Studio Hatzenbichler | Green Loft, Wien, Österreich

Was passiert, wenn Wohnen nicht von Raumprogrammen, sondern von persönlichen Ritualen her gedacht wird? Im Green Loft in Wien-Ottakring verschiebt Studio Hatzenbichler vertraute Grenzen: zwischen Bad und Wohnraum, Möbel und Architektur, Pflanze und Raumstruktur. Eine 65 Quadratmeter große Wohnung wird so zum Experiment in Hinsicht auf Offenheit, Intimität und die Freiheit, Gewohnheiten räumlich neu zu ordnen.
Wohnliches Ritual Eine Badewanne im Wohnzimmer klingt zunächst nach Geste, fast nach Provokation. Im Green Loft ergibt sie jedoch aus einer klaren räumlichen Logik heraus Sinn. Das Badezimmer sollte kompakt bleiben, um die Offenheit des Grundrisses nicht zu beeinträchtigen. Die Wanne wanderte daher aus dem Bad heraus – aber nicht nur aus Platzgründen. Im Wohnraum erhielt sie einen anderen Status. Unter einer Sitzbank verborgen, tritt sie nur dann in Erscheinung, wenn sie gebraucht wird. „Baden ist für mich weniger Körperpflege als vielmehr eine bewusste Auszeit im Alltag“, sagt Martina Hatzenbichler. Die Badewanne wird somit nicht als funktionales Sanitärobjekt, sondern als räumliches Ritual verstanden. Sie wird Teil des Wohnens, ohne sich dauerhaft in den Vordergrund zu drängen. Damit stellt das Projekt eine einfache, aber folgenreiche Frage: Welche Tätigkeiten verdienen räumliche Präsenz – und welche haben wir nur deshalb an bestimmte Orte gebunden, weil Grundrisse es seit Jahrzehnten so vorgeben? Dass dafür keine langen Überzeugungsprozesse nötig waren, liegt an der besonderen Konstellation des Projekts. Was auf dem Plan ungewohnt erscheint, konnte unmittelbar aus einem persönlichen Bedürfnis heraus entwickelt werden.

Lebendige Filter
Der Name „Green Loft“ verweist nicht nur auf eine Farbe. Pflanzen wurden von Beginn an als Teil der Innenarchitektur mitgeplant. Sie wirken wie weiche Filter zwischen den einzelnen Bereichen, schaffen Intimität, ohne harte Grenzen zu ziehen, und unterstützen die Unterteilung des offenen Grundrisses. Laut Hatzenbichler entsteht dadurch eine Qualität, die sich nicht vollständig kontrollieren lässt. Pflanzen seien „eine lebendige und nur bedingt planbare Komponente“, die dem Raum Dynamik und Präsenz verleihen. Grün zieht sich als verbindendes Motiv durch das gesamte Projekt: im Badezimmer, in den Möbeln, auf der Terrasse – aber eben auch als lebendige Schicht. Auf diese Weise wird Natur nicht als dekoratives Gegenüber der Architektur inszeniert, sondern als Teil ihrer räumlichen Ordnung. Das Green Loft propagiert keine neuen Wohnformen mit lauter Geste. Seine Radikalität liegt vielmehr im Verschieben kleiner Selbstverständlichkeiten. Ein Bad muss nicht vollständig hinter einer Tür verschwinden. Pflanzen können mehr sein als nur Dekoration. Ein offener Grundriss muss nicht unbestimmt bleiben. Und ein kleiner Raum muss nicht kleiner wirken, nur weil er mehrere Funktionen aufnimmt. . .
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