Einblicke in den ökologisch orientierten Wandel

Der Hochbau nimmt als Teilbereich im Bauwesen eine wichtige Rolle ein. Die Branche übernimmt die Verantwortung für das Planen und Errichten von Bauwerken über der Geländelinie. Bürogebäude und Hotels zählen ebenso zu den typischen Projektvorhaben wie Wohnungsbauten, Einkaufszentren oder Sportstätten. Aufgrund der Klimaveränderungen werden Architektur und Baustoffe mit erhöhten Ansprüchen konfrontiert. Wirtschaft und Forschung arbeiten trotz Pandemie an der Entwicklung.

Erholte Auftragslage in Österreich

Nach einer Produktionsflaute im Jahr 2020 erlebte der Hochbau in Österreich 2021 einen Boom. Unter anderem trug der staatliche Investitionszuschuss für Unternehmen dazu bei, der seit September 2020 beantragt werden kann. Bis zu 14 Prozent Fördergeld für förderfähige Investitionen locken seither diverse Betriebe auf den Plan. Da die Zuschüsse nicht zurückgezahlt werden müssen, konnte die Bundesregierung ein Ziel der Corona-Hilfe erreichen und die Bauwirtschaft ankurbeln. Der Aufschwung hat auch im Hochbau zu einem Anstieg der Auftragschancen beigetragen. Ausschreibungsplattformen verzeichnen eine Vielzahl neuer Projekte und reichlich Besucherandrang. Anbieter DOCUmedia hat österreichweit tausende Aufträge im Bereich Hochbau arrangiert und ermöglicht Unternehmen die gezielte Projektsuche nach Branche und Ort. Mit dem sogenannten Xplorer stellt das Unternehmen Österreichs führende Onlinedatenbank für Bauprojekte bereit. Das Tool erlaubt den Zugriff auf tagesaktuelle Projektinformationen wie geografische Lage, Bauvolumen, Bauart und Baustadium.

Klimawende – kein Aufschub mehr möglich

Damit der Hochbau auch in Zukunft attraktive Lösungen für Auftraggeber realisieren kann, arbeiten viele Unternehmen und Forscher an der Entwicklung nachhaltiger Baumaterialien, Konstruktionen und Designs. Der Entwicklungsdruck ist inzwischen hoch: Das Pariser Klimaabkommen sieht vor, den globalen Temperaturanstieg unter 2 beziehungsweise 1,5 Grad Celsius zu halten. Als geschichtlicher Meilenstein für die Klimaschutz- und Umweltpolitik gilt der 12. Dezember 2015, als 195 Staaten einen neuen Klimavertrag unterzeichneten – Österreich hat die Ratifizierung als einer der ersten beschlossen. Um das ambitionierte Ziel zu erreichen, will die Europäische Union bis 2050 klimaneutral werden. Das neue EU-Klimagesetz hat dies zur Verpflichtung erklärt.

© DOCUmedia/ Hans

Mustersanierungen beweisen das hohe Einsparpotenzial

Der Gebäudebereich von Österreich ist jedoch noch weit von der Klimaneutralität entfernt. Wie der Faktencheck Nachhaltiges Bauen des Klima- und Energiefonds bestätigt, liegt der energetische Energieverbrauch über dem Niveau von 1990. „Kaum ein anderes Land baut derzeit mehr Wohnungen pro Kopf als Österreich – über 60.000 Wohnungen (inkl. An-, Auf- und Umbauten) werden aktuell jährlich bewilligt“, heißt es im Faktencheck. Anhand der Erfahrungen mit geförderten Mustersanierungen von Gebäuden sowie Best-Practice-Beispielen in Österreich bestätigt der Klima- und Energiefond, dass Energieeffizienzmaßnahmen bei unterschiedlichsten Objekttypologien machbar sind. Durch mehrere Mustersanierungen konnte nachgewiesen werden, dass sich 90 Prozent der gelieferten Energie einsparen lässt. In der Faktensammlung findet im Zusammenhang mit ökologischen Baustoffen der sogenannte OI3-Index Erwähnung. Dieser Ökoindex hat dazu geführt, dass ökologische Gebäudekennwerte in die Bewertung von Bauvorhaben einbezogen werden. Sollen die entsprechenden Indikatoren für Gebäude, Bauteile und Co. bestimmt werden, um beispielsweise die Amortisation (ökologisch / ökonomisch) von Dämmmaßnahmen zu kalkulieren, bietet das Portal für ökologisches Bauen baubook die Möglichkeit dafür.

Holz kann mehr!

Während Flachs, Hanf, Strohwolle und Zelluloseflocken zu den ökologischen Naturdämmstoffen zählen, die regional zur Verfügung stehen, gilt Holz als vielversprechendes Baumaterial für tragende Konstruktionen. Weil Beton aufgrund der zunehmenden Knappheit von Sand – nach Wasser die wichtigste Ressource der Welt – in Zukunft rar und noch teurer werden könnte, stellt der nachwachsende Rohstoff Holz eine attraktive Alternative dar. Holz weist nicht nur eine ähnliche Druckfestigkeit auf, das Naturmaterial ist außerdem leichter zu verarbeiten, mindert Wärmebrücken und hat ein geringeres Eigengewicht. Dass mit Holz keinesfalls ein Mangel an Stabilität und Ästhetik einhergeht, beweisen das HoHo in Wien – das zweithöchste Holzhochhaus der Welt und der sogenannte LifeCycle Tower in Montafon, eines der größten Gebäude in Holzhybridbauweise weltweit. Beim Holzhybridgebäude verbauten die Macher etwa 3.000 Festmeter Holz und konnten die CO2-Bilanz so um bis zu 90 Prozent gegenüber konventionellen Baumethoden optimieren.

© DOCUmedia/hpgruesen /Pixabay

Beton aus dem 3D-Drucker

Während in Österreich bereits die ersten Forschungsprojekte für das Betonrecycling gestartet sind, um den enormen Ressourcenverbrauch zu senken, verfolgt ein heimisches Spin-off einen anderen Ansatz. Die Incremental3d GmbH mit Sitz in Innsbruck gehört zu den Innovationstreibern, die ihre Ideen zwischen Oktober 2021 und März 2022 auf der Weltausstellung in Dubai präsentieren dürfen. Das aus dem Hochschulsektor gegründete Unternehmen der Universität Innsbruck hat nach mehreren Jahren Forschungsarbeit eine Beton-3D-Drucktechnik entwickelt. Der Betondruck gelingt dank der innovativen Technologie schnell und wirtschaftlich. Nahezu jede Form, Farbe und Haptik ist denkbar. Was mit Betonübertöpfen begann und sich derzeit auf Objekte für die Gartengestaltung und den öffentlichen Raum beschränkt, könnte sich in Zukunft auf die Baubranche ausdehnen. Gemeinsam mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich wollen die Entwickler ihre neue Betondrucktechnik fit für den Hochbau machen, um durch Digitalisierung und Ressourcenoptimierung die nachhaltige Baubranche zu fördern. Nähere Informationen zu den aktuellen Produkten lassen sich der Internetpräsenz zum Projekt myPot entnehmen.

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