STUDIO ROMANO TIEDJE | Mehrfamilienhaus Sittertalstrasse 18 St. Gallen, Schweiz

Unter einer der 17 Brücken, die St. Gallen erschließen, windet sich eine Straße den Hang hinab. Entlang dieser Straße steht längs seiner Fassade das 2024 fertiggestellte Mehrfamilienhaus Sittertalstrasse 18 von STUDIO ROMANO TIEDJE. Gleich dahinter beginnt der Waldrand. Von oben hinabschauend sieht man unten im Tal das Gelände einer ehemaligen Textilfärberei, heute die Metallgießerei St. Gallen und die Kulturstiftung Sitterwerk. Die Gießerei ist über die Schweiz hinaus bekannt und wird von internationalen Künstler:innen beauftragt. In dem ihr angeschlossenen Atelierhaus sind Kunstschaffende eingeladen, im Rahmen einer Residency zu leben und zu arbeiten.
Text: Alina Schwarz | Fotos: Jeremiah Schwery
Auch die beiden Architekt:innen und Inhaber:innen des Büros STUDIO ROMANO TIEDJE, Lisa Tiedje und Luca Romano, haben einen Arbeitsplatz im Sitterwerk bezogen und wohnen vor Ort. Sie haben sich gewissermaßen selbst eine Residency eingerichtet und adaptieren ein Arbeitsmodell, bei dem Kunst- und Architekturschaffende räumlich in den Entstehungsprozess ihrer Werke eingebunden sind.
Günstig bauen – aber mit Anspruch Lisa Tiedje und Luca Romano wurden von der gemeinnützigen St. Gallener Stiftung hausen+wohnen beauftragt, das in der Hand der Stadt befindliche, ortsbildgeschützte ehemalige Arbeiter:innenhaus durch einen Ersatzneubau zu beleben. Er sollte dem Programm der Stiftung entsprechen, das kostengünstiges Wohnen fördert. So stellte sich die Frage, wie die Investitionskosten der Stiftung diesem Programm Rechnung tragen könnten? Kann ein Haus, das ästhetisch und gestalterisch anspruchsvoll ist, günstig sein? Die Rechnung war bei den beiden Architekt:innen und ihrer Hingabe zum prozessbegleitenden Planen und Bauen anzusetzen. Eingeleitet wurde dieser Prozess durch einen Workshop, der ehemalige und zukünftige Bewohner:innen zur Partizipation einlud und aus dessen Ergebnis das später im Grundriss verbaulichte Raumprogramm abgeleitet wurde. Die Biografien von Lisa Tiedje und Luca Romano sind beide von einer besonderen Affinität zur Kunst und Kunstproduktion geprägt. Ihnen ist die Parallelität von Entwurf und Ausführung, in der sich das Ergebnis noch im Entstehungsprozess weiterdenken und gestalten lässt, gemein. Die beiden Architekt:innen, die am liebsten im Modell oder 1:1 entwerfen, arbeiten eng mit den im Planungsprozess beteiligten Unternehmen zusammen. Sie begegnen deren Ausführungsqualitäten aufgeschlossen und beteiligen sich genau dann, wenn künstlerische Konzeption und handwerkliche Fertigung in Einklang gelangen. Am Ende beantworteten die beiden selbst die Frage nach günstigem Wohnen beim Projekt Sittertalstrasse. Sie ertüfteteln individuelle Lösungen und berechneten Vergleiche, um herauszufinden, wo Ersparnisse gelingen oder Kosten umgelenkt werden konnten. Innenputz wurde eingespart, das Mauerwerk gestrichen und dafür ein Balkon adaptiert. Eine mittig den Innenraum gliedernde Stütze minimiert die Stärke der Decken zugunsten der davon profitierenden Raumhöhe und Wohnqualität...
Sie möchten weiterlesen? Dieser Beitrag ist Teil unserer Ausgabe 7-8/2025. Der Volltext ist ab Seite 72 zu finden.



