architektur.aktuell 01/02/2006

architektur.aktuell 01/02/2006

art & education

Feichtinger Architectes: Bildungszentrum Campus Krems, Niederösterreich | University Campus Krems, Austria

Photos: Margherita Spiluttini; Text: Matthias Boeckl
Universität der Sinne

Nach der Errichtung des neuen Landeshauptstadtquartiers in St. Pölten in den 1980er Jahren bildete sich Krems zunehmend als kultureller Brennpunkt des neuen niederösterreichischen Selbstverständnisses heraus. Neben Kunsthalle, Karikaturenmuseum und kulinarischen Freuden im neu genutzten Kloster Und krönt nun die Donauuniversität das Aufbauwerk. Es ist nicht nur der größte Hochschulneubau Österreichs der vergangenen Jahre, sondern auch in baukultureller Hinsicht bemerkenswert: Fast ohne substanzielle Abstriche wurde der Wettbewerbsentwurf eines Pariser Architekturbüros mit österreichischen Wurzeln umgesetzt.


henke und schreieck: Eduard-Wallnöfer-Zentrum für medizinische Innovation in Hall in Tirol | Eduard Wallnöfer Centre for Medical Innovation in Hall, Tyrol

Photos: Bruno Klomfar, Nikolaus Schletterer; Text: Norbert Mayr
Blick in die Tiefe

Dieter Henke und Marta Schreieck planten mit ihrem Wiener Architekturbüro immer wieder universitäre Einrichtungen in ihrer ehemaligen Heimat Tirol. Am Beginn ihrer Laufbahn stand die SOWI, die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Innsbruck (1994/1999) in einem strukturell sehr sensiblen Bereich des Stadtzentrums. Nach der Fachhochschule Kufstein 1999/2001 eröffnete nun mit dem Eduard-Wallnöfer-Zentrum für medizinische Innovation in Hall ein drittes bemerkenswertes Beispiel in Tirol.


Coop Himmelb(l)au: Erweiterung der Kunstakademie in München, Deutschland | Extension to the Academy of Fine Arts in Munich, Germany

Photos: Marcus Buch, Gerald Zugmann; Text: Wolfgang Jean Stock
Spätlese des Dekonstruktivismus

Nicht weniger als dreizehn Jahre gingen vom 1992 veranstalteten Wettbewerb bis zur Fertigstellung ins Land immer wieder wurde der von Coop Himmelb(l)au entworfene Erweiterungsbau der Münchner Kunstakademie aufgeschoben. Als er dann im Herbst 2005 eingeweiht wurde, sorgte er in der Münchner Öffentlichkeit für heftigen Streit. Vor allem einige Nutzer können sich für das Bauwerk kaum begeistern.


Essay

Parallelwelten und Laboratorien der Kunst – Neue Galeriearchitektur | Parallel Worlds and Laboratories of Art – New Gallery Architecture

Text: Ursula Graf
Kommerzielle Galerien werden in jüngster Zeit allerorts architektonisch neu definiert. Jenseits der gewohnten Projektion der neutralen Folie wird den “architektonischen” Statements wieder ein höherer Stellenwert eingeräumt. Ohne der Kunst den Rang streitig zu machen, entstand so eine große Bandbreite konzeptueller, intellektueller und künstlerischer Lösungen. 

Steven Holl: Loisium Hotel, Langenlois, Niederösterreich | Austria

Photos: Margherita Spiluttini; Text: Matthias Boeckl
Art Sells

Zwei Jahre nach der Eröffnung des ersten Wein-Themenparks in Österreich (architektur.aktuell 11/2003) wurde die Anlage nun mit einem Hotel vervollständigt. Das anspruchsvolle Gesamtkonzept will touristische, kulinarische und kulturelle Annehmlichkeiten auf hohem Niveau verbinden und dabei auch wirtschaftlich erfolgreich sein. Der Architekturanteil dieser Idee ist jedenfalls gelungen und könnte im Tourismus überregional neue Wege weisen. 

Peter Lorenz: Wohnanlage Sottolfaro in Triest, Italien | Sottolfaro Apartment Building in Trieste, Italy

Photos: Paolo Utimpergher; Text: Maddalena Scimemi
Terrassen zum Meer 

Triest gilt wegen seiner Randlage seit 1918 als eine Stadt, die erst spät von den soziologischen Entwicklungen Italiens erreicht wurde. So hat die Suburbanisierung durch Zweitwohnsitze eben erst begonnen – und Peter Lorenz steuert mit seinem “Sottolfaro”-Projekt wichtige Qualitätsimpulse dazu bei. 

Boris Podrecca: Drei Wohnhäuser in Venedig | Three Apartment Buildings for Venice

Photos: Marco Zanta; Text: Andrea Bocco-Guarneri
Licht und Stein 

Be- und Entkleidung, typisch venezianisches Streiflicht und rohe Rückseiten des “Venezia Minore” – all diese subtilen Effekte traditioneller Baukultur der Lagunenstadt spielt Boris Podrecca in seinen neuen Wohnhäusern aus. So wird eines der seltenen Neubauprojekte Venedigs, das in privilegierter Lage Wohnraum auf ehemaligem Fabriksgelände anbietet, zu einem Manifest der haptischen und farblichen Qualität des Orts.


