"ARCHITECTS"-Heftpräsentation und Talk

Planungspraxis im Fokus

Rege Diskussion, viel Publikum: Michael Pech (ÖSW), Daniel Fügenschuh (Architektenkammer), Stefanie Wögrath (illiz Architektur) Photo: architektur.aktuell/Roland Rudolph

Am 25. Februar gab es für architektur.aktuell Grund zu feiern. Im Laufen Showroom am Salzgries in der Wiener Innenstadt wurde das neue Sonderheft „ARCHITECTS“ präsentiert, das die Berufspraxis in den Fokus nimmt und Statements von über 100 Büros und einiger Bauträger versammelt. Dazu moderierte Chefredakteur Matthias Boeckl ein spannendes Gespräch zwischen Michael Pech (ÖSW), Daniel Fügenschuh als Vertreter der Architektenkammer und Stefanie Wögrath vom Büro illiz architektur.


architektur.aktuell ist heuer format-technisch um bedeutende zwei Zentimeter in die Breite gewachsen. Das macht sich beim Umblättern sehr angenehm bemerkbar und rückt die doppel- und ganzseitigen Fotos noch besser ins Bild. Dieses Format kleidet auch das neue Sonderheft unseres Magazins sehr vorteilhaft ein: ARCHITECTS heißt das nachtblaue Produkt, in dem sich über hundert Architekturbüros präsentieren. Ein kurzes Mission-Statement, ein Porträt – inklusive Kontaktdaten, website und e-Mail-Adresse, sowie das Foto eines repräsentativen Projekts vermitteln einen kurzen, prägnanten, ersten Eindruck über einen Teil der Szene. Ein guter Startpunkt und eine Orientierungshilfe für alle, die sich für Architekturschaffende und ihr Werk interessieren. Zielgruppe sind alle Architekturschaffenden, insbesondere die Bauherren im Lande, die das Heft erhalten. Das ansprechende Layout entwickelte Art Director Martin Gaal. Im nachtblau unterlegten mittleren Teil des Heftes kommen einige große Bauträger zu Wort. Ein Essay zum Stand der Dinge in der Planungspraxis und ein lesenswertes Interview von Chefredakteur Matthias Boeckl mit Daniel Fügenschuh, dem Vizepräsideten der Bundeskammer der ZiviltechnikerInnen und Bundessektionsvorsitzenden der ArchitektInnen, rundet das Sonderheft ab.

Chefredakteur und Moderator Matthias Boeckl (architektur.aktuell), Stefanie Wögrath (illiz architektur), Michael Pech (ÖSW), Daniel Fügenschuh (Architektenkammer) (v.l.n.r) Photo: architektur.aktuell/Roland Rudolph

Chefredakteur und Moderator Matthias Boeckl (architektur.aktuell), Stefanie Wögrath (illiz architektur), Michael Pech (ÖSW), Daniel Fügenschuh (Architektenkammer) (v.l.n.r) Photo: architektur.aktuell/Roland Rudolph

Präsentiert wurde die Erstausgabe von „ARCHITECTS“, das jährlich erscheinen wird, bei Laufen am Salzgries in der Wiener Innenstadt. Obwohl Faschingsdienstag, Elmayer-Kränzchen und Champions League Achtelfinale zwischen Chelsea und Bayern München, kamen viele Architekturschaffende, Interessierte und Vermittler. Gastgeber und Managing Director Christian Schäfer von Laufen Austria begrüßte alle – und verwies auf das ökologisch-nachhaltige Interesse der Firma. Dies zeigt sich etwa, so Schäfer, in der Separations-Toilette save!, die von der Bill & Melinda Gates Foundation, Eawag und EOOS entwickelt wurde. Sie demonstriert exemplarisch die enge Verbindung von Design und Umweltbewusstsein.

Um Nachhaltigkeit ging es auch im Talk mit einem engagierten Bauherrn, einer Architektin und einem Vertreter der Architektenkammer, die jeweils stellvertretend für ihre Berufsgruppen eingeladen wurden. Daniel Fügenschuh versteht sich in erster Linie als Architekt, nahm aber bewusst und ehrenamtlich die Funktion als Vizepräsident der Bundeskammer der ZiviltechnikerInnen und Bundessektionsvorsitzender der ArchitektInnen an, um politisch etwas zu bewirken. So setzt er seine Schwerpunkte in der Qualitätssicherung der Architektur und begann damit, die Gestaltungsbeiräte näher zu durchleuchten. Ein weiteres heißes Eisen ist die Wettbewerbsordnung, die Fügenschuh am liebsten im Verfassungsrang sähe. „Derzeit werden Wettbewerbe jedes Mal neu ausverhandelt, das ist ein enormer Aufwand.“

architektur.aktuell Talk: Michael Pech (ÖSW), Daniel Fügenschuh (Architekt, Architektenkammer), Stefanie Wögrath (illiz architektur) (v. links nach rechts) Photo: architektur.aktuell/Roland Rudolph

architektur.aktuell Talk: Michael Pech (ÖSW), Daniel Fügenschuh (Architekt, Architektenkammer), Stefanie Wögrath (illiz architektur) (v. links nach rechts) Photo: architektur.aktuell/Roland Rudolph 

