EUROPAN 18

Transformation einer Magistrale

Seit 1989 motiviert der großangelegte Wettbewerb Europa n alle zwei Jahre europaweit junge Architekt:innen, über Aufgabenstellungen verteilt über den ganzen Kontinent nachzudenken. Diese sind oft so gestellt, dass über konventionelle Entwurfsplanung hinausgehend Innovation möglich gemacht wird. Gerne nutzen Kommunen den EUROPAN, um spezielle architektonische oder städtebauliche Fragestellungen zu behandeln.

Das Programm der 18. EUROPAN-Wettbewerbsrunde stand unter dem Motto „Re-Sourcing“. Aspekte wie die Regeneration von natürlichen (Öko-)Systemen und kulturellen Räumen unterschiedlichster Spielarten standen im Fokus. Vor allem die Verknüpfung von biologisch-physikalischen Daten mit sozialräumlichen Gegebenheiten wurde den Teilnehmenden als fruchtbarer Startpunkt mitgegeben. In Österreich wurde 2025 ein einziger Bauplatz ausgelobt, und zwar im Rheindelta in Vorarlberg. Die Aufgabenstellung war die Transformation der Landstraße L202, die Bregenz über Hard, Fussach und Höchst mit der Schweiz verbindet: eine europäische Magistrale. Die Straße, die eine wichtige Verbindung für Individual- sowie Transitverkehr darstellt, zerschneidet Siedlungsräume sowie Ökosysteme. In der Auslobung wurde unter anderem die Frage aufgeworfen, wie die unterschiedliche Geschwindigkeiten von Verkehr und Dörfern in Einklang gebracht werden können. Aufgrund ihrer höherrangigen Bedeutung für Wirtschaft und Mobilität kann die L202 nicht einfach rückgebaut werden, um so die fragmentierten Lebensräume wiederherzustellen. Die Teilnehmenden waren dazu aufgerufen, eine Strategie einer Umdeutung für die Straße entlang des gesamten Korridors zu entwickeln, die ein Nebeneinander von Nachbarschaften, Grünraum und aktiver Mobilität ermöglicht. Wie kann die Transformation vom Straßenraum in einen Erlebnisraum stattfinden? Die Ausschreibung wurde in Kooperation des Landes Vorarlberg mit den vier betroffenen Gemeinden entwickelt, die sich Impulse für die Regionalentwicklung erhoffen und angekündigt haben, auch in Zukunft – in noch nicht definierter Form – zusammenarbeiten zu wollen.

1. RECODE THE ROAD
Luini Luca (IT), Lorenza Sartori (IT), Riccardo Masiero (IT), Andrea Curti (IT)

Ausgehend von der These, dass die L202 als Straße kein neutrales Element darstellt, sondern bereits die umliegenden Landschaften geprägt und überformt hat, soll die Straße nun im Umkehrschluss aus der Landschaft heraus umgedeutet und die gesamte Gegend damit umprogrammiert werden. Durch einen Bedeutungsschwenk vom Defizit zur Chance werden die Landschaften entlang der Landstraße nicht als Restflächen betrachtet, sondern als Hinweisgeber auf die notwendigen Interventionen. . .

RUNNER UP | PINCH ME! L202 JUST WOKE UP …
Rune Hattig (DE), Janke Rentrop (DE), Johannes Trautmann (DE), Clara von den Driesch (DE)

Dieses Projekt sucht nach Strategien, die Geschwindigkeit der Landstraße wieder in einen menschlichen Maßstab zu rücken. Erreicht wird das durch die Umdeutung der L202 in eine Klimastraße, mit umfassenden Begleitmaßnahmen, die den Individualverkehr reduzieren sollen, wie etwa die Stärkung des Gütertransports auf der Schiene, die Attraktivierung von Fuß- und Radwegverbindungen und die Einführung einer neuen Buslinie. . .

RUNNER UP | THE LANDSCAPE OF HAVENS
Katarina Kuk (SI), Zala Koleša (SI), Andrej Panker (SI), Andraž Podvez (SI), Martin Valinger Sluga (SI),
Quentin Drouet (FR), Nika Marn (SI) with Maria Ljuština (HR), Nik Erik Neubauer (SI)

Aus einer wertschätzenden Betrachtung der vorgefundenen Strukturen und einer poetischen Haltung heraus wurde in „Landscapes of Havens“ ein adaptierbares Programm entwickelt. Kern der Überlegungen ist ein Katalog von niederschwellig operablen räumlichen Interventionen. Diese nennen sich „havens“, Häfen. Das Konzept dieser sicheren Häfen wurde aus einem Bedürfnis nach mehr Ruhe im fragmentierten städtebaulichen Gewebe und auch infolge von Sicherheitsbedenken gegenüber der Landstraße im Siedlungsraum entwickelt. . .

FAZIT: STORYTELLING ALS ANALYSEMETHODE UND WERKZEUG

Die Stärken aller drei Projekte liegen nicht darin, dass einfach technisch saubere Umplanungen einer unangenehmen Straße vorgeschlagen werden. Sondern darin, dass nutzbare Werkzeugkästen entwickelt werden, die nicht nur im Rheindelta funktionieren, sondern übertragbar sind. An erster Stelle steht eine Geschichte – sei es eine technische, in der die Landschaft als Matrize betrachtet wird, die umprogrammiert wird, oder eine umweltzentrierte, in der die Umdeutung einer Straße in eine ökologische Vorzeigeachse stattfindet, oder eine poetische, in der die bescheidene Aufwertung von Orten zur Reparatur des fragmentierten Landschaftsgewebes beiträgt. . .

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