Alte Zimmerei © Andreas Wimmer Werbefotograf
Historie, Nachhaltigkeit und ganz viel Charme

Bauen im Bestand

Bauen im Bestand ist erklärterweise eine der Lieblingsbeschäftigungen, die Michael Egger sich denken kann. Denn er ist ganz und gar auf Nachhaltigkeit fokussiert. Die unschlagbaren Ökobilanzen, die konsequent realisierte Umnutzungskonzepte zu bieten haben, sind für den Kitzbüheler Architekten Grund genug, Altes zu erhalten.

In der 1906 vom Urgroßvater gegründeten und über vier Generationen betriebenen Zimmerei, die 2019 stillgelegt wurde, renovierte und modernisierte Michael Egger unter strikter Beibehaltung aller Tragwerkstrukturen die Bestandsgebäude und Überdachungen und brachte sie technisch auf den neuesten Stand. Im Mittelpunkt stehen die autarke Versorgung mit erneuerbarer Energie und der behutsame Materialeinsatz im Sinne nachhaltiger Aspekte. Heute zeigt sich die ehemalige Zimmerei Egger mit einem innovativen Nutzungskonzept für eine Vielzahl neuer Betriebe.

Das zur Zeit der Unternehmensgründung traditionell in alpiner Baukunst errichtete „Urhaus“, das anfangs als Werkstätte, Büro und Domizil diente, blieb äußerlich unverändert. Mit seinen liebevoll mit Blumen berankten Fenstern und Holzbalkonen und seinen Original-Eingangstüren, die von Rosenbüschen flankiert werden, empfängt es die Mitarbeiter und Besucher der neu angesiedelten Unternehmen am Grundstückseingang im Süden.

Alte Zimmerei © Andreas Wimmer Werbefotograf

Mit einer runden Lichtscheibe, hinter der sich LED-Cluster befinden, erhellt die Hybrid-Pendelleuchte Zoover von Delta Light den Arbeitsplatz. Die flache Leuchtenkuppel aus nachhaltigem PET-Filz verbessert außerdem die Raumakustik. © Andreas Wimmer Werbefotograf

Das Ensemble

Aus dem durch das Gebäudeensemble ausgebildeten Innenhof öffnet sich sodann der Blick auf die Gipfel der umliegenden Berge, zu der im Norden des Areals gelegenen, in den 60er Jahren erbauten ehemaligen Werkstatt und zu der 600 Quadratmeter großen einstigen Abbundhalle im Osten, die sich parallel zu der von der Kitzbüheler Ache markierten Grundstücksgrenze erhebt. Mit einem breiten Grünstreifen und Blumenbeeten mit Baumanpflanzungen hebt sich das Gebäude von dem geschotterten Untergrund des Innenhofs ab.

Die Werkstatt wurde zur zweigeschossigen „Gelenkwerkstatt“ mit Mietern aus orthopädischer Chirurgie und Physiotherapie umgebaut. Neben diversen Behandlungs- und Therapieräumen sowie Sozialräumen für die Mitarbeiter gibt es auch einen großen therapeutischen Fitnessraum.

In der Abbundhalle, die mit Beton, Glas und Fassadenelementen aus dunkler Fichte geschlossen wurde, entstanden vier kleinere, parallel zur Fassade angeordnete Büros und Werkstätten, die vermietet sind, sowie ein 160 Quadratmeter großes Eckbüro für Eggerarchitekten. Alle Einheiten sind im hinteren Gebäudeteil miteinander verbunden, so dass Server und Hygienebereiche einer gemeinschaftlichen Nutzung zugänglich sind. Im Westen erhielt die Halle einen Anbau, der bei gleicher Höhe zwei Geschosse aufnimmt und als elegante Galeriewohnung mit Blick auf den Fluss ausgebaut wurde.

Photovoltaik, Erdwärme und Optionen für Nachnutzungen

Im Erdgeschoss nimmt der Anbau das Herz des Ensembles auf: Die Erdwärmepumpe, mit der 1.300 Quadratmeter gekühlt und gewärmt werden. Acht Bohrungen bis jeweils 120 Meter Tiefe sind dafür vorgenommen worden. Die Elektroeinspeisung für die Pumpe erfolgt über Photovoltaik auf dem Dach.