Michael Pech vom ÖSW, Chef des engagierten Bauträgers Österreichisches Siedlungswerk, das in fast so jedem neueren Wiener Stadterweiterungsgebiet baute und baut, wies darauf hin, dass Architektur auch eine Frage der Auftraggeberkultur sei. Seit der Einführung der Bauträgerwettbewerbe durch die Stadt Wien habe sich das Qualitätslevel im sozialen Wohnbau stark gehoben. Stefanie Wögrath vom Büro illiz (Wien-Zürich) ist viel in der Schweiz tätig, wo eine hohe Baukultur Standard ist: „Für jede Projektaufgabe gibt es unterschiedliche Verfahrensmöglichkeiten, die eine solide Basis bilden.“ Sie persönlich schätzt einen konzeptionellen Ansatz sehr, der über den gestalterisch-räumlichen Aspekt hinausreicht.

Small Talk nach dem Talk: Chefredakteur Matthias Boeckl (architektur.aktuell) und Daniel Fügenschuh (Architekt, Architektenkammer) Photo: architektur.aktuell/Roland Rudolph

Small Talk nach dem Talk: Chefredakteur Matthias Boeckl (architektur.aktuell) und Daniel Fügenschuh (Architekt, Architektenkammer) Photo: architektur.aktuell/Roland Rudolph

Beim Thema BIM (Building Information Modelling) schieden sich die Geister. illiz betrachtet es als ein Werkzeug unter vielen, das für einige Bauaufgaben sehr wohl Sinn macht, für andere nicht. "Grundsätzlich betrachten wir die Digitalisierung positiv, allerdings muss man sich immer fragen, wo BIM Sinn macht und den Arbeitsprozess beurteilen. Beim geförderten Wohnbau weiß ich nicht, ob es sich rentiert. Wir lassen die Digitalisierung teilweise weg", so Stefanie Wögrath. In ihrem Büro ziehen auch wieder analoge Techniken wie der Bau höchst präziser Arbeitsmodelle in einem detaillierten Maßstab wie 1:20 ein. Daniel Fügenschuh sieht das ähnlich: „Ich frage mich immer, warum BIM so ein großes Thema ist. Für mich war die Einführung von AutoCAD der letzte große Schritt in puncto Digitalisierung. BIM hat den Nachteil, dass ein Fensterrahmen bereits mit 5000 Attributen belegt ist. Wesentlich bleibt, herauszufinden, welches Werkzeug Sinn macht.“

Grundsätzlich betrachten wir die Digitalisierung positiv, allerdings muss man sich immer fragen, wo BIM Sinn macht

Stephanie Wögrath, illiz architektur

Stefanie Wögrath (illiz architektur) Photo: architektur.aktuell/Roland Rudolph

Stefanie Wögrath (illiz architektur)  Photo: architektur.aktuell/Roland Rudolph

Michael Pech hingegen betrachtet BIM-Planung als must-have für Architekten: „Büros mit einer Größenordnung von etwa zehn Mitarbeitenden müssen das einfach haben. Sonst spielt sich die Zukunft ohne Architekten ab.“ Eine Aussage, die Wögrath und Fügenschuh so nicht stehen lassen wollten: „BIM wird auch als Vehikel verwendet, wir haben in Österreich eine ganz andere Planungslandschaft als im skandinavischen Raum, wo große Büros die Szene dominieren.“ Was alle bedauern, ist die grassierende Regulierungswut. Dass die Architekturschaffenden ihren jeweiligen Bauaufgaben trotzdem noch Qualität abtrotzen können, zeigt architektur.aktuell immer wieder. Daher ging der Abend nach der Diskussion auch durchaus lebhaft und gut gelaunt weiter.    

Büros mit einer Größenordnung von etwa zehn Mitarbeitenden müssen das einfach haben. Sonst spielt sich die Zukunft ohne Architekten ab.

Michael Pech (ÖSW)

Michael Pech (ÖSW) Photo: architektur.aktuell/Roland Rudolph

Michael Pech (ÖSW) Photo: architektur.aktuell/Roland Rudolph

Full House: Architekturschaffende, - interessierte und - vermittelnde beim Small talk nach dem Talk Photo: architektur.aktuell/Roland Rudolph

Full House: Architekturschaffende, - interessierte und - vermittelnde beim Small talk nach dem Talk  Photo: architektur.aktuell/Roland Rudolph

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