Damals, vor genau 6 Jahren, sah die Welt noch anders aus. 

Unsere Mai-Ausgabe aus dem Jahr 2013 war dem Thema Die Alpen“ gewidmet und zeigte – neben anderen großartigen Projekten – die Schutzhütte Laterns“ der Marte.Marte Architekten. Der Klimawandel war bereits damals präsent, dennoch nicht so fortgeschritten und in aller Munde wie heute. 

Ein guter Zeitpunkt, das Projekt in Erinnerung zu rufen – um, wenn auch nur ein kleines, Zeichen zu setzen. Denn: Die Alpen ohne Schnee und Gletscher? Undenkbar.


 

„Schutzhütte“ nennen Marte.Marte Architekten zwar das kleine Haus, das sie im Vorarlberger Laternsertal an den Rand eines bewaldeten Tobels direkt
in einen Schihang gestellt haben. Das in Wirklichkeit aber ein kleines feines Ferienhaus ist.

Ort zum Chillen

Hier findet nicht der einsame Wanderer Schutz vor Kälte oder Dunkelheit, sondern eine Familie den idealen Ort, um hoch über dem Tal den Alltag hinter sich zu lassen. Die laut Stefan Marte „sensationelle, wenn auch nicht einfache“ Bauherrschaft hatte an die Architekten nur zwei Wünsche: Sie wollten ein aus Naturstein gebautes Haus und eine Sonnenterrasse. Geworden ist es nach viel Überzeugungsarbeit ein Haus aus Beton mit einem Fast-Leergeschoß in der Mitte, das jedoch durchaus als unkonventionelle Terrasse durchgehen könnte. Und von Ferne schaut die abstrakte skulpturale Form, die als einzige gebaute Nachbarschaft ein behäbiges altes Holzhaus hat, auch wie aus Stein gebaut aus. Indem drei bis vier Zentimeter der Außenwände von Steinmetzen mittels Schremmhämmern so bearbeitet wurden, dass die Anmutung von Stein entsteht. Möglich gemacht durch die groben kantigen Steine in der hier gängigen Farbigkeit, die dem Beton zugeschlagen wurden. Eine reizvolle Ambivalenz geht von diesem ungewöhnlichen Haus aus, das mit seiner rauen Hülle turmartig abweisend und letztlich reizvoll fremd in der Landschaft steht. Und doch fast zu fliegen scheint, indem die hermetische In-sich- Geschlossenheit der Baumasse relativiert wird durch die Leerform, die durch das Erdgeschoß gesteckt ist. Eine Idee, die in dieser Konsequenz nur in dem durch seine freie Formbarkeit unschlagbaren Beton realisierbar war, sagt Stefan Marte. Was ihm als überzeugtem „Denker in Beton“ ungeheuer viel Spaß gemacht habe.

Eine reizvolle Ambivalenz geht von diesem ungewöhnlichen Haus aus, das mit seiner rauen Hülle turmartig abweisend und letztlich reizvoll fremd in der Landschaft steht.

Edith Schlocker 

Innen und Außen

Zu diesem als geschützte Terrasse genutzten Negativraum gelangt man vom leicht abfallenden Hang aus über eine simple betonierte Treppe. In einen rund um einen kleinen bzw. größeren tragenden massiven Eckkörper mit jeweils quadratischen Grundrissen angelegten Zwischenbereich, der mehr zum Innen als zum Außen gehört. Was schon die Behandlung des Betons signalisiert, der hier schalglatt ist, fast weich anmutet. Zum umgebenden freien Gelände abgegrenzt durch zarte metallene Rundstäbe, die in den Rand der Terrasse gesteckt sind. Formal schlichter geht es fast nicht, dass so etwas aber überhaupt geht, ist das Verdienst „wunderbarer Handwerker“, wie Stefan Marte sagt. Eine massive, nach außen angeschlagene Eichentüre, deren Rahmen komplett hinter dem schweren Türblatt verschwindet, signalisiert den einzigen Eingang ins Haus. Dessen 87 Quadratmeter Nutzfläche sind auf vier Geschoße verteilt, verbunden durch in die Wand eingesetzte Holztritte aus massiver Eiche, von denen kaum einer gleich wie ein anderer ist.

Sie wendeln sich in einem quadratischen Schacht rund um eine Metallspindel nach oben und unten. Wie überhaupt so ziemlich jedes Detail in Marte.Martes „Schutzhaus“ irgendwie mit dem Quadrat zu tun. Der Grundriss beträgt fünf mal fünf Meter, hoch ist das Haus zehn Meter und auch die verschieden großen, ganz innen in die doppelwandige Betonhülle eingesetzten Fenster sind quadratisch. Sie können sehr groß oder auch winzig klein sein, gesetzt als ganz bewusste formale Interventionen und umgeben von extrem breiten Rahmen aus Eiche, die wunderbar die Blicke nach außen lenken.


Den gesamten Artikel und vieles mehr zum Thema Die Alpen“ finden Sie in unserer Mai-Ausgabe 2013 – bestellen Sie sie einfach und bequem direkt bei uns:

abo@architektur-aktuell.at

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