architektur.aktuell 06/2004

architektur.aktuell 06/2004

urban & rural

sauerbruch hutton: Neues Rathaus in Hennigsdorf bei Berlin, Deutschland | New Town Hall in Hennigsdorf by Berlin, Germany

Photos: Bitter+Bredt; Text: Claus Käpplinger
Rotierende Körper

Ungewöhnliche kräftige Farbkombinationen und Baukörper jenseits des rechten Winkels haben sauerbruch hutton architekten bekannt werden lassen. Dagegen erscheint ihr neues Rathaus für die 27.000 Seelen-Gemeinde Hennigsdorf bei Berlin überraschend diszipliniert. Doch der Eindruck täuscht. Zwar ist seine äußere Erscheinung nur zweifarbig, doch hinter seinen vielen Rundungen verbergen sich einmal mehr ein unerwartetes Farbspiel und rotierende Raumbeziehungen. 


Angonese2 Boday Köberl: Weingut Manincor in Kaltern, Italien | Manincor Winery in Kaltern, Italy

Photos: Walter Niedermayr; Text: Matthias Boeckl
Der Weg zur Qualität

Der Architektur-Boom im Weinbau ist mit dem Keller von Manincor auf einem neuen Höhepunkt angelangt. Von den vielen anderen qualitätsvollen Bau-Manifesten zeitgenössischer Winzerkultur (architektur.aktuell 11/2003) unterscheidet sich das Projekt von Angonese & Co. vor allem durch seine unsentimentale, konsequent prozessorientierte Entwurfshaltung.


Hertl.Architekten: Technologiehaus Stadtgut in Steyr und privates Hallenbad in Klein Pöchlarn, Oberösterreich | Technology Building Stadtgut in Steyr and private Indoor Pool in Klein Pöchlarn, Austria

Photos: Paul Ott; Text: Romana Ring
Umdeutung und Neuinterpretation

Der Anblick ist vertraut: Wo noch vor einigen Jahrzehnten landwirtschaftliche Betriebe im Weichbild der Städte als Garanten ihrer guten Versorgung standen, besetzen Gewerbe- und Technologieparks die unrentabel gewordenen Anbauflächen. Ganz – oder zumindest weitgehend – im Sinne der Raumordnung nutzen sie als kaum emittierende Nachbarn die gute Verkehrserschließung und die Nähe zu den Wohnquartieren und versorgen die nahe Stadt mit Gütern, die sich unwandelbarer Wertschätzung erfreuen, wie Steuereinnahmen und Arbeitsplätzen. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.


Essay

Sarajevo – gestern und heute | Sarajevo – Yesterday and Today
Martin Moser, Tanja Kocevar, Petra Sattler, Dejan Jadric, Mladen Jadric; Text: Mladen Jadric

Photos: Mehmed Aksamija, Arhiv Zlatko Ugljen, Arhiv Ivan Straus, Vuk Amir, Sead Golos
Unter den wichtigsten bosnischen Kulturereignissen des kommenden Sommers findet Ende Juli die feierliche Öffnung der inzwischen rekonstruierten “Alten Brücke” in Mostar statt. Abgesehen von der brisanten politischen Bedeutung dieses Ereignisses ist dies auch ein guter Zeitpunkt, um auf die Existenz der zahlreichen Architekturschätze sowie auf eine regionale, in Europa wenig bekannte Architekturszene in Sarajevo und Bosnien-Herzegowina aufmerksam zu machen, deren regionaler Stil sich aus jenem dünnen Bereich zwischen Tradition und Moderne entwickelt. Bosnien-Herzegowina liegt nur ein paar hundert Kilometer von der selbstdefinierten Grenze Europas entfernt. Bilder der Kriegszerstörung dominieren immer noch das Image des Staates, der langsam versucht, zurück in die Normalität zu finden. Ein Städte-Tourismus kommt nur langsam ins Laufen, woran vor allem das schlecht ausgebaute Straßennetz und die derzeit teuren Flugverbindungen Schuld haben. Das alles macht Bosnien und Sarajevo immer noch zu einer Terra Incognita, selbst für seine Nachbarländer.


