Von der Produktionshalle zur Ausbildungsstätte

studio ne | Hochschule für Architektur, Weil am Rhein, Deutschland⁠


Dem „Campus“ im Namen wird nun Substanz verliehen: Der Studiengang Architektur der dualen Hochschule Baden- Württemberg zieht in die 1994 von Álvaro Siza erbaute Fabrikhalle auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein ein. studio ne aus Basel hat den minimalinvasiven Umbau gestalterisch begleitet.⁠

Text: Klara Jörg | Fotos: Daisuke Hirabayashi, Novo Dejan Jovanovic⁠


Florian Stroh – der Kopf hinter studio ne – ist mit dem Vitra Campus in Weil am Rhein bestens vertraut: Bevor er 2022 sein eigenes Büro gründete, war er sieben Jahre lang bei Herzog & de Meuron tätig, wo er unter anderem die Projektleitung für das Vitra Schaudepot innehatte. Bei dieser Aufgabe konnte er sein Gespür für die Umsetzung schlichter Bauten mit Finesse im Detail unter Beweis stellen. So engagierte ihn der Auftraggeber Logad GmbH als Design Consultant 2023 für den Teilumbau der ebenso reduzierten Siza-Halle, um darin den neu etablierten Studiengang Architektur der dualen Hochschule Baden- Württemberg unterzubringen. In Zusammenarbeit mit dem Bauherr:innenvertreter Christian Germadnik und in Abstimmung mit Álvaro Siza entstanden in kürzester Zeit Unterrichts- und Arbeitsräume für angehende Architekt:innen.

Zusammenarbeit auf Augenhöhe Im Gegensatz zu ihren um Aufmerksamkeit buhlenden Nachbargebäuden von Zaha Hadid oder Frank Gehry sind es bei der 100 Meter langen und ebenso breiten denkmalgeschützten Fabrikhalle die Details, die das Gebäude besonders machen. Der rote Backsteinbau versucht nicht, die simple Funktion einer Produktionsstätte zu verschleiern: Eine Rhythmisierung der Fassade, ein Sockel aus Stein mit Stahlträgerabsatz und Fenster, die den Bau maßstabslos erscheinen lassen, prägen das ruhige Erscheinungsbild. Im Oktober 2023 wurde die Halle fertiggestellt. In ihrem Inneren findet sich nun eine Art Raummöbel, das den Rhythmus der bestehenden Struktur aufnimmt und dem Architekturstudiengang die Bespielung eines Zehntels der Halle ermöglicht. Wie seine Hülle zurückgenommen in der Sprache, schafft der Einbau die notwendige Infrastruktur für die neue Nutzung und wurde in der sehr kurzen Planungs- und Bauzeit von sieben Monaten umgesetzt. Während Florian Stroh gemeinsam Christian Germadnik für die Ausführung im Inneren der Halle zuständig war, hat das Büro von Siza selbst die neue Erschließung an der Fassade geplant.

Modulares Gerüst zur kreativen Aneignung Die kurze Planungszeit machte eine effiziente Konstruktionsmethode notwendig. So fiel die Wahl auf ein modulares Holztragwerk, das die Hälfte des genutzten Hallenteils mit zwei Geschossen bedeckt und Küche, Werkstatt, Seminar- und administrative Räume beherbergt. Diese werden durch einen zweigeschossigen Gang entlang der Mittelachse der Halle verbunden – Florian Stroh bezeichnet ihn als „Pulsader des Projekts“. Die andere Hälfte der Halle blieb frei für die Arbeitsplätze der Studierenden. So wie sich der minimalinvasive, zweigeschossige Holzeinbau dem Raster der bestehenden Struktur angleicht, wurden auch die weiteren Eingriffe minimal gehalten: Bei den Zeichentischen wird wie in einem Labor Strom über abgehängte Kabelboxen bezogen, der bestehende Hartbeton- Industrieestrich wurde im Originalzustand belassen. Ziel war, ein System zu finden, das während und auch nach der Bauzeit für neue Bedürfnisse adaptierbar ist. Bisher blieb diese Notwendigkeit aber aus, lediglich Spinde und Trennwände im offenen Bereich der Halle wurden ergänzt.

In einer Zeit visueller Reizüberflutung setzt Tresoldi auf Reduktion, kontrollierte Leere und kontemplative Offenheit.

Einfachheit des Bauens Die Zangenkonstruktion aus Brettschichtholzträgern liegt auf zwei längsliegenden Streifenfundamenten auf. Aufgrund der gebotenen Eile und um den Eingriff in den Bestand zu minimieren, wurden die Fundamente jedoch nicht wie üblich im Untergrund versteckt, sondern dienen als Sitzpodeste. Die Holzbaudetails wurden gemeinsam mit den Unternehmern entwickelt und ebenfalls reduziert: Es gibt keine Verkleidungen von Details, und Durchbrüche wurden ad hoc auf der Baustelle geplant – eine Bauweise, wie sie nur der Einsatz von Holz erlaubt. Auf den Stützen mit Spannweiten von zweieinhalb Metern finden sich Aufputzleitungen, auf der oberen Etage liegt einfacher Estrich: Es sind simple Eingriffe, die Adaptierbarkeit ermöglichen und den Werkstattcharakter unterstreichen. Das aus dem Schwarzwald stammende Fichten- und Lerchenholz für Möbel und Türen wurde lediglich mit weiß pigmentiertem UV-Schutz behandelt. So sorgt das Material in Bauholzqualität mit sichtbaren Astansätzen für eine warme Atmosphäre in der Industriehalle.

 


Sie möchten weiterlesen? Dieser Beitrag ist Teil unserer Ausgabe 7-8/2025. Der Volltext ist ab Seite 56 zu finden.

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