Darüber hinaus hat das Objekt noch weit mehr an Nachhaltigkeit zu bieten. Der gesamte Ausbau wurde dahingehend durchgeführt, dass zugunsten unterschiedlicher Nachnutzungen alles trennbar ist. Sämtliche Leitungen und die Heiz- und Kühlkreise können ebenso separiert werden wie die Elektrik. Selbst Bad-Installationen für denkbare zukünftige Nachnutzungen sind bereits verlegt. So könnte man in der Gelenkwerkstatt beispielsweise Büros oder Wohnungen entstehen lassen. Da sämtliche Innenwände im Trockenbau ausgeführt sind, ist eine Zusammenführung der kleineren Einheiten in dem Gewerbebau möglich.

Alte Zimmerei © Andreas Wimmer Werbefotograf

Alte Zimmerei © Andreas Wimmer Werbefotograf

Soliscape von Delta Light: Effiziente Beleuchtung und Raumakustik

Im eigenen Büro setzte Michael Egger selbstverständlich auch auf Nachhaltigkeit und Flexibilität und entschied sich bezüglich der Beleuchtung und Raumakustik für das modulare Hybrid-Profilsystem Soliscape von Delta Light, da es Hocheffizienz mit sinnvollem Materialeinsatz verbindet. Denn der Werkstoff der integrierbaren Akustikpaneele besteht zu mehr als 60 Prozent aus recycelten PET-Flaschen und die Reflektoren für die professionelle Beleuchtung der Arbeitsplätze weisen eine ausgezeichnete Energiebilanz auf.

Über dem für sechs Mitarbeiter ausgelegten Team-Arbeitsplatz schwebt ein Soliscape-System, das mit jeweils dimmbaren stark entblendeten direkt und indirekt strahlenden Lichtlinien sowie mit justierbaren Spots mit Abstrahlwinkeln von 45° für Licht zur Allgemeinbeleuchtung und zum Arbeiten sorgt. Vier spielerisch diagonal in das System integrierte Akustikpaneele reduzieren den Nachhall des hohen, mit schallharten Oberflächen versehenen Raums und tragen damit zur Schaffung eines ruhigen Arbeitsumfelds bei. Eine zweite kleinere Konfiguration beleuchtet den mit einer Glaswand abgetrennten, für acht Personen ausgelegten Besprechungsraum mit integrierten Lichtlinien und vier Spots. Hier sorgen zwei Akustikpaneele für eine ruhige Umgebung. Über weiteren kleineren Arbeits- und Multifunktionsplätzen wurden mit Spots bestückte Soliscape Akustikpaneele als Einzellösung abgependelt.

Hybrid-Pendelleuchte Zoover verleiht dem Raum Volumen, Tiefe und Struktur

Eine weitere Hybridleuchte aus dem Portfolio von Delta Light erhellt einen zentral im Raum angeordneten Arbeitsplatz für zwei Personen mit einem diffusen, durch LED-Cluster erzeugten Lichtkreis, der unterhalb einer flachen Kuppel aus nachhaltigem PET-Filz angeordnet ist. Auch dieses Material ist raumakustisch wirksam. Gleichzeitig setzt Zoover einen gestalterischen Akzent. Dem 160 Quadratmeter großen Büro verleiht die 140 cm große Pendelleuchte Volumen, Tiefe und Struktur.

Mit Soliscape, dem Werkzeugkasten flexibler Komponenten und Module sowie mit Zoover ist es gelungen, die Bürofläche bei Eggarchitekten arbeitstauglich und lebenswert zu gestalten. Mit ihren Nachhaltigkeitsaspekten leisten die Produkte gleichzeitig einen Beitrag zum Konzept des gesamten Ensembles der Alten Zimmerei, die mit ihrer ganzheitlich nachhaltigen Materialauswahl sowie entsprechenden Dämmstärken und insbesondere der Nutzung der vorhandenen Bausubstanz zu einer hervorragenden Ökobilanz des Projekts beitragen.

Durch das einheitliche Erscheinungsbild, das in Kombination mit modernem Design die Spuren des Zimmereihandwerks als sichtbare Zeichen für die Wertschätzung von Tradition und Innovation trägt, und durch die hochwertige Nutzung ergibt sich eine Verbesserung des Quartiers, die auf breite Akzeptanz in der Nachbarschaft und der Gemeinde stößt. Die zwei im „Urhaus“ und im Anbau befindlichen Wohnungen sowie vier kleine Wohnungen in der „Gelenkwerkstatt“ sind zudem beliebte Ferienunterkünfte bei Kitzbühel-Touristen.

deltalight.com

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