Gasparin & Meier: Umbau Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe, Mode und Bekleidungstechnik in Klagenfurt | Re-planning of the School for Fashion and Clothing Technology in Klagenfurt, Austria

Photos: Margherita Spiluttini; Text: Matthias Boeckl
Bewegungs-Gewinn

Was als bescheidene Fassadensanierung begann, endete letztlich als umfassendes Face-Lifting. Selbst einer anspruchslosen Lehranstalt, die in mehreren Bauetappen der Nachkriegszeit entstand, kann durch gezielte und durchdachte Interventionen eine neue Frische abgewonnen werden. 


Christoph Mayrhofer: Außenstelle des Wiener Stadtgartenamtes in Wien-Simmering | Branch Office of the Vienna Parks and Gardens Department in Vienna

Photos: Hertha Hurnaus; Text: Andrea Nussbaum
Keinen Cent zu teuer

Minimalbudgets und darüber hinaus noch der permanente Kostendruck, bei städtischen Nutzbauten ja keinen Cent zu viel auszugeben, stellen eine besondere Herausforderung an die Architektur. Gelingt es trotzdem durch kluge und kostengünstige Materialwahl, durch die Optimierung des Volumens und die maximale Ausnutzung jedes Quadratmeters einen qualitätsvollen Bau zu realisieren, dann freut es den Architekten und den zuständigen Finanzreferenten. Des Dankes seines Bauherrn kann sich der Architekt aber noch lange nicht sicher sein.


Köberl & Steinlechner: MPreis im Bahnhof Innsbruck, Tirol | MPreis Supermarket in Innsbruck Railway Station, Austria

Photos: Lukas Schaller, Egon Wurm; Text: Gabriele Kaiser
An der Decke ein Teich

Ein tageslichtloser Raum im Untergeschoß des neuen Innsbrucker Bahnhofs von Riegler Riewe bot zunächst wenig Anreiz für eine Tiroler Lebensmittelmarktkette, die sich im Normalfall in der “freien” Landschaft architektonisch verwirklicht sieht. Mit Rainer Köberl, der zuvor in Wenns einen ruhig im Wiesenhang stehenden Markt errichtet hatte, und Michael Steinlechner wagte sich MPreis nun ins scheinbar unattraktive Souterrain vor.


Small&Smart

Enrico Sello: Enoteca Formaggeria “Fred” in Udine, Italien | Italy

Photos: Laura Tessaro; Text: Gerald A. Rödler
L’arte di vivere

“Tajut” – Schnittchen, heißt der gute Brauch im friulanischen Dialekt, sich nach der Arbeit und vor dem Abendessen zu einem Imbiss und vor allem einem Gläschen Wein zusammenzusetzen, um über Gott und die Welt zu plaudern. Der Name kommt aus jener Zeit, als der leichtere Wein Friauls noch mit kräftigerem aus dem Süden verschnitten wurde. Mittlerweile ist das weder üblich noch notwendig, die feinen Tropfen der Region haben einen gewaltigen Qualitätsschub hinter sich. Heute wird in den Osterien und Weinbars eher ein Sauvignon Blanc oder Tocai Friulano und renommiertes aus der DOC-Sphäre und dem Barrique-Ausbau gereicht. Vini regionali ergänzt mit Winzerstolz aus nicht weniger als 14 italienischen Regionen sowie Käse, Salami und andere auch beim Tajut unverzichtbare Häppchen gibt es in der udinesischen Enoteca Fred. Enrico Sello hat hier auf engem Raum mit dem sicheren Geschmack des Ortskundigen interveniert, und wurde damit auch für den Premio Marcello D’Olivo nominiert. Die strenge Geometrie durch die statisch unverzichtbaren Säulen lockert Sello mit einer grazilen Lichtranke an der Decke. Bunte und spielerisch in die Polsterung gesetzte Knöpfe nehmen der Lehne der Wandbank ihren kubistischen Schrecken. Das Objekt der Begierde in der Enoteca Fred liegt – wie es der Bouteille aus besserer Familie zusteht und bekommt – jedoch nicht im tiefen Regal versteckt, sondern der schönen Länge nach mit ausgewiesenem Etikett.

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