Internationales Festival für urbane Erkundungen

"urbanize!" feiert zehnten Geburtstag

"urbanize!" Festivalplakat Photo: eSeL.at/s-e-r-at

"Alle Tage Wohnungsfrage" ist das Thema, dem sich "urbanize!" heuer zu seinem zehnjährigen Jubiläum verschrieben hat. Vom 9. bis 13. Oktober 2019 schlägt es seine Zelte vor allem in Wien-Favoriten auf. Mit über 40 Veranstaltungen ist es wie gewohnt nomadisch durch diverse Veranstaltungsformate und Orte unterwegs.

"Grundrisse des Sorgetragens": Stummfilm-Vertonung "Einküchenhaus" von Rina Kacinari/Elise Mory Photo: Filmstill, Filmarchiv Austria

"Grundrisse des Sorgetragens": Stummfilm-Vertonung "Einküchenhaus" von Rina Kacinari/Elise Mory   Photo: Filmstill, Filmarchiv Austria

Begonnen hatte alles vor genau zehn Jahren, als „dérive“, die Zeitschrift für Stadtforschung ihr zehnjähriges Bestehen beging. dérive – der Verein für Stadtforschung, beschloss dieses denkwürdige Jubiläum mit einem Festival zu feiern. Die Geburtsstunde von „urbanize!“, dem internationalen Festival für urbane Erkundungen. Zur Premiere programmierte man es mit je einer Veranstaltung pro Tag über zehn Tage an zehn Orten. Heuer feiert nun das Festival „urbanize!“ selbst seine zehnjährige Existenz: Das Programm wurde an fünf Tage gebündelt, von 9. bis 13. Oktober sind insgesamt über 40 unterschiedliche Veranstaltungen zu erleben. „Wir wollten dieselbe Vielfalt bieten, wie sie die Zeitschrift dérive inhaltlich auszeichnet“, so  Elke Rauth, die das Festival leitet. „Daher gibt es auch sehr verschiedene Formate. Wir veranstalten Diskussionen, zeigen Filme, laden zu Stadtführungen, Spaziergängen und Performances.“ Was Rauth sehr freut, ist die Tatsache, dass „urbanize“ bisher selbst bei philosophischen Diskursformaten auf reges Publikumsinteresse gestoßen ist. „Wir haben offensichtlich eine Fehlstelle im Veranstaltungsreigen entdeckt. Es gibt wirklich viele Leute, die Lust an der Auseinandersetzung mit der Stadt haben.“

„urbanize!“ verfolgt das Ziel, einen gesellschaftspolitischen Blick aus verschiedenen Perspektiven auf die Stadt zu werfen. „Alle Tage Wohnungsfrage“ lautet das Thema zum zehnjährigen Jubiläum. „urbanize!“ startet morgen, am Mittwoch, den 9. Oktober um 19 Uhr im Belvedere 21 in der Arsenalstraße 1 mit einer Lecture-Performance von Lars Moritz. Der experimentelle Stadtforscher mit Schwerpunkt Alltag versucht, zum Auftakt Grundsätzliches zum Thema „Wohnen“ zu klären. Moritz erforscht wohnspezifische Routinen wie das Abfallmanagement im Einfamilienhaus, die Transformation der Schrankwand in das Sideboard, Phänomene wie überlaufende Kaffeetassen und die nicht unwesentliche Frage, ob auch Tiere wohnen. Danach sorgt benzina.spirit aka Lene Benz für den richtigen Party-Sound. Schwerpunktbezirk von „urbanize!“ ist heuer Favoriten. Im klassischen Arbeiterbezirk gibt es sympomatischerweise kaum große Veranstaltungshallen, dafür umso mehr Wohnungen und Markstände: Daher findet die Eröffnung im Belvedere 21 statt und nutzt die Künstlerin Hanna Burkart diesen Umstand für sich: Sie lebt seit dreieinhalb Jahren ohne fixen Wohnsitz, sondern künstlerisch-nomadisch an den Orten, mit denen sie sich beschäftigt. Während der Laufzeit des Festivals „urbanize!“ wird sie tagsüber als Gästin den Stand 129 am Viktor-Adler-Markt bewohnen und bereitwillig mit Interessierten ihre Wohnerfahrungen teilen. Nachts wird sie ihr Lager an unterschiedlichen Veranstaltungsorten aufschlagen. In Favoriten – in der Ankerbrotfabrik – schlägt auch das „Repair-Café Wien“ am Donnerstag, den 10. Oktober von 16:00 bis 18:30 seine Pforten auf. Dort kann man defekte Gegenstände, die einem am Herzen liegen, unter Anleitung reparieren.

