Wiener Plätze in der Klimakrise

Warum wird Grün nie grün?

Kapellenhof, Wien © Johannes Hloch Fotograf

Als im Jahr 2016 der Kapellenhof in Wien-Stadlau beworben wurde, da war noch von einem „Stadtwald“ in der Mitte der Wohnhausanlage die Rede, von einer „Grünen Oase“, von einem „Urban Grove“ als verbindendes, soziales Element. Doch wie so oft mussten die drei Bauträger Neues Leben, Migra und Wogem Einsparungen vornehmen. Und während das architektonische Konzept von feld72 und AllesWirdGut weitestgehend unverändert mit nur wenigen wirtschaftlichen Adaptierungen realisiert werden konnte, wurde im Grünen immer wieder der rote Stift gezückt. Die Wiener Landschaftsarchitektin Carla Lo musste ihr Freiraumkonzept etliche Male quantitativ und qualitativ reduzieren.


2019 wurden die insgesamt 450 Wohnungen im Kapellenhof übergeben, und heute, vier Jahre später, ist der öffentlich begehbare Innenhof zwar ein irgendwie sehr hübscher Ort, da kann man nicht meckern, doch von einem Wald wird man die nächsten 30, 40 Jahre noch nicht sprechen können. „Damals mussten wir jeden Euro umdrehen“, sagt Siegfried Igler, Obmann des gemeinnütziges Bauträgers Neues Leben, im Rahmen eines von der Wohnen Plus Akademie veranstalteten Praxis-Checks im September 2023. „Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass es mir leidtut, dass wir hier nicht eine halbe Million mehr in die Hand genommen haben, um ein Stadtwäldchen zu realisieren, das seinen Namen auch wirklich verdient.“

Der Kapellenhof ist symptomatisch für den Umgang mit Grün in dieser Stadt. Alle wollen es, je grüner, je buschiger, je dichter bebäumt, desto besser, und auf Renderings hat man bisweilen das Gefühl, im Amazonas oder in einem mediterranen Garten Eden zu stehen. Doch sobald es an die Realisierung geht, wird man von den Kosten, der Pflege, der Haftung und den technischen Gegebenheiten im Untergrund jäh eingebremst. Vor allem Letzteres ist als Knockout-Argument häufig zu hören und wird – vor allem von BezirkspolitikerInnen und der Wiener Planungsstadträtin Ulli Sima – wie eine Monstranz vor sich hergetragen.

Die Folge: Die urbanen Begrünungsmaßnahmen sind oft lächerlich...

Sie möchten weiterlesen? Dieser Beitrag ist Teil unserer Ausgabe 11/2023. Der Volltext ist ab Seite 18 zu finden.


 

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