Gebäude

Das Bild, das die Werbung von der Landwirtschaft zeichnet, liegt fernab jeglicher Realität. Selten waren Bauern so glücklich, wie in der Reklame der mächtigen Handelsketten. Der bäuerliche Arbeitsalltag war und ist freilich ein anderer und das gilt nicht nur in der Agroindustrie, sondern längst auch für die bäuerlichen Klein- und Mittelbetriebe im Alpenraum. Das Bild, das die Werbung von der Landwirtschaft zeichnet, liegt fernab jeglicher Realität. Selten waren Bauern so glücklich, wie in der Reklame der mächtigen Handelsketten. Der bäuerliche Arbeitsalltag war und ist freilich ein anderer und das gilt nicht nur in der Agroindustrie, sondern längst auch für die bäuerlichen Klein- und Mittelbetriebe im Alpenraum.

Unter einem Dach

Wenn wir die Wirklichkeit in der Landwirtschaft ins Auge fassen, dann sind neben dem stetigen Konzentrationsprozess bei den bäuerlichen Betrieben und der Zerstörung der Kulturlandschaft durch ausufernde Gewerbeareale auch einzelne positive Tendenzen erkennbar, die diesen Umbruch begleiten. Ein solches Beispiel ist der Neubau des Agrarzentums in Maishofen, der als Dienstleistungsbetrieb diverse Funktionen des agrarischen Sektors unter einem Dach vereint. Das ist in der bäuerlichen Denkart, in der jeder Hof ein geschlossenes Ganzes darstellt, gar nicht so selbstverständlich. Der Neubau beherbergt die Bezirksbauernkammer, den Maschinenring für den Pinzgau und als dritte Institution wird in der bereits geplanten zweiten Bauetappe der Rinderzuchtverband hinzustoßen. Mit dem Neubau gelang darüber hinaus eine Neuordnung der bestehenden Zuchtvieh-Versteigerungsanlage, einem der wichtigsten Handelsplätze für Zuchttiere im Alpenraum.

Gebäude

Kernstück des Bestands ist eine 1951 errichtete gedeckte Arena, in der die Bieter wie in einem Theater auf Rängen sitzen, während die zu ersteigernden Tiere im Parterre aufgetrieben werden. Der dazugehörige Verwaltungsbau, welcher über einen langen eingeschoßigen Baukörper mit dieser Halle verbunden ist, knüpft in seiner Gestalt an die typischen großbäuerlichen Ansitze des Pinzgaues an.

Haus & Hof

Die Idee, mit einer überlieferten Form eine neue Funktion zu etablieren, greift auch der Neubau des Agrarzentrums der sps÷architekten von Simon Speigner auf. Der First des mit einem flachen Satteldach gedeckten Neubaus steht orthogonal zur Versteigerungshalle. Dieser bildet zusammen mit den Bestandsbauten einen Hof, der nun die Mitte des Ensembles bildet. So entstand durch das neue Haus eine Art offener Marktplatz, der neben dem gedeckten Markt der Versteigerungshalle, ein Treffpunkt und ein Ort für neue Angebote agrarischer Produkte werden könnte. Die enorme Anzahl an Händlern, Käufern und Verkäufern oder einfach nur Interessierten, die an den Versteigerungstagen das Gelände bevölkern, bietet hierfür jedenfalls eine ideale Voraussetzung. Der solitäre Baukörper wird durch eine Fassade aus Holzpfeilern gegliedert. Diese über beide Geschosse reichenden Elemente sind konstruktiv nicht erforderlich. 

Gebäude

Die relativ zarten Stützen umhüllen den eigentlichen Baukörper wie ein Schleier und schaffen eine vermittelnde Zone zwischen der Außenwand des Baues und dem Umraum. Durch das Licht- und Schattenspiel wird nicht nur eine Tiefenwirkung erreicht, sondern auch die körperhafte Einheit des Bauwerks unterstrichen.

Erschlossen wird das Agrarzentrum über ein zentrales zweigeschossiges Foyer, in dessen Mitte eine hölzerne Haupttreppe mit offen eingebauten Trittstufen aus blaugrauem Diabas liegt. Gemeinsam genutzte Besprechungsräume erreicht man direkt über die lichtdurchflutete Halle im Erdgeschoss. Diese Raumkonfiguration erlaubt eine einfache Zonierung der unterschiedlichen Funktionsbereiche, wobei im Erdgeschoss der Maschinenring und im Obergeschoss die Bezirksbauernkammer untergebracht sind.

Im noch zu errichtenden Erweiterungsbau wird der Rinderzuchtverband beide Geschosse beanspruchen. Die Anordnung eines Nebeneingangs an der Schnittstelle zum Außenbereich vor der Auktionshalle führt zu zusätzlichen Synergien, weil Bauern im Rahmen der Viehauktionen rasch bei ihrer Standesvertretung oder beim Maschinenring etwas erledigen können.

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