architektur.aktuell 10/2004

architektur.aktuell 10/2004

pars pro toto

Barcelona 2004: Forum der Kulturen | Forum of Cultures

Photos: Duccio Malagamba, Xavier M. Miró, Augustí Argelich, Isabel Steva; Text: Stephan Szigetvary
Urbanismus des Spektakels

Am Ostende der Stadt, dort, wo Kraftwerke wie Sant’Elias´sche Utopien wirken und wo die Realutopien des Franco-Regimes triste Wohnscheiben für sozial schwache Bevölkerung mit einhergehender Kriminalität hinterlassen haben, realisierten Barcelonas Stadtväter ein neues urbanes Großprojekt.


Bothe Richter Teherani/Bolles+Wilson: Lofts und Wohnturm Falkenried in Hamburg, Deutschland | Lofts and Housing Tower in Falkenried, Hamburg, Germany

Photos: Klaus Frahm, Christian Richters; Text: Klaus-Dieter Weiß
Stadtluft befreit

Der Durchschnittsamerikaner verbringt heute zehn Jahre seines Lebens im Auto, weil Wohnen die Bedürfnisse Urbanität, Vernetzung und Selbstbestimmung nicht mehr berücksichtigt. Die vermeintlich frei getroffene Entscheidung für das eigene Haus vor der Stadt ist eine Entscheidung gegen unzureichende Wohnmöglichkeiten in der Stadt, nicht gegen den Wohnort Stadt. Citynahe Konversionsflächen wie das ehemalige Hamburger Straßenbahndepot Falkenried am Isebekkanal bieten die besten Voraussetzungen für ein Umsteuern des Wohnungsbaus. Das junge Publikum, das die Wanderungsgewinne Hamburgs bestimmt, ist am traditionellen Siedeln hinter Jägerzäunen der Peripherie kaum noch interessiert.


Auer + Weber: Solar City Center in Linz, Austria

Photos: Roland Halbe; Text: Romana Ring
Ordnung, Technik, Konsequenz

Die Linzer Solar City sollte ein Manifest des nachhaltigen Städtebaus werden. Mehrere internationale Architekturstars realisierten hier – neben dem anschaulich gezeigten Ökologiegedanken – ein System strikter Balance zwischen Öffentlichkeit und Intimität, Körpern und Wegen, Farben und Texturen.


Essay

Renaissance des Bauens – Zur 9. Architekturbiennale in Venedig | A Renaissance of Building – On the 9th Architecture Biennale in Venice

Photos: Anna Blau, La Biennale di Venezia; Text: Matthias Boeckl
Vorweg die Bilanz: Das größte internationale Architekturspektakel lebt, liebt und repräsentiert besser denn je. Näher an den eigentlichen Architekturthemen als je zuvor, in Auswahl und Gestaltung präziser und subtiler als das Vorgänger-Event 2002, bietet die Biennale unter der Leitung von Kurt W. Forster heuer ein Panorama der rezenten Produktion, das kaum einen wichtigen Diskurspunkt auslässt. Nach Hans Holleins “Seismograph” (1996), Massimiliano Fuksas’ “Less Aesthetics, More Ethics” (2000) und Deyan Sudjic’ “next” (2002) ist Forsters “Metamorph” bescheidener und weniger spekulativ, aber trotzdem nicht unspektakulär, repräsentativer, aber trotzdem nicht beliebig, und klarer, aber trotzdem nicht langweilig. Forster überzeugt uns, dass die Architektur keineswegs in einer Existenzkrise steckt, sondern kreativ und pragmatisch auf immer schnellere Änderungszyklen reagieren und damit ihre gesellschaftliche Relevanz weiterhin behaupten kann. Eine optimistische, eine realistische – und auch eine schöne Biennale.


Helmut Christen: Büro- & Produktionsgebäude KEBA in Linz | Office and Production Facility “KEBA” in Linz, Austria

Photos: Dietmar Tollerian; Text: Romana Ring
Industrie-Bau-Kunst

Linz ist längst nicht mehr nur Wirtschaftsstandort, sondern auch weithin geachtetes Kulturzentrum. Und die neuen Gewerbebauten der Stadt verbinden die Qualitäten beider Bereiche: Industriebau wird hier mitunter auch zum veritablen Baukunstwerk.


SPLITTERWERK: Wohnbau “Schwarzer Laubfrosch” in Bad Waltersdorf, Steiermark | “Schwarzer Laubfrosch” Housing project in Bad Waltersdorf, Austria

Photos: Paul Ott; Text: Nikolaus Hellmayr
Verpackung oder Multi-tasking?

