Vom Autohotel zum Parkhaus – Die Entwicklung der Verkehrsbauten

Durchschnittliche Parkhäuser prägen, insbesondere in Innenstädten, das Bild einer Stadt oft negativ. Die für die Zeit gewöhnlichen Beton-Bauten der 1960er bis 80er Jahre machen weder von außen noch im Gebäude viel her: In der Hochgarage selbst ist es dunkel, die Luft keine frische und die Gestaltung kahl. Das Parkhaus wirkt schlichtweg trostlos und verlassen und ist durch seine niedrigen Betondecken fast schon erdrückend.

Heute nimmt die Entwicklung eine andere Richtung an: Parkhäuser können mehr als nur den Zweck eines Abstellplatzes für das Auto erfüllen.

Die Anfänge des Automobilzeitalters
Die Anfänge des Autos und seiner Stellfläche sahen um einiges attraktiver, luxuriöser und exklusiver aus als es die Norm der nächsten Jahrzehnte war. Der Grund: die neue Möglichkeit der Mobilität war zunächst nur für den als privilegiert angesehenen Teil der Gesellschaft erschwinglich und damit zugänglich. So wurde die Unterbringung der Autos von Exklusivität in jeder Hinsicht gekrönt: erste Hochgaragen zeichneten sich durch eine, jedem Auto zugewiesene, „Box“ aus, die eine abschließbare Tür beinhaltete und meist dauerhaft gemietet wurde. Die Hochgaragen verfügten über einen Tank- und Waschservice, eine Werkstatt für Reparaturen und meist über eine Möglichkeit zur Übernachtung für Chauffeure.

Anders verhielt es sich mit den Parkhäusern, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Boom erfuhren: Fahrzeuge wurden für immer mehr Menschen erschwinglich und gehörten nach und nach zum durchschnittlichen Haushalt. Mit dieser Entwicklung verlor die Architektur der Hochgaragen an Exklusivität und Parkhäuser wurden regelrecht zur Zweck-erfüllenden Abfertigung. Dunkel, unschön, leb- und lieblos. Grund dafür war nicht zuletzt der Faktor, dass Kommunen oft selbst Bauherren der Parkhäuser wurden.

Wissenswert: Die berühmten Shopping-Malls der USA entstanden dadurch, dass man die Errichtung der Hochgaragen vor die Städte verlegte und rundherum Einkaufsmöglichkeiten erschuf. In Europa hingegen wurden die Stellflächen für Autos mitten in den Städten errichtet, von dort aus konnten Menschen direkt in die Geschäfte der Innenstadt gehen.

Parkhaus mit anderen Funktionen
Im Laufe der Jahrzehnte kam die Idee auf, Parkhäuser nicht nur funktionell im Zuge der Stellflächen für Autos zu gestalten, sie sollten darüber hinaus mit Unterhaltungs- und Freizeitangeboten wie z. B. Cafés, Restaurants oder Bowlingbahnen kombiniert werden. Teilweise geglückt, öfter noch missglückt – aufgrund der mühsamen Belebung der Kombination aus Freizeit- und Einkaufsnutzung und Parken. So auch in der Osterstraßengarage in Hannover von 1974.

Häufig bleibt es hierbei noch immer recht nah am Grundsatz: Stellflächen für Autos zu schaffen. Vielleicht sollte mancherorts der Komfort oder die Ästhetik ein potenzielles Hauptaugenmerk sein. Zumindest wurde aufgrund der immer größer und breiter werdenden Autos inzwischen eine Sonderbauverordnung festgelegt: Stellflächen in neu gebauten Parkhäusern sowie Tiefgaragen müssen mindestens 2,45 Meter breit sein. Parkplatzschilder verschaffen Parkhäusern zudem eine gewisse Grundstruktur und Übersichtlichkeit, der es bei der Suche nach einem Parkplatz bedarf.

Namhafte Architekten gestalten die Zukunft der Stadt
Alles Neue wird im Zuge der experimentellen Ader erschaffen: Mit Anfängen der Hochgaragen wurde mit der Technik, den Formen und dem Material bei der Planung und Errichtung eines Parkhauses experimentiert. Die 1920er gelten hier besonders als Versuchsjahre. Während die Kommunen der Länder bisher recht wenig zur ästhetischen und zur Stadt passenden Parkhaus-Gestaltung beitrugen, konnten bekannte Architekten seit Anfang der 2000er Jahre im wahrsten Sinne Großes bewirken und die Geschichte der Verkehrsbauten prägen. Die Entwicklung zeigt: Nach und nach werden die Ideen des 20. Jahrhunderts umgesetzt – erfolgreich.

Sanfte Garagen-Architektur in Leipzig
Im Sinne der Ästhetik und Vereinheitlichung errichteten die Architekten HPP Hentrich-Petschnigg & Partner das Parkhaus am Leipziger Zoo. Von 2004 bis 2011 gebaut, stellt der Stahlskelettbau durch seine geschwungene Fassade und ihre Umhüllung mit Bambusstäben die Mischung aus Natur – getreu dem nahegelegenen Zoo – und der Funktionalität eines Parkhauses dar. Es soll, simpel ausgedrückt, „einfach schön“ sein. Ganz anders als beim auffallenden Klang-Farben-Meer.

Sprechende Fassade in Aachen
Im Jahr 2007 fertiggestellt, ist die Parkhausfassade des Justizministeriums in Aachen ein von Poesie geprägtes Gebäude. Die weinrote Fassade zeichnet sich durch aufgesetzte Betonfertigteile aus, die mit Wörtern besetzt sind – kreiert durch den aus der Schweiz stammenden Künstler Rémy Zaugg. Wörter wie „Generell“, „Einseitig“ und „Unsicher“ zieren die Betonsteine in Großbuchstaben. Hier wird das Parkhaus zum Kunstprojekt. Das Ziel: Autofahrer und Passanten zum Nachdenken anregen, damit die Wahrnehmung des Gebäudes bewusst geschieht.

Bochumer Hingucker
Im Bermudadreieck Bochums, ist die Fassade des Parkhauses kaum zu übersehen. Im April 2012 wurde die vierstöckige Garage als Stahlbeton-Fertigteilsystem fertig saniert, in den 1960er Jahren erschaffen. 575 Pkws finden hier Platz, 45 Motorräder und Gaststätten. Ein Bekleidungsgeschäft und einen Skate-Park gibt es ebenfalls. Die Gebäudespitze am Konrad-Adenauer-Platz sollte neu angeordnet werden und die Fassade neu gestaltet, so wurde ein Rundbau mit einer gestaffelten Glasfassade errichtet, geplant vom Bochumer Architekturbüro Archwerk. Auffallen tut das Gebäude durch eine zweifarbige Folienabdeckung, die dem Auge entgegen schillert. Die Fassaden rundum wurden im Architekturstil der 1960er saniert und instandgesetzt. Hier wurde die Kombination aus reiner Stellflächennutzung für Pkws, Freizeitangeboten und Gastronomie zum Erfolg.

Ein Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und Klimaneutralität geht Hamburg jetzt mit einem öffentlichen Parkhaus – für insgesamt 600 Fahrräder.

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