architektur.aktuell 09/2007

architektur.aktuell 09/2007

architektur.aktuell

Alfred Grazioli & Adolf Krischanitz: Erweiterung Museum Rietberg, Zürich, Schweiz | Extension to the Rietberg Museum, Zurich, Switzerland

Photos: Heinrich Helfenstein, Margherita Spiluttini; Text: Andrea Wiegelmann
Baldachin von Smaragd

Von der Terrasse der geschichtsträchtigen Villa Wesendonck, die Leonhard Zeugherr für den Industriellen Otto Wesendonck im neoklassizistischen Stil erbaute, genießt man nicht nur den Blick in den angrenzenden Rieterpark, sondern auch über Baum-kronen und Dächer hinaus auf den Zürichsee. Hier einen Erweiterungsbau zu platzieren, wie im 2002 ausgelobten internationalen Wettbewerb gefordert, um der eindrucksvollen Asien-Kunstsammlung des Museums Raum zu geben, ist kein einfaches Unterfangen. Und so wurde mit Sichtung der Wettbewerbsbeiträge auch deutlich, dass ein Anbau an das historische Gebäude ebenso den Charakter des Ensembles verändern würde wie ein Solitär, platziert im unter Schutz stehenden Park.


Brückner & Brückner: Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee, Deutschland | Germany

Photos: Peter Manev; Text: Wolfgang Jean Stock
Ein Haus der guten Nachbarschaft

In einer kleinen bayerischen Stadt an der Grenze zu Böhmen geht ein ehemaliges Bräuhaus dem Verfall entgegen. Die Bevölkerung fordert einhellig den Abriss der Gemäuer, doch der Bürgermeister will das historische Zeugnis nicht opfern. Ein Jahrzehnt lang kämpft er für eine neue öffentliche Nutzung, um die Sanierung des Gebäudes zu erreichen. Die Gründung des Centrum Bavaria Bohemia ist dann der Durchbruch und die Architekten machen aus der dreiteiligen Ruine ein baukulturelles Juwel der Gemeinde.


Marte.Marte: Landessonderschule Mariatal, Kramsach in Tirol | Mariatal Regional Special School, Kramsach in Tyrol

Photos: Bruno Klomfar; Text: Robert Fabach
Klösterliche Schalen

Die Geschichte des ehemaligen, 1267 gegründeten Klosters der Dominikanerinnen am Ausgang des Brandenbergtales ist eine Geschichte der Segregation, der freiwilligen und gewaltsamen Absonderung. Zugleich eine wechselvolle Geschichte der Suche nach Heil, nach Heilung. Der Mantel sachlicher Geschichtsschreibung ist dünn angesichts der Tragik individueller Biografien, die sich im Laufe von 740 Jahren mit dem Ort verbunden haben. Der Umbau reagiert – davon unbeeindruckt – vor allem auf die dynamische Energie der angrenzenden Ache und die dominante Enge des Tales mit dem Gewicht zweier gedrungener Baukörper aus Sichtbeton. Die Idee des mittelalterlichen Klosters ist der motivische Ausgangspunkt für diesen gestalterischen Neuanfang.


BKPS: Slowakisches Nationaltheater, Bratislava | Slovak National Theatre, Bratislava

Photos: Lubo Stacho; Text: Henrieta Moravcikova
Zeitgenössischer Rationalismus

Die lange Entwicklung eines slowakischen Bewusstseins ist, zumindest symbolisch, durch die Fertigstellung des repräsentativen Hauses des Nationaltheaters abgeschlossen. Der Prozess hat 120 Jahre gedauert. Die meisten europäischen Nationen haben ihre Nationaltheater in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet. Die Slowaken hatten aber bereits 1887 erhebliche Probleme, die Errichtung ihres Nationalen Hauses, das auch als Ort für Theateraufführungen dienen sollte, durchzusetzen. Die ungarischen Institutionen erlaubten den Gebrauch des Begriffes national nicht und am Ende blieb nur das Haus übrig. Am Beginn des 21. Jahrhunderts hat die Slowakei schließlich ihr Nationaltheater erhalten. Der Bauprozess wurde von Enthusiasmus, Zweifel und romantisch-nationalen Gefühlen begleitet. Nichtsdestotrotz und abgesehen von allen Schwierigkeiten bei der Errichtung, das Ergebnis präsentiert sich architektonisch als Teil der Familie der großen, europäischen Theaterbühnen am Ende des 20. Jahrhunderts.


