Kinder- und Jugendpsychiatrie | NOW Architektur & Architekt Reinhold Tinchon

Häuser am Dorfplatz

Kinder- und Jugendpsychiatrie © Emilian Hinteregger

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie am Grazer Landeskrankenhaus II Süd fühlt sich nicht wie ein Krankenhaus an. Sie ist ein Gesundheitsbau, der sich in vielen Aspekten an den Bedürfnissen und Wünschen seiner NutzerInnen orientiert.


Der zur Erweiterung der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Grazer Landeskrankenhaus II Süd im Jahr 2020 ausgeschriebene Wettbewerb wollte einen auf die 1970er Jahre zurückreichenden Bestand in der Aufteilung der Funktionen verbessern und um einen Zubau zur Unterbringung einer Tagesklinik und Station der Jugendpsychiatrie sowie eine kleine Eltern-Kind-Abteilung ergänzen. Dass ein Konzept der Arbeitsgemeinschaft des jungen Büros NOW Architektur mit Reinhold Tinchon sofort begeisterte, lag wohl daran, dass die Erweiterung auf den ersten Blick bereits innovativ erscheint.

Kinder- und Jugendpsychiatrie © Emilian Hinteregger

Der Bestand aus den 1970er Jahren wurde in seiner Aufteilung der Funktionen verbessert.
© Emilian Hinteregger

Außen wird das respektable Volumen durch Kleinmaßstäblichkeit, strukturierte Holzfassaden und abwechslungsreich ineinander verschränkte Satteldächer gebrochen. Der neue Hauptzugang liegt in der Mitte zwischen Bestand und neuer, zweigeschossiges Jugendtagesklinik, an einem räumlich gut gefassten Vorplatz bzw. an der „Avenue“, einer inneren Erschließungsachse, die linkerhand in den Bestand bzw. zur Anmeldung verbindet, hinter der die nun mit eigenem Garten ausgestattete Kindertagesklinik gemeinsam mit der Ambulanz den entflochtenen Kopfteil des Bestands bespielt. Rechterhand trennt die Achse einen BesucherInnenbereich von der Jugendtagesklinik, die, einer gängigen Krankenhaus-Typologie folgend, verschiedene Therapie-, Aufenthalts- und Personalräume in einer Doppelgang-Struktur aufreiht. Und sie führt weiter zur Station der Jugendpsychiatrie, die dazu in ihrer Struktur aus zueinander orientierten und um einen großzügigen Verteiler- und Multifunktionsraum gruppierten, eingeschossigen Einheiten eine stimmige Alternative bietet.

Kinder- und Jugendpsychiatrie © Emilian Hinteregger

Dezente Farben erlauben eine rasche Orientierung und wirken für die einzelnen Gruppen als Identifikationshilfe.
© Emilian Hinteregger

Gemeinsam mit ihrem Zentrum wirken die von außen als eigenständige Baukörper in Erscheinung tretenden Funktionsbereiche, Elemente einer bewusst kleinteiligen Struktur des Neubaus, die die nach Krankheitsbildern aufgeteilten Gruppen der stationär behandelten Jugendlichen beherbergen, wie Häuser am Dorfplatz. Dieses Grundkonzept reagiert fabelhaft auf die umliegende Parklandschaft, die damit nicht nur ein „Außenraum“, sondern in vielen, großzügigen Verglasungen präsent und in direkt anschließenden Freibereichen nutz- und erlebbar ist, im Sinne einer „healing architecture“ viel Sonnenlicht einlässt und geradezu Teil des Zubaus wird. Perfekt ergänzt eine benachbarte Kirche den dörflichen Charakter, der sich schon aus der Zusammenstellung mehrerer eher kleiner Volumina auf der grünen Wiese des Pavillon-Krankenhauses wie von selbst aufdrängt. Der inmitten der „Häuser“ liegende Verteiler ist gut nachvollziehbar als „Dorfplatz“ bezeichnet. Er umschließt einen kleinen Innenhof, erschließt die einzelnen Gruppen und ist vom stirnseitig anschließenden Pflegestützpunkt in allen Bereichen gut überblickbar. Im Konzept der ArchitektInnen bildet er einen „extrovertierten Kommunikationsort und bietet Platz für Projektarbeiten, Feste, Kinoabende, oder er ist auch einfach nur ein erweitertes, gruppenübergreifendes Wohnzimmer.“

Sie möchten weiterlesen? Dieser Beitrag ist Teil unserer Ausgabe 5/2024. Der Volltext ist ab Seite 74 zu finden.


Die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bildern:

Kinder- und Jugendpsychiatrie © Emilian Hinteregger

Großzügige Verglasungen erlauben den Eintritt von viel Sonnenlicht.
© Emilian Hinteregger

Kinder- und Jugendpsychiatrie © Emilian Hinteregger

Die Gruppen in ihren Baukörpern funktionieren wie WGs.
© Emilian Hinteregger

Kinder- und Jugendpsychiatrie © Emilian Hinteregger

Holzparkett und -decken tragen zu einer wohnlichen Atmosphäre bei.
© Emilian Hinteregger

Kinder- und Jugendpsychiatrie © Emilian Hinteregger

Auch in der Turnhalle löst sich die Grenze zwischen Innen- und Außenraum auf.
© Emilian Hinteregger


 


 

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