Shibukawa Eder Architects | Hirschfeld Bauplatz 1, Wien

Wir stehen im sogenannten Hirschfeld in Wien-Floridsdorf: Wo der Grüngürtel der Großstadt den Siedlungsraum durchlüftet, mündet ein über Jahre geführter Qualitätssicherungsprozess nun in die Fertigstellung einer vorbildlichen Wohnbebauung. Nachhaltig gedacht – von der städtebaulichen Einbindung über den Dialog von Haus und Zwischenraum bis zum sparsamen Ressourceneinsatz –, zeigt das Hirschfeld, wie hochwertiger Wohnbau im Zusammenspiel von Bauherrschaft, Behörden und Planer:innen gelingen kann.
Text: Romana Ring | Fotos: Stefan Seelig /ARE
Ein neues Quartier baut Wege Eine als „ökologische Entwicklungszone“ bezeichnete, zum Wald- und Wiesengürtel gehörende Fläche begrenzt das nahezu 3,5 Hektar große, an der Gerasdorferstraße gelegene Hirschfeld im Norden. Die südliche Kante dieser Verkehrsachse wiederum wird von kleinteiliger Wohnbebauung gehalten. Dies war maßstabsgetreu und mit Blick auf den gewachsenen Grünraumbezug zu berücksichtigen. Das seitens der Austrian Real Estate (ARE) im Jahr 2019 ausgeschriebene Auswahlverfahren für die Planungsleistungen auf dem Hirschfeld konnte Shibukawa Eder Architects (S.E.A) mit dem ersten Rang für sich entscheiden. Die Wettbewerbsausschreibung basierte bereits auf einer städtebaulichen Studie von PLOV Architekten, die mit ihren Vorschlägen nicht nur die Wahrung der „wohlerworbenen Rechte“ der am Ort bereits ansässigen sowie die gute soziale Durchmischung der zukünftigen Bewohner:innen im Blick hat, sondern vor allem die nachhaltig hohe Nutzungsqualität der neuen Bebauung. S.E.A. hat in ihrem Masterplan die Rahmenbedingungen für das Areal weiterentwickelt und als Teil eines eigens installierten Qualitätssicherungsgremiums dazu beigetragen, mit den Neubauten das gesamte Quartier nicht nur zu verändern, sondern in seinem Charakter zu stärken und zu verbessern.
Jede Wohnung verfügt über einen als kleinen Garten, Terrasse, Einzelbalkon oder umlaufendes Balkonband ausgeformten eigenen Freiraum.
Typologien als Signal S.E.A. hat für das Hirschfeld drei Haustypen entwickelt und damit auch die gewünschte Differenzierung der Eigentumsverhältnisse abgebildet. Im nördlichen Bereich des Hirschfeldes hat die ARE frei finanzierte Eigentumswohnungen in fünf Punkthäusern errichtet, deren Ausführungsplanung in den Händen von S.E.A. lag. Drei Häuser mit frei finanzierten Mietwohnungen wurden ebenfalls von der ARE nach den Ausführungsplänen von Duda Testor Architektur gebaut, während das Österreichische Siedlungswerk ÖSW drei von PLOV Architekten geplante geförderte Mietobjekte mit einem Kindergarten errichtet hat. Für die Mietwohnungen in den sechs entlang der Gerasdorferstraße aufgereihten Gebäuden hat S.E.A. zwei weitere Haustypen, ein Terrassenhaus und ein Atriumhaus, entwickelt. Allen Typen ist ein starker Bezug zum Außenraum gemein: Einerseits fällt durch die kluge Anordnung der Baukörper mit polygonalen Grundrissen der Blick aus den Wohnungen nicht ins Fenster der Nachbar:innen, sondern ins Freie. Andererseits verfügt jede Wohnung über einen als kleinen Garten, Terrasse, Einzelbalkon oder umlaufendes Balkonband ausgeformten eigenen Freiraum. Durch die variierenden Abstände der Häuser zur Gerasdorferstraße und die nach Norden gestaffelten, von der Straßenflucht zurückweichenden Geschosse vermittelt die Anlage neben dem Respekt vor dem Maßstab des Umfeldes vor allem ihre Durchlässigkeit zum Grüngürtel hin, was mit der uneingeschränkten Durchwegung für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen tatsächlich eingelöst wird.
Sie möchten weiterlesen? Dieser Beitrag ist Teil unserer Ausgabe 6/2025. Der Volltext ist ab Seite 74 zu finden.





