Die Form folgt dem Fluss

White Arkitekter | Wasserturm Våga, Varberg, Schweden

Welches Bild kommt einem in den Sinn, wenn man den Begriff „Wasserturm“ liest? Sehr oft ein hohes Bauwerk, gekrönt von einem zylindrischen oder kugelförmigen Tank. Bei ihrem Entwurf für den Våga-Wasserturm in Varberg haben White Arkitekter dieses klassische Bild infrage gestellt, indem sie einen erhöhten, wellenförmigen Träger geschaffen haben, der an durch die Landschaft fließende Gewässer erinnert. Ist es nur ein Fall von „Form folgt Fluss“ oder steckt mehr dahinter?

Der kühne und skulpturale Våga-Wasserturm hat die Funktion des ursprünglichen Wasserspeichers von Varberg übernommen, der 1899 auf dem höchsten Punkt der Innenstadt errichtet wurde. Der alte Turm, versteckt inmitten einer Baumgruppe, gleicht einer Festung, die von einem Betonzylinder gekrönt wird. Der neue Turm hingegen sollte als deutlich sichtbares Wahrzeichen dienen und Varbergs starke historische Verbindung zum Wasser widerspiegeln. Die Stadt liegt nicht nur an der Südwestküste Schwedens, sondern ist seit dem 18. Jahrhundert auch ein Zentrum für Bade- und Kurkultur, das viele Besucher:innen anzieht, die die wohltuende Wirkung des Salzwassers und die Entspannung genießen möchten. Im Jahr 2018 schrieben die Stadt und die städtische Wasserversorgungsgesellschaft einen Architekturwettbewerb für den Entwurf eines neuen Wasserturms aus, der für eine Lebensdauer von 100 Jahren ausgelegt ist.

Kühne Wellen

Alle drei Wettbewerbsbeiträge wiesen denselben langgestreckten Baukörper auf und unterschieden sich lediglich in ihrer endgültigen Geometrie. Schließlich gewann White Arkitekter mit einem wellenförmigen Bauwerk von 187 Metern Länge und neun Metern Breite, das von der Autobahn E6 aus bei der Anfahrt auf Varberg zu sehen ist. Die wellenförmige Gestalt des Wasserturms spiegelt das darin enthaltene Wasser, das nahegelegene Meer und die umgebende Landschaft wider. Der 10.000 Kubikmeter fassende Wasserspeicher ruht auf neun Pfeilern, die acht „Wellen“ bilden, mit konkaver Oberseite, Unterseite und Flanken. Insbesondere die dreidimensionale, konkave Fassade erzeugt ein Spiel aus Licht und Schatten, das die Wahrnehmung des Wasserturms zu verschiedenen Tageszeiten und aus unterschiedlichen Blickwinkeln verändert. Der Name „Våga“ spielt auf die doppelte Bedeutung der schwedischen Wörter „våg“ ( Welle) und „våga“ (wagen) an. Und gewagt ist er tatsächlich, sowohl statisch als auch architektonisch. Dieser Betonbau in der hügeligen schwedischen Landschaft sieht ganz und gar nicht wie ein typischer Wasserturm aus. Traditionelle Wasserspeicher sind rund oder zylindrisch, damit der Wasserdruck gleichmäßig verteilt wird und schwache Ecken vermieden werden. Doch laut White Arkitekter würde ein derart großes Wasservolumen zu groß und sperrig werden, weshalb man sich dafür entschied, die Struktur aufzubrechen und zu verlängern. Das Ergebnis lässt sich kaum noch als Turm bezeichnen, da seine Länge die Höhe bei weitem übersteigt. Die Höhe, die erforderlich ist, um einen ausreichenden Wasserdruck in den Leitungen zu erzielen, wird dadurch erreicht, dass der Wasserturm am höchsten Punkt der umgebenden Landschaft platziert wurde. Auf diese Weise erfüllt Våga ebenso die Aufgabe, die seine höheren Vorgänger seit dem Industriezeitalter innehaben: Er bildet ein Wahrzeichen für die Stadt. . .

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