Wienerwaldgymnasium Tullnerbach | fasch&fuchs.architekten

Gebauter Lernprozess – überall Wald

Wienerwaldgymnasium Tullnerbach © Hertha Hurnaus

Gehen wir davon aus, dass in einem gelungenen Schulgebäude auch das Lernen gut gelingt. Nehmen wir weiters an, die Schulbehörde weiß, welche Räume für einen zeitgemäßen Unterricht notwendig sind und in welche Zusammenhänge sie gesetzt werden müssen, um ein all tagstaugliches Ganzes zu ergeben. Dann bleibt immer noch die Frage, welche Gestalt dieses in Verordnungen und Raumprogramme gegossene Wissen annehmen soll, um für Lernprozesse mehr als eine bauphysikalisch und funktionell einwandfreie Hülle zu sein. Das Wiener Büro fasch&fuchs.architekten hat mit der Wienerwaldschule Tullnerbach eine heiter gestimmte und daher ernst zu nehmende Antwort auf diese Frage gegeben.


Ein großer Anteil der räumlich wirkenden Qualität ist dem Bauplatz der Schule an der Grenze des Siedlungsgebietes von Tullnerbach zum Biosphärenpark Wienerwald zuzurechnen. fasch&fuchs.architekten erheben das enge Zusammenspiel des gebauten Raumes mit jenem der angrenzenden Natur zum Konzept und vertiefen damit eine Beziehung, die sich vor gut 100 Jahren noch im Genuss des schönen Ausblicks und dem Atmen „guter Luft“ zufriedengeben konnte. Diesem Selbstverständnis entsprechend verbindet sich die Wienerwaldschule am Ende der aus dem Wiental ansteigenden Norbertinumstraße mit dem Landschaftsraum und formt mit den Gebäuden der landwirtschaftlichen Fachschule Nobertinum ein Cluster, in dem die Bandbreite sichtbar wird, die Schulbauten trotz genormter Grundlagen zeigen.

Wienerwaldgymnasium Tullnerbach © Hertha Hurnaus

Das Zusammenspiel von Natur und gebauten Räumen bildet die Basis für dieses Gestaltungskonzept.
© Hertha Hurnaus

fasch&fuchs.architekten haben die beträchtliche Kubatur von 32 Klassen und den ergänzenden Räumen in vier Geschosse organisiert, die zueinander abgestuft in den nach Süden geneigten Hang geschoben sind. Der mit einigem Abstand vor das Schulgebäude gestellte Sportplatz gewinnt dem steilen Gelände auf sparsame Weise die notwendigen ebenen Flächen ab, indem er ein offenes Parkdeck beschirmt. Allen Klassen sind Terrassen zugeordnet die – mit Ausnahme jener des dritten Obergeschosses – eine direkte Anbindung an das natürliche Gelände haben. An den geschlossenen Fassadenabschnitten wurde das Gebäude mit hellem, horizontal gegliedertem Holz bekleidet und ermöglicht so eine zarte Grenze zum Wienerwald. Der Übergang zwischen Innen- und Außenraum erfolgt dezent und allmählich: Auskragende Decken und die an ihre Kante gestellte Stahlkonstruktion, die der Absturzsicherung und der Führung der Sonnenschutzsegel dient, bilden geschützte Freibereiche. Mit ihrem Schatten wird die Sonneneinstrahlung gemildert, ohne den Blick ins Freie zu verstellen.

Betritt man die Wienerwaldschule über den Haupteingang in der Mitte der östlichen Stirnseite, eröffnet sich auf den ersten Blick nicht die Gesamtheit der Räume, dafür aber das Wesen ihrer Zusammenhänge. Die einem Windfang nachgelagerte Aula erstreckt sich auf der Eingangsebene über die gesamte Länge des Gebäudes und fließt über eine Sitzstufenanlage bis ins unterste Geschoss. Durch großzügige Lufträume reicht der Blick hinauf in das zweite und dritte Obergeschoss. Der Turnsaal und der Gymnastikraum auf der Ebene 0 erweitern, von der Aula über eine Glaswand nur akustisch getrennt, den Raum mit ihrem Volumen. Verglaste hofartige Einschnitte und Glasdächer entlang der Bewegungsachse lenken das Tageslicht in alle Bereiche des Hauses und lassen das dicht gepackte Raumprogramm der Schule leicht und luftig wirken.

Wienerwaldgymnasium Tullnerbach © Hertha Hurnaus

In der Aula eröffnen sich abwechslungsreiche Raumsequenzen und Blickbeziehungen.
© Hertha Hurnaus

Das Wienerwaldgymnasium ist übersichtlich organisiert: Im Erdgeschoss befinden sich von einem externen Eingang und einer Zulieferung erschlossen neben Turnsaal und Gymnastik raum samt Nebenräumen alle den Schulbetrieb unterstützendenden Bereiche, von der Haustechnikzentrale über das Arztzimmer bis zur Werkstatt des Schulwarts. Außerdem sind sämtliche Unterrichtsräume, die eigener Einrichtungen und Sammlungen bedürfen, wie der mit einer Siebdruckwerkstatt ausgestattete Bereich für bildnerische Erziehung...

Sie möchten weiterlesen? Dieser Beitrag ist Teil unserer Ausgabe 1-2/2024. Der Volltext ist ab Seite 66 zu finden.


Das Wienerwaldgymnasium Tullnerbach in Bildern:

Wienerwaldgymnasium Tullnerbach © Hertha Hurnaus

Durch einen Luftraum ist die Aula auch mit den darüberliegenden Geschossen verbunden.
© Hertha Hurnaus

Wienerwaldgymnasium Tullnerbach © Hertha Hurnaus

Glaswände erlauben Einblicke ins Unterrichtsgeschehen.
© Hertha Hurnaus

Wienerwaldgymnasium Tullnerbach © Hertha Hurnaus

Im Wienerwaldgymnasium Tullnerbach sind den Klassenräumen Terrassen zugeordnet.
© Hertha Hurnaus


 


 

Banner 1-2/2024

Das könnte Sie auch interessieren

Newsletter Anmeldung

Wir informieren Sie regelmäßig über Neuigkeiten zu Architektur- und Bauthemen, spannende Projekte sowie aktuelle Veranstaltungen in unserem Newsletter.

Als kleines Dankeschön für Ihre Newsletter-Anmeldung erhalten Sie kostenlos ein architektur.aktuell Special, das Sie nach Bestätigung der Anmeldung als PDF-Dokument herunterladen können.