architektur.aktuell 05/2004

architektur.aktuell 05/2004

contemplation

Höller & Klotzner: Erweiterung der Pfarrkirche Leifers bei Bozen, Italien | Extension to Leifers parish church, near Bozen, Italy

Photos: Christoph Kern, Oskar La Riz, Günter Richard Wett; Text: Bettina Schlorhaufer
Pures Raumerlebnis

Die Pfarrkirche von Leifers südöstlich von Bozen ist wegen ihres Gnadenbildes eine Pilgerstätte. Im Entwurf der Kirchenerweiterung des vom Dorf zur Stadt gewordenen Orts überschneiden sich daher Pilgerwege, städtebauliche Achsen und gezielte Rauminszenierungen.


Brückner & Brückner: Pfarrkirche in Wenzenbach, Deutschland | Parish Church in Wenzenbach, Germany

Photos: Peter Manev; Text: Wolfgang Jean Stock
Eine Kirche als neue Ortsmitte

Was die zeitgenössische Architektur betrifft, ist das Land Bayern für viele ein weißer Fleck. Dass sich dies allmählich ändert, dafür sorgen auch die Architekten Peter und Christian Brückner aus der Oberpfalz. Eines ihrer Projekte, der Umbau eines Würzburger Lagerhauses zum Kulturspeicher am Main, ist sogar zweimal ausgezeichnet worden: mit dem Balthasar-Neumann-Preis und dem BDA-Preis Bayern 2003. Ihre jüngste Leistung ist die Erweiterung der Pfarrkirche in Wenzenbach bei Regensburg. Das durch den markanten Neubau weitgehend überformte Gotteshaus stellt seit dem Sommer 2003 die neue Ortsmitte dar.


lichtblau.wagner: Neugestaltung des Doms in Eisenstadt, Burgenland | Cathedral renovation in Eisenstadt, Austria

Photos: Bruno Klomfar; Text: Isabella Marboe
Lichtflirrende Transzendenz

Mit analytischem Blick erkannten lichtblau.wagner das brachliegende städtebauliche Potential und die räumliche Qualität des Eisenstädter Martinsdoms. Die Architekten gaben der Kirche ihre warme Farbigkeit und dem Domplatz seine zentrale Lage zurück.


Essay

Bauen nach der Regel – über zwei Klosterneubauten in Österreich und Venezuela | Building According to the Rule – On two new monastery buildings in Austria and Venezuela

Photos: Matthias Mulitzer, Petra Steiner, Schwestern v. Bethlehem, Helmuth Lanik, Thomas Ikrath; Text: Matthias Mulitzer
Der Bau von Klöstern ist in unserer Zeit ein ungewöhnliches Vorhaben. Die Rede ist hier von christlichen Klöstern, bei denen sich in Österreich während der letzten Jahrzehnte angesichts der Nachwuchsprobleme in den meisten religiösen Orden und durch die Nutzung alter Bausubstanz nur wenige Gelegenheiten für Neubauten ergaben. Einige Beispiele neu erbauter Klöster in Österreich nach 1945 sind: das Kolleg St. Josef in Salzburg Aigen von Holzbauer/Kurrent/Spalt (erbaut 1961-64 und mittlerweile nicht mehr als Kloster genutzt), das Ursulinenkloster in Innsbruck von Josef Lackner (1971-79), das Zisterzienserinnenkloster in Maria Roggendorf von Walter Hildebrand (1975-1980) und zuletzt der Neubau des Karmel in Innsbruck von Margarethe Heubacher-Sentobe (2002-03). Nun entstand ein weiteres Neubau-Kloster im Salzburger Pongau.

Architekten Kollektiv: Krematorium am Friedhof Rosenberg in Winterthur, Schweiz | Crematorium at Rosenberg Cemetery in Winterthur, Switzerland

Photos: Georg Aerni; Text: Seraina Carl
Tiefe Himmel

Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts hat unsere Gesellschaft ein zunehmend distanziertes Verhältnis zum Sterben eingenommen und der reale Tod ist heute fast vollkommen aus unserem Alltag verbannt. Im neuen Krematorium Winterthur wird Trauernden wie Unbeteiligten wieder die Wahl zwischen Hin- und Wegschauen gegeben. 

