Steinbockzentrum © Lukas Schaller

Tiroler Steinbockmuseum. Museen, in denen es um Steinböcke geht, dürfte es nicht viele geben. Das Tiroler Pitztal hat eines, gebaut von Daniela Kröss und Rainer Köberl aus rostrotem Beton auf einem Schrofen. Angelegt als architektonischer Gegenentwurf zu einem seit Jahrhunderten hier stehenden Hof.


 

Widerständig

Bevor die Steinböcke um die Mitte des 16. Jahrhunderts im hinteren Pitztal – nicht zuletzt wegen der heilsamen Wirkung, die ihrem Fleisch angedichtet wurde – ausgerottet wurden, fühlten sie sich hier sehr wohl. Damals war es noch eine fast ungestörte Gebirgslandschaft am Fuß eines heute zunehmend zerrinnenden, wenn auch immer noch mächtigen Gletschers am Talschluss. Die Tiere kamen zurück – seit Anfang der 1950er Jahre wurden einige dieser geschickten Kletterer hier neu angesiedelt, um sich seither munter zur größten Steinbock-Population in den Ostalpen zu entwickeln.

Ein Haus, das mit viel Fantasie von der Ferne aus fast wie ein leicht erhöht, mitten im Wald stehender, zur „Burg“ versteinerter Steinbock gesehen werden könnte. Der Eindruck von Einsamkeit relativiert sich allerdings bei der Annäherung rasch, ist die gesichtslose Zersiedlung gewachsener dörflicher Strukturen doch längst auch im hinteren Pitztal angekommen.

Steinbockzentrum © Lukas Schaller

Steinbockzentrum © Lukas Schaller

Absage an Klischees

Beim „Haus am Schrofen“, wie das Steinbockmuseum offiziell heißt, wollte man allerdings architektonisch wie ausstellungsgestalterisch ganz bewusst keinerlei massentouristische Klischees erfüllen. Ist es doch Teil des die ganze Region umfassenden Naturpark-Kaunergrat-Projekts, das in neun Gemeinden ganz unterschiedlich aufbereitet wird.

Feines Farbkonzept

Daniela Kröss und Rainer Köberl beschränken sich im „Steinbockmuseum“ auf nur wenige pure Materialien wie Beton, Stahl, durchgefärbte MDF-Platten und Holz, denen sie ein feines Farbkonzept übergestülpt haben. Zelebriert in den unterschiedlichsten Haptiken in den Farben Rot, Grau bzw. jener von unbehandeltem Holz. Wobei es eine Wohltat für verwöhnte Augen ist, dass hier architektonische Hülle und deren Innenleben formal aus einem Guss sind, indem den Architekten auch der komplette Innenausbau und die Möblierung anvertraut wurde.

Steinbockzentrum © Lukas Schaller

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