
Zwischen Transparenz und Geborgenheit
Mitten im dicht bebauten dritten Wiener Gemeindebezirk hat das Herz-Jesu Krankenhaus einen Erweiterungsbau erhalten, der die Sprache zeitgenössischer Gesundheitsarchitektur konsequent weiterdenkt. Wo Krankenhäuser traditionell von funktionalen Anforderungen dominiert werden, setzt der Innenhof-Zubau auf Tageslicht, Transparenz und Aufenthaltsqualität. Die Architektur versteht sich dabei nicht als bloße Hülle für medizinische Prozesse, sondern als aktiver Bestandteil des Heilungsumfeldes.
Der zwischen 2020 und 2023 realisierte Neubau erweitert das Krankenhaus um rund 6.000 Quadratmeter Nutzfläche. Zwei neue Bettenstationen, sechs Operationssäle und ein Aufwachbereich mit Ausblick auf die umliegenden Baumkronen des Klostergartens, bilden das funktionale Herzstück des Projekts. Trotz dieser hohen technischen Dichte gelingt es dem Baukörper, eine überraschend ruhige und beinahe hotelartige Atmosphäre zu erzeugen.
Verantwortlich für Planung und Architektur zeichnet Architekt Peter Peretti, dessen Entwurf den bisher wenig genutzten Innenhof des historischen Krankenhausensembles in einen zentralen Ort der Orientierung und Begegnung transformiert. Der Neubau vermittelt zwischen den bestehenden Gebäudeteilen und öffnet sich zugleich zum Klostergarten. Sichtbeziehungen ins Grüne, begrünte Dachterrassen und großzügige Verglasungen schaffen eine räumliche Qualität, die den Patient:innen möglichst viel Erholungswert bieten soll.
Im Zentrum des architektonischen Konzepts steht die Fassade. Sie verleiht dem Gebäude nicht nur seine unverwechselbare Erscheinung, sondern übernimmt zugleich wesentliche bauphysikalische und atmosphärische Funktionen. Anstelle einer konventionellen Glasfassade entschieden sich die Planenden für eine mehrschichtige, vorgehängte hinterlüftete Gebäudehülle, deren Charakter durch das Zusammenspiel von Aluverbundplatten in Kombination mit individuell gestaltete Glaselementen geprägt wird.

Fotograf: Wolfgang C. Retter
Jedes der 352 Glaselemente wurde eigens in Deutschland bei Arcon Glas anhand der Druckvorlage vom Architekturbüro gefertigt und kombiniert keramische Emaillierung mit digitalem Glasdruck. Dadurch entsteht ein Fassadenbild, das sich dem Betrachter nie vollständig erschließt. Je nach Tageszeit, Wetterlage und Blickwinkel verändert sich die Wahrnehmung der Oberfläche. Die Fassade wirkt mal transparent und leicht, mal geschlossen und beinahe grafisch. Ihre Erscheinung lebt von Überlagerungen, Reflexionen und der subtilen Wirkung des Lichts.
Besondere Bedeutung kommt bei diesem Fassadenprojekt dem integrierten Sonnenschutz zu. Die Fassade verfügt über elektronisch gesteuerte Verschattungselemente, die den solaren Wärmeeintrag regulieren und gleichzeitig eine hohe Tageslichtausbeute ermöglichen. Gerade im Krankenhausbau, wo thermischer Komfort und Blendfreiheit unmittelbaren Einfluss auf das Wohlbefinden der Patient:innen haben, wird die Gebäudehülle damit zu einem aktiven Bestandteil des Energiekonzepts.
Die Fassadenebene fungiert nicht länger ausschließlich als Trennung von Innen und Außen. Vielmehr entsteht ein fein austariertes System aus Lichtlenkung, Sichtschutz, Energieeffizienz und räumlicher Atmosphäre. Tageslicht wird gefiltert, Ausblicke werden inszeniert und die Privatsphäre der Patientenzimmer gewahrt, ohne den Bezug zur Umgebung aufzugeben.
Neben ihren gestalterischen Qualitäten bietet die vorgehängte hinterlüftete Fassade auch erhebliche funktionale Vorteile. Durch die konstruktive Trennung von Witterungsschutz und Wärmedämmung wird Feuchtigkeit zuverlässig abgeführt und die Dauerhaftigkeit der Gebäudehülle erhöht. Gleichzeitig verbessert die Hinterlüftung den sommerlichen Wärmeschutz und trägt zu einem ausgeglichenen Raumklima bei. Gerade im Gesundheitsbau, wo konstante thermische Bedingungen, hohe hygienische Anforderungen und langfristige Betriebssicherheit von besonderer Bedeutung sind, stellt dieses Fassadenprinzip eine technisch wie wirtschaftlich nachhaltige Lösung dar.

Fotograf: Wolfgang C. Retter
Die technische Umsetzung der Fassadenkonstruktion erfolgte durch die Metallbau Wilhelmer Projekt GmbH, einem Mitglied des ÖFHF (Österreichischer Fachverband für hinterlüftete Fassaden). Das Unternehmen beschäftigt rund 130 Mitarbeiter an sechs Technik- und Produktionsstandorten in Österreich und Slowenien und setzt seit mehr als 30 Jahren auf die Verbindung von Qualität, Funktionalität und ästhetischem Anspruch. Neue und anspruchsvolle Aufgabenstellungen treffen bei Metallbau Wilhelmer auf Innovationsgeist, technisches Know-how und langjährige Erfahrung. Denn zum Leitsatz der Geschäftsführung zählt: Wer Handwerk und Technik gleichermaßen beherrscht, gestaltet die Zukunft aktiv mit.
So ist auch die Ausbildung des Fachkräftenachwuchses seit jeher ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Mehr als 50 Lehrlinge haben ihre Ausbildung bereits erfolgreich bei Metallbau Wilhelmer abgeschlossen.
In der Planung setzt das Unternehmen konsequent auf moderne 3D-Technologien. Diese erleichtern nicht nur die Detailabstimmung zwischen allen Projektbeteiligten, sondern ermöglichen auch die direkte Weiterverarbeitung der Werkplanungsdaten für die computergesteuerte Produktion. So entsteht ein durchgängiger digitaler Prozess von der Planung über die Fertigung bis zur Endmontage auf der Baustelle.
Für die Montage vor Ort stehen 17 Teams zur Verfügung, die auch unter herausfordernden Bedingungen – sei es in alpinen Lagen auf über 2.000 Metern Höhe, auf schwer zugänglichen Baustellen oder unter besonderen baulichen Rahmenbedingungen – zuverlässig arbeiten. Durch präzise vorbereitete Bauteile, den gezielten Einsatz moderner Montagetechnik und den jederzeit möglichen Zugriff auf das digitale Datenmanagement können Montageabläufe optimiert und selbst weit entfernte Projekte effizient koordiniert und finalisiert werden.
Als Familienunternehmen versteht es Metallbau Wilhelmer Projekt GmbH bei jedem Projekt eine Partnerschaft zu schaffen, die durch Vertrauen, Zuverlässigkeit und die Leidenschaft für’s Tun geprägt ist.
HIER finden Sie weitere Informationen und Inspirationen der Metallbau Wilhelmer Projekt GmbH und folgen Sie dem ÖFHF für weiterführende Informationen zu vorgehängten hinterlüfteten Fassaden
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