weigerten sich, den Höhenunterschied aufzufüllen, und entschieden sich dafür, das Gelände weitgehend so zu belassen, wie es war. Und das Gebäude mit möglichst kleiner Grundfläche in den Hang zu stellen. Aus dieser Entscheidung resultierte die Polyeder-Form des Gebäudes, der Baukörper erweitert sich vom Fundament nach außen und verfügt über eine Auskragung, die das schräg abfallende Auditorium bildet.

Da sich die Hälfte des Gebäudes unterhalb des Straßenniveaus befindet, positionierten die Architekten das Auditorium im untersten Bereich, stapelten die Eingangshalle sowie die anderen Räume darüber und schufen auf diese Weise ein bemerkenswert kompaktes Volumen. Das 760 Sitze umfassende Auditorium, das für Konzerte, Theater und Lesungen entworfen wurde, durchmisst die gesamte Länge des Gebäudes. An seinen Längsseiten wird es von durchlaufenden Betonwänden umschlossen.

Erreichbar ist das Auditorium über eine Rampe, die zwischen der Betonwand und der Plexiglas-Hülle von der Lobby aus abwärts führt. Auf der gegenüberliegenden Seite führt eine weitere Rampe zu den drei Konferenzräumen, einem kleineren Saal und anderen Mehrzweckräumen auf den oberen drei Etagen. Zusätzliche Treppenläufe rund um die Peripherie des Gebäudes sorgen für weitere Verbindungen. Mit ihren Betonwänden liefern auch sie thermische Speichermasse rund um die zentralen Räume.

Verspielte Details

Parallel zur Straße gelegen, wie ein im Hafen ankerndes Schiff mit Landungsbrücke, versperrt das Gebäude den wunderbaren Ausblick von der Stadt auf die Hügellandschaft der Serranía de Gata. Die Architekten verwandelten den Eingang in einen dreigeschossigen Hohlraum, der das Gebäude durchschneidet und in eine Aussichtssterrasse auf der anderen Seite mündet. Dieses Zyklopenauge leuchtet mit tiefroten Böden und Decken sowie Seitenwänden aus gelbem und orangefarbenem Plexiglas aus dem blassen EFTE heraus.

Die Innenräume präsentieren sich wie der Eingangsbereich farbenfreudig und hell, insbesondere dort, wo durch die EFTE-Folien natürliches diffuses Licht einfällt. Die Farben von Decken und Böden wechseln zwischen Gelb und blassem Aquamaringrün, einen zusätzlichen optischen Akzent setzt der fliederfarbene Boden des Cafés von doppelter Höhe. Geschlossene Räume erhielten wärmere Farben, wie etwa das Orange der Verkleidung der kleineren Halle, auf deren strukturierte Rückwand Oberlicht fällt. Im Auditorium sind die Sitze und Böden in hellem Rot gehalten. Zu den verspielten Details zählen auch Bullaugenöffnungen, die Böden, Betonwände und Plexiglas durchbrechen, sowie Plexiglastüren, die sich auf die Terrassen im obersten Geschoss öffnen. (...)