Wolfgang Ritsch: Renovierungen und Umbauten im St. Josefskloster Lauterach, Vorarlberg | Renovations and Adaptations in St. Josef Convent, Lauterach, Austria

Photos: Bruno Klomfar; Text: Robert Fabach
“…als ob wir alle hier bleiben würden

Mit diesem Nachsatz kommentierte die Priorin des Redemptoristinnenklosters die aktuelle Überhitzung des Begriffes “wohl fühlen”, der im Gespräch über die Um- und Neubauten des Klosters gefallen war. “Daheim fühlen” wäre hier angebrachter. Diese für den Besucher vielleicht unerwartete Werteverschiebung hilft beim Verständnis der hohen Wertschätzung, die von den 15 Ordensschwestern für die vergleichsweise reduzierte Gestaltung entgegengebracht wird. In der Vorphase des Projektes habe man mit dem Architekten Wolfgang Ritsch gemeinsam ein Bild von den angestrebten Qualitäten entworfen: klösterlich, bescheiden, einladend, warm, nicht aufwändig, daheim fühlen. 

Luger & Maul: Umbau Bildungshaus Schloss Puchberg, Oberösterreich | Re-planning of the adult education centre in Schloss Puchberg, Austria

Photos: Walter Ebenhofer; Text: Romana Ring
Gläserne Entmaterialisierung

Das Bildungshaus Schloss Puchberg der Diözese Linz, in seinem Kern ein Bau des späten 16. Jahrhunderts, hat schon etliche Verwandlungen erlebt. Insbesondere die Umdeutung vom sommerlichen Adelswohnsitz zum Seminargebäude hat in den vergangenen 50 Jahren bauliche Veränderungen mit sich gebracht, von denen nicht alle als vollkommen geglückt bezeichnet werden können. Der vorläufig letzte Umbau, vom Welser Architekturbüro Luger & Maul geplant, hat jedoch – so ist zu hoffen – eine Wende eingeleitet, die in der Rückführung der gesamten Anlage zu einer der Qualität des Altbaues würdigen Geschlossenheit münden wird.


Small&Smart

Pichler & Traupmann: Altarräume in Eisenzicken, Burgenland, und Wien | Altar Area Design in Eisenzicken, Austria, and Vienna

Photos: Paul Ott, Marcello Wigele-Slama; Text: Matthias Boeckl
Lebendige Gemeinden

Oft bedarf es nur kleiner Adaptierungen, um einem etablierten Gemeindeleben neuen Schwung zu verschaffen. Das zeigen die Altarraumgestaltungen von Pichler & Traupmann in Wien und im Südburgenland beispielhaft. Beide betreffen barocke Kirchenbauten, in beiden ist die heikle Balance zwischen allzu filigranen, geräthaften Interventionen und dem traditionellen Schwergewicht von Ambo und Altar angemessen gemeistert. Diese Angemessenheit ist das entscheidende Erfolgskriterium von Sakralraum-Umbauten. Denn jedes Zuwenig oder Zuviel würde das Funktionieren beeinträchtigen. Die beiden Architekten haben Erfahrung im Umgang mit Pfarrgemeinderäten und anderen Engagierten, als ausgebildeter Theologe kann einer der beiden Partner auch noch fachkundige Führung geben. Die Lehren des Zweiten Vatikanums, die von konservativen Kirchenkreisen derzeit immer wieder in Frage gestellt werden, sind hier auf die selbstverständlichste Weise umgesetzt: Keine Zugangshürden zur liturgischen Handlung, aber auch keine Anbiederung durch Alltagsästhetik. Das kunstgewerbliche Niveau der Einrichtungsgegenstände ist durch das Engagement der Werkstätte Carl Auböck beim Wiener Beispiel auf jahrzehntelang bewährter Höhe. Auch neben den traditionellen Einrichtungsstücken der beiden Kirchen bleibt die Homogenität des entwerferischen Zugangs, der innere Zusammenhalt der Elemente wirksam.

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