Gebäude

Ulrike Tinnacher hat im Steinbachkeller nicht nur das Gesicht des familieneigenen Weinguts in der Südsteiermark behutsam verjüngt, sondern auch das Zusammenspiel seiner Funktionen optimiert.

Umbau im Ensemble

Seit den 1980-er Jahren ist der österreichische Wein im steten Aufstieg und mit ihm das ehemals verarmte steirische Grenzgebiet zum heutigen Slowenien, was die Betriebe des sanfthügeligen Anbaugebiets wachsen ließ. Nicht überall gingen architektonische Modernisierung und Erweiterung dabei so sensibel mit Bestand und örtlichen Verhältnissen um wie im Fall des traditionsreichen Weinguts Lackner-Tinnacher. Als regionaltypischer Haufen- oder Gruppenhof gliedert es sich in die Umgebung ein. Seine Gebäude nutzen die Hanglage, um sich vor Wind und Wetter zu ducken und stabil klimatisierte Kellerräume zu gewinnen. Seit einigen Jahren werden sie schrittweise adaptiert.
Der jüngste Umbau, geplant von Ulrike Tinnacher, der Schwester der Winzerin, betrifft das älteste Gebäude des Ensembles, ein allseits gemauertes, typischerweise lang gestrecktes Bauernhaus. Außen bleibt von dessen Revitalisierung wenig zu sehen. 

Gebäude

Die auffälligsten Elemente aus jüngerer Zeit, ein an das Gebäude geschobener, nüchterner Logistikriegel und eine mutige Gaupe im Satteldach gehen auf frühere Erweiterungen zurück. Die übrigen Verglasungen folgen den vorgegebenen Achsen, fügen sich in das Gebäude ein, als wären sie immer schon da gewesen. An seinen Langseiten vermitteln Holzterrassen zu den Eingängen.

Konzentration und Diskretion

Die Hanglage teilt das Haus in zwei separat erschlossene Ebenen. Die obere diente ehemals als Wohnraum und wurde in veredelter Optik aus Stein und Holz für Bürozwecke und einen privateren, gesetzten Verkostungsbereich umfunktioniert. Die architektonischen Eingriffe konzentrierten sich auf den gegen Westen geöffneten Keller, der schon lange keine Fässer mehr beherbergt, sondern als Schau-, Verkostungs- und Verkaufsraum bzw. als Archiv und Aushängeschild des Betriebs fungiert und nun den heutigen Arbeitsabläufen und Anforderungen entsprechend neu aufgestellt wurde. Sichtbare Stahlträger ersetzen Wände und öffnen den Raum zu einer Abfolge unterschiedlich bespielter Teile unter recht niedriger, tonnengewölbter Decke. Sie verklammern ein im Norden abgetrenntes Büro samt abgehängter Stahltreppe zum Erdgeschoß, welche bei geöffneter Tür zum grafischen, die Flucht abschließenden Symbol wird, mit dem Kelleranbau am anderen Ende der Achse.

Gebäude

Dazwischen blendet ein L-förmiger Empfangsbereich alles aus, was die Konzentration auf das klar im Mittelpunkt stehende Produkt im Glas stören könnte. Eine graue Wandvertäfelung mit gut versteckten Türelementen schirmt Toiletten, Technikbereich und Stauflächen ab. Die Klimaanlage versteckt sich hinter einer Modulwand, in deren variabel einhängbaren Laden ein altes Regal aufgegangen ist. Die Führungen der Lamellenelemente, die am Nachmittag vor die Sonne geschoben werden können, sind als feine Messingschienen im Boden eingelassen. Themenwägen bergen Literatur, Edelbrände, Wasser und Kassa in Ulmenholz und Messing, möblieren flexibel und mit Bedacht auf Diskretion. (...)

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