Boris Podrecca

Film-Launch: Boris Podrecca, arhitekti
Februar 2008
Mit Erklärungen und Interpretationen von Matthias Boeckl, Professor Universität angewandte Kunst Wien und Chefredakteur architektur.aktuell

1940 in Belgrad geboren, in Triest aufgewachsen und in Wien ausgebildet (TU Wien sowie Akademie der bildenden Künste, Meisterklasse Roland Rainer), mit Büros in Wien und Venedig sowie einer Professur in Stuttgart und Gastprofessuren in Europa und den USA, ist Boris Podrecca Zeit seines Lebens ein Kosmopolit geblieben. So erklärt sich auch das große Interesse des Architekten an kultur- und architekturhistorisch bedingten Unterschieden. Die Dialektik des Andersartigen ist für ihn das Spannende, die Essenz.

Er baut, wie er es selber nennt, „aus der Mitte“. Darunter versteht er durchaus wörtlich gemeint, sich auf die jeweilige Nationalität und Sprache der Länder, in denen er gerade arbeitet, einzustellen. Seine Mehrsprachigkeit – auch im architektonischen Sinn zu verstehen – unterstützt ihn dabei. „Aus der Mitte bauen“ heißt aber auch den prägenden Bezug zur Karst-Landschaft seiner Heimat Istrien nie verloren zu haben.

Wie auch immer die Bauaufgabe heißt – sei es ein Neubau, ein kleiner Umbau, eine Platzgestaltung, ein Campus oder ein städtebauliches Projekt – Boris Podrecca nimmt den Dialog mit dem bereits Vorhandenen auf, mit der lokalen Geschichte, der Morphologie des Ortes. „Boris Podrecca ist sicherlich der europäische Architekt, der nahezu alle spezifischen kulturellen Kontexte in Europa verstehen und interpretieren kann“, meint Matthias Boeckl in der frisch gelaunchten Filmdoku.

Das Dialoghafte steigert sich bei seiner Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Materialien, die er sorgfältig wählt und auf deren Zusammenspiel er achtet. Mehr noch, er komponiert aus dem Material, der gewählten Form und Oberflächenbehandlung seine komplexen Texturen. Boris Podrecca steht für einen in der heutigen technokratischen Welt seltenen sensitiven Zugang, so Matthias Boeckl. Er berühre die Objekte und Materialien mit den Auge, meint der Architekt. (Gudrun Hausegger)