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Nov

Otto Wagner Lecture 2019 | Vandana Shiva

Vandana Shiva

Akademie der bildenden Künste Wien

Atelierhaus, Lehargasse 8
Prospekthof, Tor 2
1060 Wien
Österreich

Uhr

Soil not Oil | The transfer from the age of fossil fuel for the awareness of a living Earth

Die Industrialisierung und industrielle Landwirtschaft sind maßgeblich von Kohle und Erdöl angetrieben. All die Kohle, das Erdöl und die natürlichen Gase die wir abbauen und verbrennen, um unsere Erdöl-basierte industrielle Wirtschaft zu betreiben, entstanden über 600 Millionen Jahren. Jährlich verheizen wir somit Millionen Jahre Arbeit der Natur und zerstören dadurch den Kohlenstoffkreislauf der Erde.

Unsere Zivilisation, die seit wenigen Jahrhunderten auf fossilen Brennstoffen basiert, bedroht ihr eigenes Überleben. Indem wir den Kohlenstoffkreislauf der Erde, ihre entscheidenden Klimasysteme und selbstregulierenden Kapazitäten gestört haben, sowie unzählige Spezies zum Aussterben - um ein Tausendfaches beschleunigt - drängen. Wir befinden uns am Beginn des sechsten Massensterbens. Industrielle, auf fossile Brennstoffe beruhende Landwirtschaft und giftige Chemikalien sind hauptverantwortlich für unterschiedliche Aspekte der weltweiten Krise: Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt, der Wüstenbildung als auch Wasserknappheit.

Wenn wir weiter den Weg des fossilen Brennstoffs gehen, ist das Massensterben Gewissheit. Unsere Rückbesinnung auf die Erde gründet in einer Gesellschaft der Vielfalt, in unseren Köpfen, mit unseren Herzen, unserem Leben - es ist zum Imperativ unseres Überlebens geworden.

Wir sind gefordert, uns vom Erdöl hin zur Erde zu wenden; von der Ausbeutung toten fossilen Kohlenstoffs hin zu der Regeneration lebendigen Kohlenstoffs in unserer Biodiversität und unserem lebendigen Boden. Es benötigt einen Wechsel von einer versteinerten Einstellung der Natur als inaktiv und leblos hin zu einem Bewusstsein einer lebendigen Erde. Wir sind Teil dieser Erde, wir arbeiten und produzieren mit ihr und ihrer reichhaltigen Biodiversität, wir können sie nachwachsen und erholen lassen und alle mit nahrhaften Lebensmitteln versorgen. #ZeroHunger ist ein mögliches Ziel, unter der Bedingung eines Wandels von fossil befeuerter und chemisch intensiver, industrieller Landwirtschaft hin zu einer ökologischen Landwirtschaft, die auf Biodiversität beruht.

Das Zeitalter der Erde ist das Zeitalter des Ecocene, der Achtsamkeit für die Erde, der Regeneration und einer Hoffnung für die Zukunft.

Dr. Vandana Shiva studierte Physik und promovierte zum Thema „Verborgene Variablen und Nicht-Lokalität in der Quantentheorie“ an der Universität von Western Ontario in Kanada. Danach verlegte sie sich auf interdisziplinäre Forschungen in Wissenschaft, Technik und Umweltpolitik, die sie am Indischen Institut der Wissenschaften und am Indischen Institut für Management in Bangalore ausführte. Im Jahr 1982 gründete sie ein unabhängiges Institut, das Forschungsinstitut für Wissenschaft, Technik und Ökologie in Dehra Dun, das sich in enger Partnerschaft mit lokalen Gemeinschaften und sozialen Bewegungen der unabhängigen Spitzenforschung zum Umgang mit den wichtigsten ökologischen und sozialen Fragen unserer Zeit widmet. Im Jahr 1991 begründete sie Navdanya, eine nationale Bewegung zum Schutz der Vielfalt und Unversehrtheit von Lebensgrundlagen, insbesondere von einheimischem Saatgut, und zur Förderung von ökologischer Landwirtschaft und fairem Handel. Im Jahr 2004 initiierte sie Bija Vidyapeeth, eine internationale Hochschule für nachhaltiges Leben im Dun-Tal, in Kooperation mit dem Schumacher College in Großbritannien. Dr. Shiva vereint einen scharfen Verstand mit mutigem Aktivismus. Das Time Magazine bezeichnete Dr. Shiva 2003 als „Heldin“ der Umwelt und Asia Week reihte sie unter die fünf einflussreichsten Vermittler in Asien. Das Forbes Magazine nannte Dr. Vandana Shiva im November 2010 unter den sieben Höchstplatzierten seiner Liste der einflussreichsten Frauen der Welt. Dr. Shiva erhielt Ehrendoktortitel der Universität von Paris, der Universität von Western Ontario, der Universität von Oslo und des Connecticut College, sowie der Universität von Guelph. Zu ihren zahlreichen Auszeichnungen zählen der Alternative Nobelpreis (Right Livelihood Award, 1993), der Orden der Goldenen Arche, der „Global 500“-Preis der Vereinten Nationen und der internationale Preis am Tag der Erde. 2009 wurde ihr von Yoko Ono der LennonOno Grant for Peace verliehen, 2010 erhielt sie den Sydney-Friedenspreis, 2011 den Doshi Bridgebuilder Award, den Calgary-Friedenspreis und den Thomas-Merton-Preis, 2012 den Fukuoka-Preis und den Prism of Reason Award, sowie 2016 den Grifone d’Argento und den Midori-Preis für Biodiversität.

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