Michael Maltzan: Billy Wilder Theater, Los Angeles, USA

Photos: Wil Carson; Text: Bradley Wheeler
Ein Wilder Geist

Das pittoreske Universitätsviertel Westwood im kalifornischen Los Angeles, war das Zuhause von Billy Wilder und seiner Frau Audrey. Ein idealer Standort, erzählte doch Billy eine halbe Stunde östlich von hier in Hollywood seine Geschichten. Westwood ist auch die letzte Ruhestätte des Drehbuchautors und Regisseurs, gemeinsam mit einigen anderen seiner Schauspieler und Schauspielerinnen einschließlich Marilyn Monroe. Hier ist es auch, wo Architekt Michael Maltzan den Geist von Billy Wilder kanalisierte und einen Ort kreierte, der die Energie und Seele des Meistererzählers einfängt.


The next ENTERprise: Open-Air-Bühne “Wolkenturm”, Schloss Grafenegg, Niederösterreich | “Wolkenturm” Open-Air-Stage, Schloss Grafenegg, Lower Austria

Photos: Michael Hierner, Philip Horak, Lukas Schaller; Text: Matthias Boeckl
Ein Stück Arkadien

Schloss und Park Grafenegg waren bisher als österreichische Hauptwerke des romantischen Historismus bekannt. Der damalige Bauherr August Ferdinand Graf Breuner-Enckevoirth scheute keinen Aufwand, um es mit dem Architekten Leopold Ernst seinen englischen Vorbildern für Schloss und Landschaftspark gleichzutun. Ebenso konsequent ließ nun das Land Niederösterreich als Bauherr eines der avanciertesten österreichischen Architekturbüros seine Vision eines zeitgenössischen Kulturbaus umsetzen. Ergebnis ist ein stimmiges Gesamtkunstwerk aus Schloss, Bühne und Park, in dem Objekte aus dem 19. und 21. Jahrhundert in ihrer kulturellen Nutzung perfekt aufeinander abgestimmt sind.


SNAPSHOT

archipel: Netze werfen, Perlen tauchen | Throwing nets, diving for pearls

Photos: Rupert Steiner; Text: Isabella Marboe
Johannes Kraus und Michael Lawugger von archipel architektur+kommunikation denken, handeln und arbeiten vernetzt. Ausführliche Feldforschung, professionelle Informations-arbeit und ein breiter Konsens sind die solide Basis ihrer Architektur. So wurde auch das Museumszentrum Mistelbach erfolgreich umgesetzt.


Wolfgang Schaffer: Ausstellungshalle Holter in Wels, Oberösterreich

Text: Gerald A. Rödler
Klar wie reinstes Wasser

Mit sechs Niederlassungen und rund 400 Mitarbeitern ist Holter österreichweit vertreten, das Familienunternehmen hat sich als drittgrößter Sanitärgroßhändler etabliert. Bauprojekte werden seit Jahren mit Peneder abgewickelt. Da wir mittlerweile bereits zehn Objekte mit dem PARA-Bogendach realisiert haben, ist es schon fast zu einem Markenzeichen für unseren Betrieb geworden, erklärt Gerd Holter, geschäftsführender Gesellschafter der Holter GmbH. Neben ästhetischen Vorzügen biete das Dach besonders in schneereichen Wintern einen eminenten Vorteil: Während wir unsere Flachdächer immer wieder abschaufeln mussten, war das bei den geschwungenen PARA-Dächern nie notwendig.
Der neue Standort am Autobahnknoten Wels West ist nicht nur verkehrstechnisch perfekt gelegen, sondern bot sich auch als weithin sichtbarer Blickfang für Planer Wolfgang Schaffer geradezu an. Die gläserne Front des Erschließungsbereichs lässt sofort die Dimension des dahinter liegenden Gewölberaums erkennen und gemeinsam mit dem Dach einladend mit Licht durchfluten. Ein gutes Fünftel der Dachfläche trägt mit transluzentem Polycarbonat dazu bei. In Verbindung mit der Innenbeleuchtung lassen sich beeindruckende Effekte erzielen. Bei entsprechenden Lichtverhältnissen mutet die Welle wie der Blinker eines Cadillacs an, meint Wolfgang Schaffer. Ein ausgeklügeltes Beleuchtungssystem lässt die Welle bei Dunkelheit in allen gewünschten RGB-Farben erstrahlen.
Schon zu Beginn seiner Laufbahn hat Wolfgang Schaffer ein Projekt mit dem PARA-Bogendach realisiert. Seit damals schätzt er neben den gestalterischen auch die konstruktiven Möglichkeiten. Die extreme Dimension stellte eine besondere Herausforderung dar, immerhin mussten 22 Meter überspannt werden. Bei der Holter-Ausstellungshalle kommen für den Planer die Vorzüge des Stahlbaus und die Kooperation mit Peneder voll zum Tragen: Der Stahlbau zeichnet sich durch optische Klarheit aus und ist schnell, präzise und sauber. Da viele Stahlelemente vormontiert werden konnten, ergaben sich auch kürzere Montagezeiten auf der Baustelle. Die Präzision der Fertigung erlaubte eine schnelle Fertigstellung. Die Symbiose aus Glas und Stahl überzeugt mit der optischen Klarheit reinsten Wassers.

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