Small&Smart

Veit Aschenbrenner: Lift, Dachterrasse und Sonnendeck für das Basiliskenhaus, Wien-Innere Stadt | Lift, Roof Terrace and Sundeck for the Basiliskenhaus, Vienna, Austria

Photos: Nadine Krier; Text: Gabriele Kaiser
Vertikale durch die Substanz

Während die Nachrüstung von Wohnhäusern durch Aufzüge mit risalitartigen (heutzutage gerne gläsernen) Vorbauten straßen- oder hofseitig meist relativ unaufwändig vonstatten geht, kann bei sehr alter Bausubstanz, deren Fassade nicht verändert werden darf und deren Erschließung keinen zusätzlichen Luft-Raum birgt, der Einbau eines Lifts zu einem architektonischen Kraftakt geraten. Das im Jahr 1212 erstmals urkundlich erwähnte Basiliskenhaus im Zentrum von Wien ist eines dieser Häuser, deren Substanz den leichtfertigen baulichen Zugriff ohnehin grundsätzlich verwehrt. Die Architekten standen also vor der – an sich kleinen, aber diffizilen – Aufgabe, in ein denkmalgeschütztes Gebäude mit verwinkeltem Stiegenhaus und lang gestrecktem Pawlatschenhof einen behindertengerechten Aufzug einzubauen. Zum Glück tat sich im Bereich des Stiegenhauses eine Raumreserve auf, die genutzt werden konnte: eine Einraumwohnung, die im Laufe der Zeit nur noch zu Abstellzwecken genutzt worden war. Diese Einheit wurde aufgelassen und damit, so die Architekten, “eine durchgängige Vertikale durch das denkmalgeschützte Haus gefunden und das innen liegende Treppenhaus zusätzlich belichtet”. Die unterschiedlichen Gewölbeformen des Bestands werden nun in jedem Geschoß durch die reliefierte Edelstahlwand des Sechs-Personen-Lifts “kontrapunktiert”, zugleich jeweils eine Nebenfläche definiert, die als Stauraum stets willkommen ist. Für die Überfahrt des Aufzugs war es notwendig, Teile des Dachstuhls abzutragen – eine Transformation, die es ermöglichte, zusätzlichen Raum für eine kleine Dachterrasse samt Sonnendeck zu schaffen.

 

Francisco J. Mangado: Plaza de Dali in Madrid, Spanien

Photos: Roland Halbe; Text: Matthias Boeckl
Befreiung durch Ordnung

Als Camillo Sitte im 19. Jahrhundert daran ging, sein epochales Werk über den Städtebau zu verfassen, bereiste er zunächst Griechenland und Italien. An der Wiege der abendländischen Kultur wollte er studieren, wie sich der Brennpunkt aller städtebaulichen Probleme seiner Zeit, der öffentliche Platz, historisch entwickelt hatte. Vom Studium historischer Platzanlagen in funktionierenden Altstädten des mediterranen Raums bezog Sitte die Überzeugung, dass nur der organisch gewachsene, funktional subtil geordnete öffentliche Platz – im Gegensatz zu dem von ihm erbittert bekämpften synthetischen Restraum der Gründerzeit-Neustädte – eine lebenswerte Zukunft der Städte garantieren könne. Mehr als 120 Jahre später ist dieser Theorie im Grunde nicht allzu viel hinzuzufügen: Die inzwischen verstrichene Geschichte der Moderne hat Sittes Thesen eindrucksvoll bestätigt. Aus der Wiege der Gestaltungskultur öffentlicher Plätze, dem Mittelmeerraum, ist jedoch inzwischen eine Problemzone geworden. Mailand und Valencia, Rom und Madrid haben es nicht besser als die mitteleuropäischen Metropolen verstanden, Modernisierung und Lebensqualität im vehementen Stadtwachstum der Peripherie organisch miteinander zu verbinden. Neue Impulse zur intelligenten Neulektüre des öffentlichen Raums unter Bedingungen der Moderne kommen heute eher aus nördlichen Grenzregionen als aus dem Herzen mediterraner Länder. So entwarf etwa Boris Podrecca von Wien aus eine Reihe der schönsten und bestfunktionierenden Umbauten öffentlicher Räume im Gebiet zwischen Venedig, Zagreb und Laibach. Und in Spanien war es Enric Miralles, der aus dem vergleichsweise “mitteleuropäischen” Barcelona ein neues Platzverständnis weltweit exportierte. Heute ist es Francisco J. Mangado, der vom nordspanischen Pamplona aus eine Neuinterpretation eines großen Gründerzeitboulevards in Madrid wagt. Wie Podrecca nutzt auch er die klassische steinerne Oberfläche als Hauptebene der Zusammenfassung heterogener Platzelemente. Tiefgaragenabfahrten und Begrünungen, Beleuchtungen und räumliche Akzentuierungen docken als sekundäre Elemente auf dieser Basis an. Mangado nutzt dabei in strenger spanischer Tradition geometrische Muster der grünen Inseln, um daraus sowohl Sitzgelegenheiten als auch Raumgliederungen zu entwickeln. Und die Leuchtstreifen im Boden vermitteln nachts ein Flair von großstädtischer Eleganz. Die Plaza Dalí – die ihrem Namen durch eine hier aufgestellte Skulptur des surrealistischen Großmeisters Ehre macht – beweist, dass urbanes Kommerz- und Verkehrsgewucher durch die strenge Form nicht nur in angemessene Positionen zurückgeführt, sondern durch diese Ordnung sogar noch stimuliert werden kann: Gleiche Rahmenbedingungen für alle “Stakeholders” im öffentlichen Raum, Schönheit durch Ordnung, Demokratie durch Kunst.

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