Trix & Robert Haussmann. The Log-O-Rithmic Slide Rule

02.11.2018 - 07.12.2018

ETH Zürich
Hönggerberg
8093 Zürich
Schweiz

Eine Retrospektive mit Interventionen von Caruso St. John Architects, Inside Outside / Petra Blaisse, Liam Gillick und Karl Holmqvist

Kuratiert von Fredi Fischli und Niels Olsen, gta Ausstellungen, ETH Zürich, mit einem Beitrag von Sabine Sträuli (gta Archiv, ETH Zürich). Eine Kooperation mit dem KW Institute for Contemporary Art, Berlin und Nottingham Contemporary.

Trix und Robert Haussmann gehören zu den wichtigsten Protagonisten einer subversiven Neuinterpretation der klassischen Moderne. In ihrem eigenwilligen Werk hinterfragen sie bis heute dogmatisierte Gestaltungsprinzipien.

Die Schweizer Architekten und Designer gründeten 1967 ein gemeinsames Büro, die spätere «Allgemeine Entwurfsanstalt Zürich», und führten in der vom Schweizerischen Werkbund initiierten Aktion Chair Fun die Grundsätze des Funktionalismus ad absurdum. Für diese Schau von Stuhl-Objekten diverser KünstlerInnen entwarfen sie einen leuchtenden, aus Neonröhren geformten «Anti-Chair», der bei kleinster Belastung in sich zusammenzubrechen drohte. In den folgenden Jahren bildeten sie in zahlreichen Innenraumgestaltungen ihre individuelle, durch architekturhistorische Zitate und den Einsatz illusionistischer Mittel geprägte Handschrift aus, die sie 1981 anlässlich der Ausstellung Trix & Robert Haussmann. Manierismo critico im Studio Marconi in Mailand konsolidierten. Das von ihnen präsentierte Konzept eines kritischen Manierismus richtete sich gegen erstarrte Klassizität. An die Künstler und Architekten des historischen Manierismus angelehnt, kritisierten sie die Ausdrucksarmut ihrer Zeitgenossen. Um dieser entgegenzuwirken, entwickelten sie eine Serie von «Lehrstücken» und das experimentelle Entwurfsinstrument The Log-O-Rithmic Slide Rule. Wie ein Rechenstab nutzt dieser «Begriffs-Schieber» das kombinatorische Potential durch das Gegeneinanderbewegen zweier Skalen. In der Adaption von Trix und Robert Haussmann treffen jedoch nicht Ziffern, sondern Wörter, vorwiegend Adjektive aus dem Architekturdiskurs, aufeinander. Der Begriffs-Schieber sollte zum Gebrauch animieren und durch die in einem Akt zufälliger Kombinatorik entstehenden Wortpaare die vorherrschenden Vorstellungen von Stilvielfalt erweitern.

Für Trix und Robert Haussmann waren die konzeptionellen Arbeiten stets Werkzeuge im entwerferischen Prozess konkreter Projekte. Neben Neuproduktionen, architektonischen Entwürfen und realisierten Projekten wie den Arkaden der Boutique Weinberg zeigt die Ausstellung Objekte, die sich zwischen Design und Kunst bewegen, sowie Spiegelobjekte, die die Wahrnehmung der Ausstellungsräume durch illusionistische Verzerrungen irritieren.

2017 erschien im gta Verlag die umfassende, von Gabriela Güntert, Bruno Maurer und Arthur Rüegg herausgegebene Publikation «Trix + Robert Haussmann. Kultur der Formgebung».

Die Ausstellung wurde 2018 im KW Institute for Contemporary Art in Berlin sowie im Nottingham Contemporary gezeigt und wird von ProHelvetia, Peter Röthlisberger, Herald St, London, Stiftung Kunstsammlung Teo Jakob, Caruso St John Architects und Tisca unterstützt.