Kolloquium 2018 | Forschung und Entwicklung für Zement und Beton

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Am 13.11.2018 lud die Wirtschaftskammer Österreich zu dem von der VÖZ – Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie, zusammen mit der TU Wien und dem ACR – Austrian Cooperative Research initiierten Vortragsreihe „Kolloquium 2018“ ein. Begleitet von Kameras und Fotografen trugen Fachleute, wie zum Beispiel Mag. Dr. Helga Zeitlhofer von Smart Minerals oder BM DI Gerald Lanz von der MABA Fertigteilindustrie, und Architekten interessanten und spannenden Input zur Thematik „Bauen mit Zement und Beton“ vor. 

Am späteren Nachmittag wurden aktuelle Bau-Beispiele von Architekturbüros vorgestellt. Den Anfang machte Ing. Jörg Hoffmann mit seinem Projekt, die Siedlungsgenossenschaft in Pöttsching, die gleichermaßen aus Wohnungen und Reihenhäuser besteht. Die einzelnen Bauten wurden mit Energiespeicherbeton errichtet, der – wie der Name schon verrät – Wärme speichert und somit Heizkosten verringern soll. Die Wohneinheiten werden durch Bauteilaktivierung beheizt und gekühlt, die Energieversorgung erfolgt durch Energiewärmepumpen. Zusätzlich wurde für die warmen Sommermonate eine Passivkühlung eingerichtet, die besonders energieeffizient und ressourcenschonend ist. Verschiebbare Sonnenschutzelemente runden die Öko-Wohnblöcke ab und bieten den BewohnerInnen in Hitzeperioden einen angenehmen Aufenthalt. Wichtig zu erwähnen wäre auch der soziale Aspekt des Projekts, denn die Lebensräume sind einerseits für betreutes Wohnen angedacht und andererseits für StudentInnen miet- und leistbar, da die Preise in einem sehr erschwinglichen Rahmen gehalten wurden.

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Es folgte das Büro Franz&Sue mit ihrem Low Tech-Projekt, welches sie kreativer- und passenderweise „Stadtelefant“ nannten. Der Entwurf zum Gebäude gewann 2015 den Wettbewerb für den ansehnlichen Bau-Platz im Sonnwendviertel, in der Nähe des Erste Campus. Das Besondere ist, dass es durchgehend aus Beton besteht – außen, wie auch innen. Auch die isolierende Zwischenwand ist aus Sichtbeton. Die Ecken wurden ebenfalls durchgehend betoniert, keinerlei Eckverleimungen o.ä. Die Fenster zum Projekt lieferte die Firma Internorm, diese wurden zuvor in einem Probebetonteil, einem Ausschnitt einer Wand, ausgetestet und für optimal erklärt.

Der soziale Wohnbau „MGG²²“ der Thaler Thaler Architekten beinhaltet insgesamt 160 Wohnungen und jede Einheit wird über eine Betondecke geheizt, sowie gekühlt. Der Bau fällt in die Kategorie „Niedrigenergiegebäude“, u.a. da die Strahlungswärme, die von der Sichtbetondecke abgegeben wird, eine optimale Oberflächenwärme und somit eine solide Raumtemperatur gewährleistet. Das Besondere ist auch, dass es anfangs 3 abgegrenzte Bauplätze waren und diese durch freie, öffentliche Plätze verbunden wurden. Nun ergibt sich eine einzig große Fläche mit Wohnblöcken, die lediglich durch kleine, dazwischengelegene Grünflächen aufgelockert werden. Die Fertigstellung erfolgt im August 2019.

Zu guter Letzt stellten die Aigner Architekten ihr bauteilaktiviertes Wohnprojekt in Form eines Einfamilienhauses vor. Erbaut mit und aus Beton, ein Low Tech-Gebäude, wie es im Buche steht. Alleinstellungsmerkmal ist auf jeden Fall die Tatsache, dass es kellerlos ist. Die gesamte Haustechnik befindet sich am Dach.

Nach einer kurzen Pause ging die Vortragsreihe weiter mit der Teil-Thematik „Beton und Zement im Hochbau“ – dazu begrüßte DI Sebastian Spaun, Geschäftsführer der VÖZ, der durch die Veranstaltung führte, DI Anja Ebenschweiger, die das Unternehmen Lafarge Zementwerke aus Wien vertrat. Lafarge stellt u.a. mineralisch hydraulische Dämmungen her. Diese setzten sich aus Proteinen, Bindemittel, Wasser und dem Hauptbestandsteil Wasser zusammen. Vorteile beim Einsatz dieser ist ein flexibles Arbeiten, der nachhaltige Aspekt, eine enorme Robustheit und man spart Arbeitsschritte. Klar und nachvollziehbar für die Frau und den Mann, die/der nicht vom Fach ist, erzählte Frau Ebenschweiger auch von den Anwendungsbereichen dieses einmaligen Dämmstoffes. Einsatz findet er z.B. bei der Dämmung einer Sandwichwand, Leichtbetonsteine können damit befüllt werden, eine optimale und mineralische Dämmung des obersten Geschosses eines Gebäudes kann umgesetzt werden und es ist auch eine Estrich-Unterschüttung mit dem Stoff möglich.

BM Ing. Erich Reindl von der Firma Baumit stellte den „Viva Forschungspark“ vor, ein Forschungsprojekt, das bereits im Mai 2015 startete und man daher schon einige Ergebnisse und daraus gezogene Fazite vorstellen konnte. Der Park besteht insgesamt aus 12 Häusern, an jedem befinden sich 33 Messsensoren. Die Erfassung der Messdaten erfolgt alle 20 Sekunden. Basis des Projekts sind die Wandbilder pro Haus: es wurde mit Beton, Ziegel, Holz abgewechselt. Pro Material wurde auch mit der Dämmung variiert, um mehr in die Tiefe zu gehen. Weiters konnte man genau festlegen, welcher Baustoff und welche Dichte am besten geeignet ist, um optimale Energieeffizienz zu gewährleisten. Der eindeutige Sieger war Beton, gedämmt, dicht gefolgt von der Ziegelfassade, ebenfalls gedämmt. Die Devise ist „gute Dämmung ist gleich bessere Energiespeicherung“.  Einziges Manko der Betonwand: die Akustik ist nicht die beste, da brillierte eindeutig das Holz. Wichtig zu erwähnen wäre auch, dass alle Häuser gleich groß sind, sprich dieselbe Fläche und dasselbe Volumen vorweisen. Ein spannendes Projekt, dass bestimmt noch in den nächsten Jahren von sich hören lässt.

Fazit der Veranstaltung: Spannende Vorträge mit interessanten Inhalten. Eine Wissens-Bereicherung in den Themenfeldern Massivbau, energieeffizientes Bauen und alternative Baustoffe. Vorzeigeprojekte für unsere heutige (Um-)Welt wurden vorgestellt – man darf gespannt sein, wie es weitergeht.

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