Gebäude

An das Pariser Mittelaltermuseum Musée de Cluny wurde ein neues Eingangsgebäude gefügt, das dem heterogenen Ensemble aus vielen historischen Bauetappen ein neues Antlitz verleiht. Über den Ruinen der einstigen römischen Thermenanlage errichtet, setzt der Neubau ein deutlich sichtbares Zeichen.


Subtile Einfügung

Das Volumen des Neubaus nimmt die Orientierung des Nachbargebäudes auf, das im 19. Jahrhundert an den mittelalterlichen Hauptbau gefügt wurde. Dadurch bleibt das hervorspringende Eck des berühmten uralten Kernbestands weiterhin sichtbar und ist für die Besucher bestens zu erkennen. Dieses Nichtverdecken des mittelalterlichen Gebäudes war laut Architekt Bernhard Desmoulin der ausschlagende Punkt, warum er den Wettbewerb gewann. Für sein Projekt hatte er die Bauordnung sehr geschickt interpretiert: Diese schreibt nämlich vor, dass auf der Grundstücksgrenze gebaut werden muss, was zum Verdecken des alten Hauptgebäudes geführt hätte. Daher entschied Desmoulin, dies lediglich im Erdgeschoß zu tun, indem er den Windfang von der homogenen Masse des Neubaus loslöste. Durch einen fließenden Übergang in eine Wand aus perforierten Metallplatten, die die Anlieferungszone verdeckt, entsteht eine optische Verlängerung des bestehenden Metallstabzauns. 

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So wird eine räumliche Verschränkung zweier Geometrien durch einheitliches Material geschaffen, die als Bindeglied zwischen den unterschiedlichen Bauteilen der bestehenden Museumsanlage wirkt: Während der mittelalterliche Bau eine helle Sandsteinfassade hat, nimmt der Anbau aus dem 19. Jahrhundert die alternierenden Ziegel- und Steinstreifen der umliegenden römischen Konstruktionen auf. Daneben schreibt sich nun ganz selbstverständlich der schlichte, monochrome, sich an die Farbtöne des Bestands anpassende Neubau ein, gekrönt von einem doppelten Satteldach, das die gleiche Neigung hat wie das Dach des dahinter gelegenen Caldariums.

Diskret und lebendig

Die Straßenfassade weist oben einen vertikalen und horizontalen Knick auf, um ein geometrisches und baugesetzliches Problem zu lösen: Dadurch war es möglich, sowohl die Geometrie des Nachbargebäudes weiterzuführen und dennoch die Gebäudeecke auf der vorgeschriebenen Fluchtlinie zu verankern. Durch diese beiden Knicke, die betont nicht aus gestalterischen Gründen entstanden sind, wirkt die Straßenfront konkav.

Die im Sonnenlicht glänzende, stets changierende, kupferbraunlackierte Metallfassade aus Aluminiumgussplatten weist unterschiedliche Texturen auf, welche durch ein individuelles Gussverfahren der einzelnen Platten im Streusandbecken entstanden. „Glatt, mittel oder rau“ waren die einzigen Anweisungen, die er Architekt den Handwerkern gab, der Rest folgte dem Zufallsprinzip. Manche der Platten sind mit einem Muster versehen, dessen Form aus einem gotischen Steinschnitt aus der Kapelle stammt, einem Teil der Museumsanlage. 

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Das Muster gräbt sich dreidimensional ins Material und generiert Löcher, wodurch das Eindringen des Lichts in die dahinterliegenden Fensteröffnungen ermöglicht wird. Somit wird mit ein und demselben Material eine relativ homogen wirkende Fassade erzeugt, die in ihrer gebrochenen Flächigkeit diskrete Zurückhaltung ausstrahlt und durch ihre starke Texturierung dennoch lebendig wirkt. (...)

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