Architekt aus Leidenschaft

Graphic Novel über Karl Schwanzer

„Mit der Lösung eines Problems ist man verkettet bis zur Selbstaufgabe. Man vergisst alles um sich herum, vergisst zu essen, zu schlafen, zu lieben“, schrieb Karl Schwanzer in seinem Buch „Architektur aus Leidenschaft.“


Er war einer der herausragendsten Architekten seiner Generation: 1918 geboren, entwarf er schon als 16jähriger ein Schrebergartenhäuschen für seine Eltern, das der Onkel – ein Zimmermann – nach den Plänen des Jugendlichen baute. Später studierte er an der TU Wien Architektur, 1948 gründete er sein eigenes Atelier, außerdem war Schwanzer Assistent bei Oswald Haerdtl an der Akademie für Angewandte Kunst, gründete 1958 das Institut für Formgebung, war Professor für Gebäudelehre und Entwerfen an der TU Wien, später auch Dekan und Gastprofessor an der Universität Riad, Saudi-Arabien, für die er auch einen Masterplan erstellte, der ab 1975 realisiert wurde.

Qualität geht vor Verdienst.

Karl Schwanzer

Karl Schwanzer war eine singuläre Ausnahmeerscheinung im österreichischen Architekturbetrieb der Nachkriegszeit. Er strebte immer nach neuen Ansätzen, innovativen Materialien, hoher Funktionalität, modernen Konstruktionsweisen und räumlicher Qualität in größtmöglicher Perfektion. Kurz: einer Architektur auf der Höhe ihrer Zeit. Schwanzer glaubte an die Technologie, den Fortschritt und die Zukunft. Getreu seinem Leitspruch „Qualität geht vor Verdienst“ stellte er an sich und die Leute im Team seines Ateliers die höchsten Ansprüche. Von Beginn an widmete er sich jeder noch so kleinen Bauaufgabe mit Hingabe und dachte sie bis ins letzte Detail genau durch. Aus seinem Büro kamen wegweisende Bauten, einige wurden zu Marksteinen der internationalen Architekturgeschichte.

Seite 29_Graphic Novel "SCHWANZER Architekt aus Leidenschaft" Copyright: Birkhäuser

Seite 29_Graphic Novel "SCHWANZER Architekt aus Leidenschaft"   Copyright: Birkhäuser

Seite 28_Graphic Novel "SCHWANZER Architekt aus Leidenschaft" Copyright: Birkhäuser

So entwarf Schwanzer den österreichischen Pavillon für die Weltausstellung in Brüssel 1958. Der leichte, demontable Stahlskelettbau mit dem scheinbar schwebenden Obergeschoss wurde mit dem „Grand Prix“ ausgezeichnet und später als sogenanntes 20-er Haus im Schweizer Garten für die neue Nutzung adaptiert wiederaufgebaut. 1962 wurde er als Museum für zeitgenössische Kunst eröffnet. Viele bahnbrechende Ausstellungen und Kunstereignisse fanden dort statt. Von Adolf Krischanitz nach heutigen Norm- und Museumserfordernissen saniert, umgebaut und um einen Büroturm erweitert, ist das Museum unter dem neuen Namen Belvedere21 immer noch ein Fixstern in Wiens Kulturlandschaft.

 

Das Hinabtauchen in die eigene Tiefe, der Wahrheit auf den Grund gehen, kann man nur selbst.

Karl Schwanzer



Ein Jahr davor - 1961 - hatte Karl Schwanzer die Erweiterung der Kapuzinergruft geplant, die bis heute kongenial die ehrwürdige Grabstätte der Habsburger zeitgenössisch ergänzt. Zur selben Zeit wurde das Bürohaus für die Firma Philipps auf der Hügelkuppe des Wienerbergs errichtet. Hochelegant sind die Büroetagen mit ihren horizontalen Fensterbändern zwischen vier Stützen eingespannt: Das sogenannte „Philippshaus“ mit seinen beiderseits 16 Meter weit auskragenden Bürogeschossen ist längst ein städtebauliches Symbol. Mit dem Bau des BMW-Headquarders mit dem schüsselartigen Museum, dessen kleeblattartig angeordnete, vier runde Büro-Zylinder an einen Vier-Zylinder-Motor erinnert, glückte Schwanzer ein ikonisches Bauwerk.

 

Seite 60_Graphic Novel "SCHWANZER Architekt aus Leidenschaft" Copyright: Birkhäuser

Die 18 Büroebenen sind von einer kreuzförmigen Hängekonstruktion abgehängt und konstruktiv eine Meisterleistung, die einen rascheren Bau ermöglichte. Um die Bauherrenschaft von seinem Entwurf zu überzeugen, ließ Schwanzer ein Bürogeschoss in den Bavaria-Filmstudios im Maßstab 1:1 nachbauen. 

Für das Königreich Riad plante Karl Schwanzer ein großes, hochmodernes Universitätszentrum, bei dessen Entwicklung er auch erstmals den Computer einsetzte. Bei jeder Innovation war der Architekt vorne dabei, von ihm ist aber folgender Satz überliefert: "Das Hinabtauchen in die eigene Tiefe, der Wahrheit auf den Grund gehen, kann man nur selbst." Am 20. August 1975 setzte Karl Schwanzer seinem Leben ein Ende.

Sein Sohn, Martin Schwanzer und Mirko Potoreutz hatten die Idee, dieses Leben in eine Graphic Novel zu packen. Schwanzer agierte als Herausgeber, Max Gruber schrieb den Text, vor kurzem hat Benjamin Swiczinsky, ein Wiener Trickfilmer und Zeichner, den Stift zur Seite gelegt und die fulminante Graphic Novel „SCHWANZER Architekt aus Leidenschaft“ zum Druck frei gegeben.

Seit 3. Dezember ist das Buch aus dem renommierten Birkhäuser-Verlag nun im Handel. Mit reduzierten Zeichnungen, einer ganz eigenen Farbigkeit, die manchmal ins Expressive reicht, ausdrucksstarker Gestik und Mimik fängt diese Graphic Novel die Atmosphäre von Wien in der Nachkriegszeit und die Aufbruchsstimmung der 1970er Jahre ebenso ein wie die sehr eigenwillige Persönlichkeit von Karl Schwanzer. Voll Respekt, Faktenwissen, mit einer Prise Humor und einem souveränen zeichnerischen Strich schildert dieses Comic gelassen und einmalig den Lebensweg seines stilvollen, arbeitsamen, kreativen Helden im schwarzen Anzug, eines „Architekten aus Leidenschaft.“ Noch nie war es derartig vergnüglich, sich ein Stück Architekturwissen anzueignen. Karl Schwanzer wäre garantiert auch begeistert gewesen.

Am Freitag, den 14. Dezember gibt es um 18:30 im Wien Museum bei der GRAPHIC VIENNA die Möglichkeit, einem Vortrag von Benjamin Swiczinsky und Mirko Pogoreutz über ihre Arbeit zu lauschen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, einen Blick ins Buch zu werfen und dieses auch signieren zu lassen.

https://www.wienmuseum.at/de/veranstaltungen.html

 

 

 

WIFI St. Pölten - mit Internatsturm auf Seite 61 der Graphic Novel "SCHWANZER Architekt aus Leidenscahft" Copyright: Birkhäuser

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