RANDJA Farid Azib © Luc Boegly

Geschützte Werkstatt mit zahlreichen Anspielungen und viel Material-Semantik baute Farid Azib eine introvertierte Schutzburg für Start-Up-Unternehmen. Das gefällt auch der Stadt, die den inneren Platz und das Auditorium für Gemeindeversammlungen nutzt.


 

Starke Form

Die Stadt Saint-Lô in der Normandie hat zusammen mit 60 anderen Gemeinden der Umgebung ein Projekt für eine neue „Aktivitätszone“ am Stadtrand entwickelt, die nicht, wie sonst üblich, aus Supermärkten und Firmensitzen besteht, sondern aus zwei gemeinnützigen Programmen. Eines davon ist ein Inkubationszentrum für innovative Firmen im Bereich der Informatik und der Technologie, wo fachliche Unterstützung für Start-Ups, Klein- und Mittelbetriebe angeboten wird, mitsamt den nötigen Räumlichkeiten.

Den Wettbewerb für dieses Stimulationsprogramm, das auf einem Grundstück entlang einer Schnellstraße errichtet werden sollte, gewann das Büro Randja von Farid Azib mit einem introvertierten, in sich ruhenden Projekt. Wie eine Festung orientiert es sich mit einer „starken Form“ – um den von Martin Steinmann geprägten Begriff zu benutzen – nach innen hin. Der Schweizer Architekturtheoretiker verstand darunter klare „Körper, durch deren Einfachheit die Form, das Material, die Farbe eine große Bedeutung bekommen, und zwar abseits aller Verweise auf andere Bauten.“ Es geht also um Gebäude, die nicht semantisch (sprachlich) kulturelle Symboliken vermitteln, sondern um Formen, die „ihre eigene Bedeutung haben“ und eine „direkte Erfahrung“ ermöglichen.

Wie bei einem Amphitheater soll der innere Vorplatz als Bühne dienen, als „öffentlicher Platz“, der, so Azib, wie im alten Griechenland ein Forum für den Meinungsaustausch, ein „politischer Platz“ sein soll.

 

RANDJA Farid Azib © Luc Boegly

RANDJA Farid Azib © Luc Boegly

Materialtransfer, Archaik

Es handelt sich hier genauer genommen um ein doppeltes Spiel: Einerseits hat die „starke Form“ etwas Abstraktes, Minimalistisches, Archetypisches, das sich prinzipiell gegen das Semantische wendet. Andererseits wird hier aber gerade durch das semantische Fugenmuster der archaisch-megalithische Charakter symbolisch zum Ausdruck gebracht. Semper hatte dieses Phänomen bereits in der Architektur der römischen Antike gefunden, wo aus groben Steinen gemauerte Tempelwände glatt verputzt und dann mit einem aufgemalten Quaderstein-Motiv versehen wurden, um die Materialität der Wand semantisch anzudeuten. Ähnlich verhält es sich hier, allerdings mit einem Materialtransfer: Das Fugenmuster drückt die steinerne Materialität von Riesenquadern aus, die dem Beton in einer transformierten, gegossenen Weise innewohnt.

RANDJA Farid Azib © Luc Boegly

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