Ausstattung und Licht eines zum Mietshaus umgebauten Rüsthauses in Bad Waltersdorf provozieren Bilder aus Literatur, Theater und Film. Man denkt an Kafka oder Greenaway, auch die Bühnenbilder zu Verwechslungskomödien mit neutraler Szene und vielen Türen im Hintergrund ließen sich assoziieren. Was die interdisziplinär besetzte Planergruppe SPLITTERWERK seit den 1990er Jahren als “multi-inzidente Hüllen” entwickelte, hat auch zumindest dem Begriff nach, im Sinne von episodischer Handlung, mit dem Theater zu tun und lässt dieses bemerkenswerte Projekt ideologisch, im Kontext aktueller gesellschaftlicher Projektionen, wie die Bühne für eine Inszenierung des Privaten in den hermetischen Reservaten individueller Wohnumgebungen erscheinen.


Geiswinkler & Geiswinkler: Gartensiedlung “Am Hofgartel” in Wien-Simmering | Housing Project “Am Hofgartel” in Vienna

Photos: Manfred Seidl; Text: Andrea Nussbaum
Wohnen ohne Verfallsdatum

Der Leberberg am östlichen Stadtrand von Wien ist alles andere als eine attraktive Wohngegend. Dicht bebaut mit einer Vielzahl der unansehnlichsten sozialen Wohnbauten, die diese Stadt zu bieten hat. Warum sollte jemand in Erwägung ziehen, dorthin zu übersiedeln? Diese simple Überlegung stand nicht nur am Anfang der Planungen der Architekten Kinayeh und Markus Geiswinkler, sondern veranlasste sie in Folge zu einer Grundsatzfragenstellung: Was müssen neue Wohndomizile wie jene Siedlung “Am Hofgartel” letztendlich ihren Mietern bieten, bzw. wodurch können sie sich von den bisherigen Typologien nutzerfreundlich abheben? Die architektonische Lösung, die sie gefunden haben, sollte für den Wiener Wohnbau Vorbildwirkung haben.


Markus Pernthaler: Tower und Gerätehalle, Flughafen Graz | Tower and Aviation Equipment Depot, Graz Airport, Austria

Photos: Paul Ott; Text: Nikolaus Hellmayr
Turm mit Weitblick

Für die rasch gestiegenen Frequenzen des Grazer Flughafens, der nicht zuletzt auch den erfolgreichen steirischen Autocluster mit erschließt, wurde ein neuer Kontrollturm nötig. Gemeinsam mit einer Gerätehalle, die ebenfalls von Markus Pernthaler entworfen wurde, und dem Bürogebäude von Riegler Riewe bietet der Grazer Airport nun Verkehrs-Architektur auf hohem Niveau.


Small&Smart

BEHF: “YELLOW” Restaurant & Lounge-Bar in Wien | Vienna

Photos: Rupert Steiner; Text: Andrea Nussbaum
Night and Day

Das ist nicht nur ein Song des berühmten Cole Porter, interpretiert von dem noch berühmteren Frank Sinatra. Night and Day ist auch das Motto von “Yellow”, einem Restaurant samt Bar, konzipiert und entworfen von BEHF Architekten. Vorbild für diesen Mix aus Asia-Food-Take-Out-Kantine, Lounge und Club gibt es keines, außer dem der Internationalität, erklärt Stephan Ferenczy. Yellow kommt wie unschwer zu erkennen ist von der dominanten “Day”-Zonen-Farbe. Die Nächte hingegen verbringt man besser in der gedämpften schwarz-grauen Zone. Und dort wo sich die Tageszeiten und ihre Zonierung treffen ist es golden. Für Kenner der Szene und kosmopolitische Liebhaber des Essenstrends im Liegen gibt es noch ein pinkfarbenes Separée. Das architektonische Programm ist durch und durch ganzheitlich zu sehen. Ging es doch nicht darum, einem weiteren Asia-Restaurant ein trendiges Outfit zu verpassen, sondern um Corporate-Identity durch maßgeschneiderte Architektur und internationales Graphic Design, beides dem Konzept einer altersunabhängigen System-Event-Gastronomie entsprechend. Die Außenfassaden des ehemaligen Elektriker-Ladens ließen die Architekten nahezu bis auf leichte Instandsetzung unberührt, von außen ist das Treiben dahinter nicht ersichtlich. Jetzt müssen nur noch die Köche den richtigen Mix auf die Teller bringen, von den Architekten aus ist alles getan, was es zu machen gab.

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