RepairCafe Copyright: Leo Fellinger Kunstbox

RepairCafe Copyright: Leo Fellinger Kunstbox

„Wir sprechen mehrere Personengruppen an: in erster Linie einmal Stadtforschungsdisziplinen wie Landschaftsarchitekten, Stadtsoziologen, Stadtforscher, Kunst- und Kulturarbeiter, Architekturschaffende, aber natürlich auch zivilgesellschaftliche Akteure, Stadtaktivisten und Nachbarschaftsgrätzel. Seit drei Jahren schaffen wir es auch immer mehr, die Stadtverwaltung einzubinden.

Das Festival ist auch ein wichtiger Raum, um sich auszutauschen und zu vernetzen“, so Elke Rauth. „Alle Tage Wohnungsfrage“ findet sich auf vielfältige Weise im Programm wieder: So werden in der Programmschiene „Stadtpraxis“ Führungen zum Marksteinbauten des „Roten Wien“ veranstaltet. Am Mittwoch, den 9. Oktober führt Autor, Publizist und Kulturgeschichtsforscher Ernst Strouhal durch den Goethehof in Kaisermühlen, am Freitag, den 11. Oktober lädt Michael Zinganel zur kritischen Wiederbegehung der „Ringstraße des Proletariats“, wo sich im Bereich des Margaretengürtels Superblöcke wie die Perlen einer Kette aneinanderreihen. Treffpunkt ist vor dem legendären ehemaligen Café Industrie, das leider vor zwei Jahren auf immer seine Pforten schloss.

Goethehof Photo: Privatarchiv urbanize!

Goethehof Photo: Privatarchiv urbanize!

Unweit davon liegt auch das neunerhaus Café und Gesundheitszentrum, wo es gesundes, biologisches Essen und medizinische Versorgung bei Bedarf gibt. Am Donnerstag, den 10. Oktober gibt es von 14:00 bis 16:00 die Möglichkeit zu Führung und Gespräch mit Barbara Berner und Daniela Unterholzner. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auch auf Baugruppen: So findet am Samstag, den 12. Oktober im Veranstaltungsraum im Erdgeschoss des Wohnprojekt Gleis 21 von zehn bis 15 Uhr das Baugemeinschaftsforum statt. Danach können diskursfreudige einen Steinwurf weiter am Watzlawikweg 3 der Diskussion „Ware Wohnen: Was hat uns bloss so ruiniert?“ folgen.

neunerhaus Café und Gesundheitszentrum Photo: Christoph Liebentritt

neunerhaus Café und Gesundheitszentrum   Photo: Christoph Liebentritt

 Am Sonntag zeigt das Filmcasino in der Margaretenstraße 78 lauter Kurzfilme zum Wohnen in Wien: „Wiener Wohngeschichten von oben und unten“ reicht von Stummfilm-Raritäten über die Siedlerbewegung und Bauten des Roten Wien über Nachkriegspropaganda-Filma bis hin zu privaten Filmen. Abschließend wird das Projekt Bikes and Rails vorgestellt. Am Freitag, den 11. Oktober führt übrigens unser Autor, Stadtforscher, sowie Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Initiative für gemeinschaftliches Bauen und Wohnen durch das Sonnwendviertel-Ost und nimmt dabei auch das Baugruppenprojekt Gleis 21 und den Rohbau von Bikes and Rails mit.  Am selben Tag öffnet von 15:00 bis 16:30 auch das VinziDorf Wien von gaupenraub +/- seine Pforten. Es soll übrigens auch Leute geben, die sich extra für „urbanize“ frei nehmen. Man kann es verstehen. Das gesamte Programm findet sich auf

www.urbanize.at

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