studio uek, ARGE Köb & Pollak / Schmoeger, goya: Oase 22, Wien – Neue Standards im Wohnbau

Wie integriert man zeitgemäße Formen des Zusammenlebens von alt und jung in öffentlich
geförderten Wohnbauten? Und erprobt dabei auch gleich ein städtebauliches Experiment
mit innovativen Freiraumnutzungen und ungewöhnlichen Wohnungstypen? In Wien-
Donaustadt ist ein Pilotprojekt der Generationen-Wohnzukunft in Realbetrieb gegangen.

Urbanität in Transdanubien

Seit 24 Jahren gibt es Europan, die größte europäische Wohn- und Städtebauwettbewerbs-Initiative für junge Architekten. Jenseits bloß akademischer Debatten greifen ihre Ergebnisse tatsächlich in die realen Stadtentwicklungen ein. Ihre reale Innovationskraft für das europäische Stadtbild bezieht sie nicht nur aus einem dichten Netzwerk an Experten, sondern vor allem aus dem Umstand, dass ihr auch 250 Kommunen angehören und Bauplätze zur Verfügung stellen. So sorgt das bewährte System regelmäßig für die Realisierung vieler Ideen junger Planer aus den Wettbewerben, die im Zweijahres-Rhythmus veranstaltet werden.

Europan 9 wurde in den Jahren 2006–2008 ausgetragen und war dem Thema „European Urbanity – nachhaltige Stadt und neue urbane Räume“ gewidmet. Wiens neue urbane Räume liegen vor allem in peripheren Stadtentwicklungsgebieten, die meisten davon im größten Stadtbezirk Donaustadt im flachen Nordosten jenseits der Donau. Es ist ein höchst heterogenes Gebiet, das von alten Dorfkernen, großen landwirtschaftlichen Flächen, Teichen und Auen, Industriearealen, Kleingartensiedlungen sowie inselartig implantierten Großwohnbauten und Siedlungen geprägt ist, die hier kontinuierlich seit den 1920er Jahren errichtet werden. Die Herausforderung für die aktuelle Stadtentwicklung bei ungebrochen hoher Nachfrage nach neuem Wohnraum besteht also darin, eine intelligente Balance zwischen der introvertierten Abgrenzung von Wohnbauten für verschiedenste Lebensstile und Vernetzungen mit anderen „Inseln“ (Restnaturräume, Einkaufszentren) sowie öffentlichen Verkehrswegen herzustellen.

Abgrenzung vs. Öffnung

Der Sieger von Europan 9 für das Projekt einer Neubebauung des ehemaligen Areals des traditionsreichen Stahlbauunternehmens Waagner-Biro war das junge Büro studio uek. Katharina Urbanek, Benni Eder und Theresa Krenn hatten in Wien und Innsbruck studiert und internationale Erfahrung (etwa bei Dietmar Feichtinger in Paris) gesammelt sowie Know-How in Studien, früheren Europan-Wettbewerben und der Mitarbeit bei Köb & Pollak in Wien erworben. (…)

Photos Wolfgang Thaler, Matthias Boeckl
Text Matthias Boeckl

Vollständiger Artikel in architektur.aktuell 10/2013